Mit Frauenpower zu 30 Medaillen

Mit Frauenpower zu 30 Medaillen

Das deutsche Olympia-Team steht: Mindestens 152 Athleten und Athletinnen dürfen nach Sotschi reisen, drei hoffen noch auf einen Quotenplatz. Erstmals in der Geschichte haben die Frauen in Sotschi die Oberhand.

Frauenpower für Sotschi: Mit dem kleinsten Team seit Nagano 1998, aber mit so vielen Athletinnen wie noch nie startet die deutsche Olympia-Mannschaft die Mission "Sotschi 2014". 15 Tage vor der Eröffnungsfeier der Winterspiele in Russland (7. bis 23. Februar) nominierte der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) gestern in Frankfurt die letzten 126 Sportlerinnen und Sportler des insgesamt 152 Köpfe zählenden Teams. Mit der Rekordzahl von 77 Athletinnen gehen dabei im deutschen Aufgebot erstmals mehr Frauen als Männer (75) auf Medaillenjagd.

"Wir reisen mit einer starken Mannschaft nach Sotschi und stellen uns einer Herausforderung, die sicher keine einfache werden wird", sagte der neue DOSB-Präsident Alfons Hörmann: "Die letzten Wettbewerbe der Qualifikationsphase haben gezeigt, dass wir breit aufgestellt sind und zuversichtlich sein können, dass das Team erfolgreich sein wird."

Überschattet wird die Vorfreude weiterhin von der drohenden Terrorgefahr am Schwarzen Meer. Notfallpläne für eine eventuelle Evakuierung - wie sie angeblich für das US-Team existieren - gebe es aber nicht, sagte DOSB-Generaldirektor Michael Vesper: "Wir kapitulieren nicht, wir vertrauen auf die Behörden des Gastgeberlandes, dass die Sicherheit aller Mannschaften gewährleistet wird."

Sportlich peilt das DOSB-Team 30 Medaillen an, "also das Wiederholen der Ergebniskonstellation von Vancouver", bekräftige Hörmann, "auch wenn jeder naturgemäß seine eigene Sicht auf die Frage hat, wie leicht es wird". Er persönlich bleibe "bei der gewichtigen Vorstellung, dass es nicht leicht und einfach wird, diese 30 Medaillen zu holen". Daher hatte er zuletzt auch gesagt, mit 25 Medaillen zufrieden zu sein. Allerdings dürfe es nicht nur "um die reine Frage des Medaillenzählens" gehen. "Dabei sein in einer vernünftigen Rangposition kann für junge Athleten der Erfolg des Lebens schlechthin sein", meinte Hörmann.

Vor vier Jahren hatte der DOSB 153 Sportler berufen, größere Aufgebote stellte Deutschland auch bei den Winterspielen 2002 in Salt Lake City (158) und 2006 in Turin (161). Neben den Eishockey-Männern hatten auch die Curling-Frauen und die alpinen Abfahrer das Ticket verpasst. Noch drei Sportler (zweimal Snowboard und einmal Ski Freestlye) wurden vorbehaltlich eines internationalen Quotenplatzes berufen, sind aber noch nicht eingerechnet.

Erstmals hatte 2010 vor eigenem Publikum Kanada (14 Gold, 7 Silber, 5 Bronze) vor Deutschland (10/13/7) das erfolgreichste Team gestellt, die USA (9/15/13) hatten die meisten Medaillen gewonnen. In den Verhandlungen mit den sieben Fachverbänden wurde nun ein Korridor von 27 bis 42 Medaillen festgelegt.

Große Überraschungen blieben bei der zweiten Nominierungsrunde aus. Angeführt wird das deutsche Aufgebot von den Gold-Hoffnungen wie Skifahrerin Maria Höfl-Riesch, Rodler Felix Loch oder Kombinierer Eric Frenzel. "Der Druck muss gar nicht von außen erzeugt werden", sagte DOSB-Generaldirektor Vesper: "Den Druck macht sich jeder Sportler selbst - jeder will beim Höhepunkt seiner sportlichen Karriere optimal abschneiden."

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