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Fußball-Bundesliga: Mit Gottesfurcht und Gegenpressing

Fußball-Bundesliga : Mit Gottesfurcht und Gegenpressing

Bayer Leverkusens neuer Trainer Heiko Herrlich ist bekennender Christ.

Heiko Herrlich ist ein gottesfürchtiger Mensch. Das war er schon immer. Schmerzte ihm als kleines Kind der Bauch mal zu arg, „habe ich mir immer vom lieben Gott gewünscht, dass er die Schmerzen vertreibt“, sagt der neue Trainer von Bayer Leverkusen. Da liegt es nahe, auch im Fußball nicht nur auf die staubigen Analysen der Taktik-Freaks zu schauen: „Auch in der Bibel findet man viele Stellen, die ein guter Wegweiser sein können.“

Wahrscheinlich wird Herrlich heute Abend, kurz vor dem Auftaktspiel der 55. Bundesliga-Saison bei Bayern München (20.30 Uhr/ZDF und Eurosport), in der Kabine aber nicht aus dem Brief des Paulus an die Korinther vorlesen. Es wird wohl eher um Halbfeld-Verschiebungen und Lösungsansätze gegen aggressives Pressing gehen. Doch: „Wenn es in bestimmten Situationen passt“, sagte er der Münchner Abendzeitung, werde er „sicherlich“ auch mal Bibelverse einbinden.

Nach zwei Aufstiegen in Folge mit Jahn Regensburg wechselte er in diesem Sommer vom Zweitligisten zurück unters Bayer-Kreuz. Dorthin, wo er schon von 1989 bis 1993 mit wilder Lockenmähne 75 Bundesliga-Spiele absolvierte.

In dieser Zeit zeigte ihm auch sein Mitspieler und Zimmergenosse Jorginho den Weg zu Gott. Gemeinsam gingen sie zum Bibelkreis, wo der Jungprofi Herrlich Menschen traf, die „mich mit ihrem Vertrauen und Glauben angesteckt und bestärkt“ haben. Selbst die Schock-Diagnose Hirntumor im Jahr 2000 ließ Herrlich zweifeln, sie brachte ihn jedoch nicht vom Weg ab. Denn: „Wenn ich weit weg war vom Glauben, war es bislang immer schwierig in meinem Leben. Und wenn ich fest verankert im Glauben war, lief es meistens gut.“

Heute trägt Herrlich die restlichen Haare kurz geschoren. Und zum denkbar schwierigen Start beim Dauermeister wünscht er sich von seinen Spielern vor allem den Glauben an die eigene Stärke. In Leverkusen soll sich vieles ändern im Vergleich zur miserablen Vorsaison, die fernab allen Anspruchs auf dem zwölften Tabellenplatz endete. Herrlich muss den Verein aus seiner Lethargie reißen, er soll die Hingabe zurückbringen. „Bayer 04 will wieder ins internationale Geschäft, und da sehe ich uns auch“, sagt er. „Das ist für uns kein Druck, sondern ein realistischer Anspruch.“ Und dies auch noch attraktiv, offensiv, erfrischend. Möglichst schon heute Abend. Heiko Herrlich glaubt jedenfalls dran.