"Mir blutet das Herz"

Neunkirchen. An diesem Samstag wird um 14.30 Uhr im Neunkircher Ellenfeld das Derby Borussia Neunkirchen gegen den FC Homburg angepfiffen. Verliert die Mannschaft von Trainer Heinz Henkes gegen das Team von Jens Kiefer, geht der freie Fall in Richtung Tabellenende weiter

Neunkirchen. An diesem Samstag wird um 14.30 Uhr im Neunkircher Ellenfeld das Derby Borussia Neunkirchen gegen den FC Homburg angepfiffen. Verliert die Mannschaft von Trainer Heinz Henkes gegen das Team von Jens Kiefer, geht der freie Fall in Richtung Tabellenende weiter.

Neunkirchens Sportdirektor Yilmaz Örtülü sieht im Hinspiel, das 0:0 endete, eine Art Knackpunkt für die bisher miserable Saison der Borussia. "Da hätten wir gewinnen müssen, waren das bessere Team", sagt Örtülü, "danach ging es bergab". Platz 15, erst fünf Saisonsiege - für die mit Ambitionen gestarteten Neunkircher viel zu wenig. Das weiß auch Örtülü und sucht nach Gründen. Fündig wird er unter anderem in der Struktur der Mannschaft. "Der ein oder andere ältere Führungsspieler hat seine Aufgabe nicht zu 100 Prozent erfüllt", sagt Örtülü, ohne Namen zu nennen. Außerdem sei es schwer, im unruhigen Umfeld der Borussia Leistung zu bringen. "Wir kommen ja gar nicht zur Ruhe", sagt Örtülü.

Zur Unruhe tragen viele Faktoren bei. Nach SZ-Informationen steht der Borussia finanziell das Wasser bis zum Hals. Dazu kommt die Führungskrise: Wie es nach dem Rücktritt des Kurzzeit-Vorsitzenden Roland Schön weiter geht, weiß niemand. Schön hatte das Handtuch geworfen, weil gegen ihn ein Verfahren der Staatsanwaltschaften Saarbrücken und Bochum wegen gewerbsmäßigem Betrug mit Immobiliengeschäften läuft. Die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen, war von der Staatsanwaltschaft zu erfahren. Zurzeit sei man dabei, Unterlagen, die sichergestellt worden seien, auszuwerten. Zusätzlich sei ein "neues Verfahren im Zusammenhang mit dem Vertrieb von Solardächern" anhängig. Schön, der die Vorwürfe bestreitet, hatte seinen Rücktritt damit begründet, "Schaden und negative Berichterstattung vom Verein abzuwenden, gerade in der momentan sportlich angespannten Situation."

Doch der Karren scheint nach wie vor verfahren. Alte Borussen geben sogar zu, deswegen schlaflose Nächte zu haben. Auch Matthias Woll, der dem Verein mehr als einmal - auch finanziell - aus der Patsche geholfen hat, geht es so. "So was hat es noch nicht gegeben", sagt er und erinnert sich an Zeiten, "in denen man darum gekämpft hat, bei der Borussia in der Führung zu sein und ihr dienen zu dürfen." Woll wird noch deutlicher: "Mir blutet das Herz. Wenn ich zehn Jahre jünger wäre, würde ich mich nochmal zur Verfügung stellen. Doch mit 74 will ich mir das nicht mehr antun."

Zurück zum Derby. Da ist Homburg Favorit - doch Neunkirchen will nicht klein beigeben. "Ich bin immer noch davon überzeugt, dass wir besser sind als unser Tabellenplatz", sagt Yilmaz Örtülü und hofft, dass Arif Karaoglan auflaufen kann. Der mit sieben Treffern beste Borussen-Torschütze dieser Saison konnte nach seinem Muskelfaserriss wieder leicht mittrainieren. mwe/kk

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