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Mercedes hat bisher nur gepokert

Mercedes hat bisher nur gepokert

Die Formel 1 startet in eine neue Ära. Das Kräfteverhältnis der Rennställe könnte sich nach umfangreichen Reglement-Änderungen neu ordnen. Die SZ macht vor dem Saisonauftakt am kommenden Sonntag in Melbourne (7 Uhr/RTL) den Formtest.

MERCEDES: Nach 51 Siegen aus den letzten 59 Rennen ist Team-Weltmeister Mercedes selbstredend der Gejagte. Die ersten Eindrücke sprachen für sich: Der dreimalige Champion Lewis Hamilton und Valtteri Bottas spulten bei den Testfahrten in Barcelona die meisten Runden ab, der neue W08 lief nahezu wie ein Uhrwerk. "Schwächen" offenbarte der neue Silberpfeil allenfalls bei den Bestzeiten: An fünf der acht Testtage auf dem Circuit de Barcelona-Catalunya setzte ein anderes Team die Marke, obwohl beide Mercedes-Piloten durchaus mit der schnellsten Reifenmischung unterwegs waren. Dennoch unkten einige Konkurrenten, dass Mercedes im Wissen um die eigene Stärke den Rest des Feldes nur in falscher Sicherheit wiegen wollte. Tatsächlich ist anzunehmen, dass die Silberpfeile auch in der Saison 2017 der Maßstab sind, wenn es um Punkte und Pokale geht.

Die Piloten: Lewis Hamilton (32, England), Valtteri Bottas (27, Finnland).

RED BULL: Die große Unbekannte. Max Verstappen und Daniel Ricciardo brillierten bei den Tests zwar mit guten Zeiten in der Nähe von Mercedes und Ferrari, doch Probleme vor allem mit dem Renault-Motor bremsten die Roten Bullen mehr als einmal aus. Traditionell hat das Team im Verlauf einer Saison aber eine steile Entwicklungskurve. Gut möglich, dass die Aerodynamik-Abteilung um Design-Guru Adrian Newey schon für Melbourne radikale Veränderungen parat hat. Das bisher gezeigte Design des RB 13 war jedenfalls, für Red-Bull-Verhältnisse, außergewöhnlich konservativ.

Die Piloten: Daniel Ricciardo (27, Australien), Max Verstappen (19, Niederlande).

FERRARI: Der italienische Traditionsrennstall hofft (mal wieder) auf eine glorreiche Saison. Nach dem Katastrophenjahr 2016 ohne Sieg sorgten Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen bei den Testfahrten reihenweise für Fabelzeiten, allerdings hatten die Roten auch mit zwei Elektronikdefekten zu kämpfen. Der Wagen hat sichtbar eine gute Straßenlage, wie sogar Mercedes-Teamaufsichtsrat Niki Lauda anerkannte. Zumindest ein paar Siege sollten angesichts der ersten Eindrücke möglich sein.

Die Piloten: Sebastian Vettel (29, Heppenheim), Kimi Räikkönen (37, Finnland).

FORCE INDIA: Im Vorjahr überraschte Force India als WM-Vierter hinter den drei reichsten Teams, bei den Testfahrten gehörten Sergio Perez (Mexiko) und sein neuer Teamkollege Esteban Ocon (Frankreich) mit dem neuen VJM 10 aber zu den negativen Überraschungen. Fehlende Geschwindigkeit und Probleme mit der Standfestigkeit sorgten für ein paar Sorgenfalten. Optisch wird der Force India in jedem Fall herausstechen: Nach einem millionenschweren Sponsorendeal leuchtet der Lack 2017 in gewöhnungsbedürftigem Pink.

Die Piloten: Sergio Pérez (26, Mexiko), Esteban Ocon (20, Frankreich).

WILLIAMS: Nach dem Weggang von Valtteri Bottas zu Mercedes wurde das Team aus Grove schon zu den potenziellen Hinterbänklern gezählt. Doch zumindest die Testergebnisse des vom Rücktritt zurückgetretenen Felipe Massa (Brasilien) deuteten an, dass Williams ein starkes Paket geschnürt hat und unter der Leitung des neuen Technikchefs Paddy Lowe überraschen kann. Das setzt aber voraus, dass Neuling Lance Stroll (18/Kanada), dem in Barcelona drei Unfälle unterliefen, das Auto schnell in den Griff bekommt.

Die Piloten: Felipe Massa (35, Brasilien), Lance Stroll (18, Kanada).

MCLAREN: Im dritten Jahr der neuaufgelegten Ehe mit Motorenpartner Honda sollte es für McLaren endlich nach vorne gehen - dann kamen die Tests in Barcelona, die mit "Pleiten, Pech und Pannen" noch schmeichelhaft beschrieben sind. Der Antriebseinheit des MCL32 fehlte es an Power und Standfestigkeit. Ex-Weltmeister Fernando Alonso und Teamchef Eric Boullier übten deswegen ungewohnt harsche Kritik an Hersteller Honda, mit dem McLaren einst in der Ära Senna/Prost das Maß der Dinge gewesen war. Für den Verlierer der Vorbereitung kann es zunächst nur darum gehen, den Anschluss an das Mittelfeld herzustellen - und den Graben in den eigenen Reihen zuzuschütten. Es gibt bereits Gerüchte, dass McLaren für 2018 eine Rückkehr zu Mercedes anstrebt.

Die Piloten: Fernando Alonso (35, Spanien), Stoffel Vandoorne (24, Belgien).

TORO ROSSO: Vom Design her erinnert der Toro Rosso an den Entwurf von Branchenführer Mercedes, doch nach den Eindrücken der Testfahrten ist dem Nachwuchsteam von Red Bull der erhoffte große Wurf nicht gelungen. Nur McLaren (425) brachte es auf noch weniger Runden als die Scuderia (584) - Mercedes (1096) schaffte fast doppelt so viele. Carlos Sainz junior und Daniil Kwjat sind zunächst im engen Mittelfeld der Formel 1 zu erwarten.

Die Piloten: Daniil Kwjat (22, Russland), Carlos Sainz Jr. (22, Spanien).

RENAULT: Die Vision vom Gewinn der Weltmeisterschaft im Jahr 2020 steht, doch bis dahin ist es ein steiniger Weg für den Drittletzten der letztjährigen Konstrukteurs-WM. Mit Neuzugang Nico Hülkenberg als klarem Nummer-eins-Fahrer vor dem Briten Jolyon Palmer reihte sich das französische Werksteam nach Anlaufschwierigkeiten am Ende der Testfahrten im Mittelfeld ein. Den angestrebten fünften Platz zu erreichen, dürfte schwer werden.

Die Piloten: Nico Hülkenberg (29, Emmerich), Jolyon Palmer (25, Großbritannien).

HAAS: In der Vorbereitung auf das zweite Formel-1-Jahr hat der US-Rennstall eine mäßige Frühform bewiesen. Ständige Probleme mit der Balance schlugen bei Romain Grosjean (Frankreich) und Neuzugang Kevin Magnussen (Dänemark) auf das Gemüt. Im breiten Mittelfeld der Formel 1 muss Haas wohl eher nach unten zu McLaren und zu Sauber schauen als auf regelmäßige Punkte zu schielen.

Die Piloten: Romain Grosjean (30, Frankreich), Kevin Magnussen (24, Dänemark).

SAUBER: In der Vorsaison mit Mühe und Not Vorletzter in der Team-WM, ist Sauber nach der Insolvenz von Schlusslicht Manor auf dem Papier der große Außenseiter. Mercedes-Zögling Pascal Wehrlein soll das Schweizer Traditionsteam mit seiner fahrerischen Klasse zumindest hin und wieder in die Nähe der Punkteränge bringen. Nüchtern betrachtet kann der Sauber-Rennstall mit einem Ferrari-Vorjahresmotor aber wenig ausrichten gegen die wirtschaftlich stärkere Konkurrenz. Zumindest in punkto Zuverlässigkeit dürfte man aber vor allem McLaren zunächst voraus sein.

Die Piloten: Marcus Ericsson (26, Schweden), Pascal Wehrlein (22, Worndorf).