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Basketball
Mit dem Nowitzki-Virus im Blut

Moritz Wagner ballt die Faust. Er will seinen Weg gehen – und zwar künftig in der Profiliga NBA.
Moritz Wagner ballt die Faust. Er will seinen Weg gehen – und zwar künftig in der Profiliga NBA. FOTO: dpa / Jae Hong
Ann Arbor. Basketball-Toptalent Moritz Wagner entscheidet sich für den Gang in die NBA.

Moritz Wagner war 14, als er sich unheilbar infizierte. Man schrieb das Jahr 2011, als ein gewisser Dirk Nowitzki mit den Dallas Mavericks seinen ersten Meisterring in der NBA gewann. Wagner verfolgte gebannt die Finalserie gegen Miami und fand sein Idol. „Ich habe seitdem das Dirk-Virus“, sagt das deutsche Basketball-Talent.


Nun will er seinem Vorbild folgen. „Ich habe mich entschieden, einen Manager zu engagieren und mich für den NBA Draft 2018 anzumelden“, schrieb der 2,11 Meter große Flügelspieler in einem Beitrag auf dem Internetportal „The Players Tribune“. Dort zu sehen ist ein Nowitzki-Poster an der Wand seiner Wohnung in Ann Arbor. Darauf steht geschrieben: „Alle Träume klingen verrückt. Bis sie wahr werden.“

Gekauft hatte Wagner das Poster 2011 nach dem Triumph der Mavericks, er hängte es damals in seiner Bude in Berlin auf. Als er vier Jahre später vom Bundesligisten Alba Berlin, für den er erst einige Spiele absolviert hatte, an die University of Michigan wechselte, gehörte das Bild zu seinen wichtigsten Utensilien, die er auf seinem Weg über den Großen Teich mitnahm.

„Es hat mich jeden Tag daran erinnert, dass ich mir sagte: Dieser Junge kommt aus deinem Land, er wurde zum NBA-Allstar, zum MVP, holte den Titel. Und dabei war er nicht lange davor nur ein Teenager aus Deutschland, wie ich. Jetzt aber macht er auf dem Platz all diese wunderbaren Sachen, das hat mich inspiriert“, sagte der gebürtige Berliner. Und so nahm Moritz „Moe“ Wagner das kostbare Poster mit.

Dass Wagner beim Draft, der alljährlichen Verteilung der Basketball-Talente, gezogen wird, gilt als sicher. Experten schätzen, dass es sogar in der ersten Runde passieren wird. Was dann kommt, ist unklar. Doch Wagner ist bereit, den Weg zu gehen, im zweiten Anlauf. Schon 2017 hatte er sich für den Draft angemeldet, um später doch wieder zurückzuziehen. Er wollte noch ein Jahr an der Uni bleiben und für die Michigan Wolverines spielen.



Ein weiser Entschluss. Denn bei der diesjährigen March Madness, dem Aufeinandertreffen der besten College-Teams des Landes, spielte sich Wagner mit eindrucksvollen Vorstellungen in die wichtigsten Notizbücher der Branche. Neben seiner starken Physis verfügt er auch über ein gutes Händchen für Distanzwürfe, wie sein Vorbild Nowitzki, dem er bereits sehr ähnelt. Spätestens mit seinem Gala-Auftritt im Halbfinale gegen die Loyola Ramblers aus Chicago rückte er endgültig ins Rampenlicht. Mit 24 Punkten und 15 Rebounds erreichte er Statistiken wie zuvor nur die späteren NBA-Superstars Larry Bird (1979) und Hakeem Olajuwon (1983). Erst im Finale der amerikanischen College-Liga NCAA scheiterten die Wolverines vor knapp 70 000 Zuschauern am Favoriten Villanova Wildcats.

Das tat dem Hype um seine Person keinen Abbruch. Selbst Dirk Nowitzki schrieb bei Twitter: „Ich sehe dich.“ Vielleicht schon früher als gedacht. Denn der Würzburger hatte sich jüngst entschieden, noch eine Saison in Dallas dranzuhängen.