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Interview mit Ralph Hasenhüttl
„Mir ist Jammern einfach zuwider“

Ralph Hasenhüttl, der Trainer von RB Leipzig, will seine Mannschaft wieder auf den zweiten Platz hinter Bayern München führen.
Ralph Hasenhüttl, der Trainer von RB Leipzig, will seine Mannschaft wieder auf den zweiten Platz hinter Bayern München führen. FOTO: Jan Woitas / dpa
Leipzig. Der Trainer des deutschen Vizemeisters RB Leipzig spricht über Erfolg, seinen Anteil, eigene Fehler und seine Zukunft.

Ralph Hasenhüttl hat einen klaren Ansatz: Er will Lösungen finden. So geht er jedes Spiel mit RB Leipzig an. So hat er den Club nach der Übernahme als Trainer im Sommer 2016 bis auf den zweiten Platz der Fußball-Bundesliga geführt. So will er wieder als „best of the rest“ hinter dem FC Bayern in die Champions League einziehen. In einem Interview der Deutschen Presse-Agentur spricht er unter anderem über seine Arbeit und den Reiz, den der Posten als österreichischer Nationaltrainer irgendwann einmal haben könnte.



Herr Hasenhüttl, man hört Sie nie jammern, sondern immer nur das Credo: Wir müssen Lösungen finden. Wie hat sich diese Einstellung bei Ihnen herausgebildet?

RALPH HASENHÜTTL Mir ist Jammern einfach zuwider. Ich versuche natürlich, für jede Situation Verständnis zu haben, ich will aber einen lösungsorientierten Ansatz. Alibis, Entschuldigungen, Jammern sind in unserem Sport fehl am Platz. Ich will bei einem Spieler das Gefühl haben, dass er es nicht akzeptiert, wenn etwas nicht funktioniert. Wenn das der Fall ist, bin ich bereit, einem Spieler jede Unterstützung zu geben, die er braucht.

Sportdirektor Ralf Rangnick hat zuletzt zwei Mal öffentlich die Mannschaft deutlich kritisiert, Sie öffentlich weniger. Ist er der Böse und Sie der Gute?

HASENHÜTTL Wir sind jeder für sich nicht immer nur positiv oder negativ. Wir haben beide nach dem letzten Spiel in 2017 (2:3 gegen Hertha BSC) unsere Leistung sehr deutlich kritisiert. Wir tauschen uns intern regelmäßig aus – ganz unabhängig von der aktuellen Leistung. Das ist sehr wichtig. Man ist nicht immer einer Meinung, man muss aber einen Konsens finden.



Welche Rolle spielt Ralf Rangnick?

HASENHÜTTL Ralf ist hier im Verein der Motor, wie ich immer sage. Er treibt alle an und trifft im sportlichen Bereich die strategischen Entscheidungen.

Ralf Rangnick wird gern auch als Architekt von RB gesehen. Haben Sie die Befürchtung, dass Sie bei allem Erfolg, den Sie bisher in Leipzig hatten, in seinem Schatten stehen?

HASENHÜTTL Nein, null (lacht). Wieso sollte ich?

Weil man in der Öffentlichkeit sagen könnte, dass ein Ralf Rangnick hinter diesen Erfolgen steht?

HASENHÜTTL Das ist doch absolut in Ordnung. Ich habe nicht das Gefühl, zu wenig Licht abzubekommen. Ich bin seit anderthalb Jahren hier, Ralf leitet seit über fünf Jahren alle sportlichen Geschicke des Vereins. Er hat den Verein dorthin gebracht, wo er jetzt ist. Ich bin hier, um das Bestmögliche aus der Mannschaft rauszuholen. Wenn mir das gelingt, mache ich einen guten Job.

Können Sie das auch so sehen, weil es Ihrer Attitüde als Mannschaftsspieler entspricht?

HASENHÜTTL Ich habe schon als Spieler den persönlichen Erfolg hinter den der Mannschaft gestellt. So mache ich es auch als Trainer. Im Vergleich zu meinem letzten Verein, wo der Erfolg eher eng mit meiner Person verbunden wurde, ist mir die Situation hier wesentlich lieber. Das mag ein bisschen uneitel klingen. Wichtig ist zu wissen, bis zu welchem Punkt man als Trainer Verantwortung übergeben kann und wann man sein Ding durchziehen muss.

Wie gehen Sie mit eigenen Fehlern um?

HASENHÜTTL Sehr kritisch. Ich hinterfrage mich sehr oft. Was ist gut, was muss besser werden? Jeden Tag, 365 Tage im Jahr. Ich will mich immer und in allen Bereichen verbessern. Das habe ich als Spieler so gemacht, das mache ich als Mensch und auch als Trainer.

Dürfen die Spieler Sie kritisieren?

HASENHÜTTL Wenn einer der Meinung ist, dass etwas nicht passt und er gute Argumente hat, darf er immer zu mir kommen. Wenn ich die besseren Argumente habe, darf er ganz schnell wieder gehen.

Haben Sie einen Karriere-Fahrplan?

HASENHÜTTL Nein, den habe ich nicht. Ich habe in meiner Trainerkarriere bis jetzt auch sehr viel Glück gehabt und die richtigen Schritte gemacht. Es war aber nie so, dass ich in irgendeiner Phase gesagt hätte, in zwei Jahren muss ich da sein, in weiteren zwei dort. Es hat in diesem kurzlebigen Geschäft auch keinen Sinn, man lebt von Monat zu Monat und versucht, mit Erfolgen im Job zu bleiben.

Wie sehr hebt die Teilnahme an der Champions League auch das Anspruchsdenken der Spieler – jeder dürfte ja wieder dorthin wollen?

HASENHÜTTL Die Spieler dürfen sich die größtmöglichen Ziele setzen, die es gibt. Davon leben sie. Die Spieler dürfen von Champions­-League-Titeln träumen, von Weltmeister-Titeln. Das brauchen sie, mir ging das als Spieler nicht anders.

Apropos WM – reizt es Sie, den österreichischen Fußball als oberster Trainer erfolgreich zu machen?

HASENHÜTTL Da kommt bestimmt irgendwann der Moment, in dem man sich das gut vorstellen könnte. Ob man dann in dem Moment auch wirklich ein Kandidat für das jeweilige Land ist, bleibt dahingestellt. Es ist sicher eine reizvolle Sache, irgendwann so einen Job für das Land, in dem man geboren und aufgewachsen ist und dessen Nationalität man hat, zu übernehmen.

Auch, um diesem Stress des Alltags nicht mehr ausgesetzt zu sein?

HASENHÜTTL Das ist sicherlich auch ein Faktor, der irgendwann eine Rolle spielen wird. Im Moment wären mir die wenigen Spiele der Nationalmannschaft von der Anzahl her aber insgesamt zu wenig.

Die Fragen stellte dpa-Mitarbeiter Jens Marx.