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Mit Gelassenheit zur Olympia-Medaille

Mit Gelassenheit zur Olympia-Medaille

Saarbrücken. Ruhig, zurückhaltend - diese Attribute passen sicher zu Turner Eugen Spiridonov. Auf den ersten Blick mag man deshalb zweifeln, dass gerade er die großen Hoffnungen auf eine saarländische Olympia-Medaille schultern kann

Saarbrücken. Ruhig, zurückhaltend - diese Attribute passen sicher zu Turner Eugen Spiridonov. Auf den ersten Blick mag man deshalb zweifeln, dass gerade er die großen Hoffnungen auf eine saarländische Olympia-Medaille schultern kann. Der 26-Jährige ist in Peking eines der heißesten Eisen, um nach der Null-Nummer vor vier Jahren in Athen endlich Edelmetall an die Saar zu holen. Doch auch Gelassenheit und Ausgeglichenheit sind Eigenschaften, die eindeutig zu Spiridonov gehören. Und darin liegt wohl seine große Stärke.

Ausbrüche wie am vergangenen Wochenende bei Sprinter Simon Kirch, der seine Freude über den DM-Titel wild herausschrie, sind bei ihm kaum zu erwarten. Für Spiridonov liegt in der Ruhe die Kraft. Dementsprechend gelassen reagiert er auf die Frage, ob die großen Erwartungen, die man zu Hause an ihn stellt, ihn unter Druck setzen. "Überhaupt nicht. Ich muss einfach mein Ding durchziehen. Wer der Beste ist, entscheiden ohnehin die Kampfrichter", antwortet der gebürtige Russe bei seiner Verabschiedung an der Hermann-Neuberger-Sportschule pragmatisch. In den nächsten Wochen trainiert er mit seinen Mannschaftskameraden in Kienbaum bei Berlin, bevor Ende Juli der Flieger nach Fernost geht.

Vor Wettkämpfen versucht der Turner vom TV Bous zu entspannen, hört Musik, liest, geht spazieren und bemüht sich, die Wettkampfabläufe zu automatisieren, um auf den Punkt voll da zu sein. Ein wenig Aberglaube ist bei ihm, wie bei vielen Sportlern, auch dabei. "Rund eine Stunde, bevor es los geht, dusche ich zehn Minuten kalt und heiß", erzählt er. Außerdem rasiere er sich vor Wettkämpfen nie: "Wer rasiert, verliert."

Vier Jahre lang hat Spiridonov für seine erste Olympia-Teilnahme geackert. "Es war 2004 schon ärgerlich für mich, als siebter Mann im Kader nicht dabei sein zu können", gesteht er. "Damals habe ich mir gesagt: Eugen, das nächste Mal musst du es schaffen." Je näher das Olympia-Jahr rückte, desto stärker wurde Eugen Spiridonov. 2006 holte er EM-Silber am Pauschenpferd, 2007 wurde er bei der WM-Dritter mit der Mannschaft. Mit der TG Saar wurde er deutscher Vizemeister und Ende 2007 Saar-Sportler des Jahres. Zuletzt siegte er am vergangenen Wochenende beim Länderkampf in Singen mit der Mannschaft und holte Platz drei im Mehrkampf.

Wie ehrgeizig und hoch motiviert Spiridonov im Olympia-Jahr ist, zeigt sich auch darin, dass es immer noch an ihm nagt, im Mai bei der EM in Lausanne nicht dabei gewesen zu sein. "Der Bundestrainer wollte mich einfach nicht dabei haben", sagt er, und Ärger schwingt in seiner Stimme mit. Erklären könne er sich das nicht. Bei den Qualifikationswettbewerben habe er gute Leistungen gebracht. Seine Turn-Kollegen holten in der Schweiz Mannschafts-Silber.

In Peking wird Spiridonov dabei sein, und dann will auch er sich mit Edelmetall schmücken. Die größten Chancen rechnet er sich im Mannschaftswettbewerb aus, wo er die USA, Russland, Korea und China als härteste Konkurrenten einschätzt. "Wir haben unsere Mannschafts-Leistungen mit denen anderer verglichen und sind auf einem Niveau mit der Konkurrenz", analysiert er. "Am Ende wird es darauf ankommen, wer am stabilsten turnt."

Nach den Olympischen Spielen will Spiridonov erstmal Abstand vom Turnen gewinnen. Der Diplom-Sportlehrer will eine Stelle an einer Schule antreten und zwei Jahre lang keine internationalen Wettkämpfe bestreiten. "Ich habe vier Jahre lang nur geturnt und geturnt. Jetzt wird es Zeit, mal was anderes zu machen", sagt er. "Wir sind auf einem Niveau mit der Konkurrenz. Es wird darauf ankommen, wer am stabilsten turnt."

Eugen Spiridonov