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LSVS-Finanzskandal
Meiser tritt als LSVS-Präsident zurück

Nicht mehr LSVS-Präsident: Klaus Meiser.
Nicht mehr LSVS-Präsident: Klaus Meiser. FOTO: BeckerBredel
Saarbrücken. Rücktritt bei krisengeschüttelten Landessportverband Saar, den eine millionenschwere Schuldenlast drückt. CDU-Politiker Klaus Meiser hat sein Amt als Verbandspräsident mit sofortiger Wirkung zur Verfügung gestellt. Von Mark Weishaupt
Mark Weishaupt

Klaus Meiser hat den Weg für einen Neuanfang im saarländischen Sport freigemacht und ist von seinem Amt als Präsident des Landessportverbandes für das Saarland (LSVS) zurückgetreten. Der 63 Jahre alte CDU-Politiker zog damit die Konsequenzen aus dem Mitte Dezember 2017 öffentlich gewordenen LSVS-Finanzskandals. Die Dachorganisation des Saarsports hat seit Jahren deutlich mehr Geld ausgegeben, als ihr zur Verfügung steht, und steht finanziell derzeit mit dem Rücken zur Wand.


Ein Konsolidierungsberater kümmert sich derzeit um die Aufarbeitung der Finanzen und hatte Anfang der Woche eine erste verheerende Zwischenbilanz gezogen. Rechtsanwalt Michael J. W. Blank aus Völklingen bezifferte das jährliche strukturelle Defizit des LSVS auf 2,5 Millionen Euro. Vor allem der Haushalt der Hermann-Neuberger-Sportschule schreibt rote Zahlen. Die Sportlermensa macht gut 678 000 Euro Minus, die Unterkünfte schlagen mit gut 554 000 Euro Minus zu Buche, die Schwimmhalle verursacht gut 431 000 Euro Verlust, das Haus der Athleten fast 400 000 Euro und die Multifunktionshalle gut 272 000 Euro. Auch der Fehlbetrag, den der LSVS gegenüber der Sportplanungskommission hat, ist laut Blank deutlich höher. Bisher waren Verbindlichkeiten von 4,1 Millionen Euro bekannt, Blank bezifferte sie nun auf 8,5 Millionen Euro. Die Liquidität des Verbandes ist laut Blank derzeit nur noch bis Ende Juni dieses Jahres gesichert.

Gegen Meiser ermittelt seit Monaten die Staatsanwaltschaft wegen Verdachts auf Untreue und wegen möglicher Vorteilsgewährung. Im Zuge der Finanzaffäre ist er bereits als Präsident des Landtages zurückgetreten. Meiser war nun nach Bekanntwerden der Zahlen von Blank noch mehr in die Kritik geraten. Ein Kuriosum rund um seinen Heimatverein, die Spvgg. Quierschied, brachte dann offenbar das Fass zum Überlaufen. Der Fußball-Club, der derzeit in der Saarlandliga spielt, hatte in den Jahren 2015 und 2017 zwei Trainingslager an der Sportschule bezogen. Der stellvertretende LSVS-Hauptgeschäftsführer F. soll laut Ermittlungen der Saarbrücker Staatsanwaltschaft veranlasst haben, dass dem Quierschieder Verein nicht alle Kosten für seine Trainingslager an der Hermann-Neuberger-Sportschule vom LSVS belastet wurden. Meiser, der seit Ende 2014 LSVS-Präsident ist, ist bei der Spvgg Quierschied zweiter Vorsitzender.



Durch die neuen Zahlen und Enthüllungen war der Druck auf Meiser und seine noch im Präsidium des LSVS verbliebenen Kollegen erneut gestiegen. Erstmals hatte auch der Koalitionspartner SPD unter der Woche öffentlich den Rücktritt von Meiser und Präsidiumskollegen gefordert. SPD-Generalsekretär Christian Petry sagte: „Der Präsident ist bar der neusten Entwicklungen eine Belastung und trägt nicht mehr zur Aufklärung bei. Der LSVS braucht jetzt einen vollständigen Neustart. Nur so kann die so wichtige Sanierung mit Sachverstand und Neutralität erreicht werden. Deshalb ist die direkte Neuaufstellung an der Spitze des LSVS nach vertaner Chancen zwingend erforderlich.“ Ministerpräsident Tobias Hans hatte sich etwas zurückhaltender geäußert und einen „raschen Neuanfang, unabhängig von der Frage der Verantwortlichkeiten“ gefordert.