Mit dem Rücken zur Wand

Weingarten · Die Köllerbacher Ringer müssen im Halbfinal-Rückkampf am kommenden Samstag gegen den SV Weingarten einen Fünf-Punkte-Rückstand aufholen. Den Hinkampf verlor Köllerbach am Samstag deutlich mit 6:11.

 Der Köllerbacher Kapitän Jan Fischer (links) besiegte am Samstag Weingartens Ramsin Azzisir überraschend mit 4:1 – dadurch hat der KSV überhaupt noch Chancen auf den Finaleinzug. Foto: Iris Bauer

Der Köllerbacher Kapitän Jan Fischer (links) besiegte am Samstag Weingartens Ramsin Azzisir überraschend mit 4:1 – dadurch hat der KSV überhaupt noch Chancen auf den Finaleinzug. Foto: Iris Bauer

Foto: Iris Bauer

War es das schon? Ist der Traum vom Finaleinzug bereits geplatzt? Den Halbfinal-Hinkampf um die deutsche Ringer-Mannschaftsmeisterschaft beim SV Germania Weingarten hat der KSV Köllerbach am Samstagabend mit 6:11 verloren. Fünf Punkte Rückstand - das ist eine echte Hypothek für den Rückkampf am kommenden Samstag (19.30 Uhr) im Püttlinger Trimm-Treff und wird den Köllerbachern unter der Woche schwer zu knabbern geben.

"Heute Abend war mehr drin", sagte Köllerbachs Teamleiter Thomas Geid sichtlich enttäuscht und analysierte das bittere Ergebnis: "Siege von Shyyka, Swierk und Gheorghita waren bei mir klar auf der Haben-Rechnung. Wenn wir im Rückkampf diese Kämpfe drehen und für uns entscheiden können, dann bin ich fest davon überzeugt, dass wir die fünf Punkte noch aufholen werden." Geid hat in den vergangenen Jahren immer wieder Köllerbacher Ringer-Wunder erlebt, die Hoffnung wird er also ganz sicher nicht aufgeben.

Doch auch ihm ist klar, dass die Duelle auf Augenhöhe anders ausgehen müssen als am Samstag. Vor einer beeindruckenden Kulisse von 2200 Fans aus beiden Lagern sollte sich ein wahrer Krimi entwickeln. Der KSV Köllerbach startete mit knappen 1:0-Siegen durch Andrei Dukov gegen Alexandru Chirtoaca und Heiki Nabi gegen Mizgaitis Mindaugas - ein Einstand nach Maß in dieses erste Halbfinale.

Danach musste jedoch die "neue deutsche Achse" des KSV viel Lehrgeld bezahlen: Etienne Kinsinger verlor seinen Kampf gegen Danior Islamov nach 1:0-Führung noch deutlich mit 1:7, und der bisher ungeschlagene Gena Cudinovic war gegen den deutschen Meister William Harth chancenlos (1:5). Als dann auch noch vor der Pause der verletzte Köllerbacher Radoslaw Velikov gegen Weingartens Anatoli Guidea mit 0:15 unter die Räder kam, ging der KSV Köllerbach mit einem 2:8-Rückstand in die Pause.

Eine bittere und erste Niederlage im KSV-Trikot musste an seinem 29. Geburtstag Stefan Gheorghita im zweiten Kampfabschnitt hinnehmen (4:5 gegen Ahmed Dudarov). Auch Swierk (1:3 gegen Ionut Panait) und Shyyka (3:4 gegen Georg Harth) enttäuschten. Dass der KSV noch Chancen auf das Erreichen des Finales hat, verdankt das Team Kapitän Jan Fischer, der die derzeitige Nummer eins der 86-Kilo-Klasse im griechisch-römischen Stil, Ramsin Azzisir, mit 4:1 besiegte. Auch im letzten Kampf des Abends gelang Timo Badusch gegen Altmeister Adam Juretzko erstmals ein Sieg, der zum 11:6-Endstand aus Weingartener Sicht führte. Mitten in der Endphase des Titelrennens sind die Bundesligisten auf Konfrontationskurs mit dem Deutschen Ringer-Bund (DRB) gegangen. Der Eliteklasse in ihrer jetzigen Form droht das Aus, der DRB will hart bleiben. "Ein Verband darf sich nicht erpressen lassen", sagte DRB-Präsident Manfred Werner.

Zwölf der 13 Bundesligisten haben ihre Meldung für die kommende Saison nur unter Vorbehalt abgegeben - lediglich der dreimalige Meister ASV Mainz gehört nicht zu den "Rebellen". Nur wenn ihre eingereichten Forderungen erfüllt werden, wollen die Vereine weiter in der Bundesliga ringen. Sie fordern unter anderem Mitspracherecht und Mitbestimmung bei Strukturfragen, Gewichtsklassen oder dem Einsatz ausländischer Ringer.

"Wir bedauern, dass die Vereine diesen Weg der Auseinandersetzung suchen. Wir haben ihnen vielfach vor Ablauf der Meldefrist die Hand gereicht", äußerte Werner: "Wir können und werden uns jedoch aufgrund unserer Verantwortung für die gesamte Sportstruktur, insbesondere die Nachwuchsentwicklung, zu keiner Zustimmung zu Statutenänderungen nötigen lassen, die einseitig von einer kleinen Zahl von Vereinen mit Blick auf die eigenen Interessen formuliert wurden. Wir sind gewählte Vertreter aller Ringer in Deutschland."

Der DRB kündigte an, zur Not auch ohne die rebellierenden Clubs einen "Ligenbetrieb mit rund 30 Vereinen" zu garantieren. Neben Mainz sollen dann die jetzigen Zweitligisten die Eliteklasse bilden. Die Rebellen drohen auf der anderen Seite mit einer Liga in Eigenregie.

Werner hat zwar kein Verständnis für den Vorstoß der Klubs und glaubt auch nicht an deren Geschlossenheit, "dennoch lassen wir die Tür offen". Nach Aussage Werners müssen die Klubs aber auf den Verband zukommen, um doch noch eine Einigung zu erzielen.