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Matthäus liebt Tel Avivs Nachtleben

Matthäus liebt Tel Avivs Nachtleben

Netanja. Ein Saisonstart, der zum Prahlen einlädt, doch Lothar Matthäus übt sich in Bescheidenheit. Nach sechs Spielen in Israels Liga steht sein Verein Maccabi Netanja blendend da: Vier Siege, zwei Remis - nur das schlechtere Torverhältnis trennt Netanja von Tabellenführer Maccabi Haifa

Netanja. Ein Saisonstart, der zum Prahlen einlädt, doch Lothar Matthäus übt sich in Bescheidenheit. Nach sechs Spielen in Israels Liga steht sein Verein Maccabi Netanja blendend da: Vier Siege, zwei Remis - nur das schlechtere Torverhältnis trennt Netanja von Tabellenführer Maccabi Haifa.

"Das konnte keiner erwarten", sagt der 47-jährige Fußball-Lehrer: "Wir haben eigentlich weder das Budget noch die Qualität in unserem Kader, um um die Meisterschaft mitzuspielen." 100 Tage als erster deutscher Trainer im israelischen Profi-Fußball, schlägt er ungewohnt leise Töne an. Markige Worte: Fehlanzeige.

Mit einem Etat von fünf Millionen Euro muss Vize-Meister Netanja haushalten. Beitar Jerusalem, der Meister der vergangenen zwei Jahre, kann 20 Millionen Euro ausgeben. "Die Infrastruktur in unserem Club ist schlecht, wir müssen mit einfachsten Mitteln zum Erfolg kommen", beschreibt der deutsche Rekord-Nationalspieler die Arbeitsbedingungen bei seiner sechsten Trainer-Station. Auch die Professionalität seiner Spieler lasse "zu wünschen übrig". Trotz aller Klagen fühlen sich Freundin Liliana und Matthäus sehr wohl in Israel: "Hier kann man hochqualitativ leben. Die Menschen sind herzlich. Und Tel Aviv ist eine Großstadt, die alles bietet, bis hin zu einem tollen Nachtleben." Die Küstenstadt liegt eine Autostunde nördlich von Tel Aviv.

Matthäus geht davon aus, seinen Zwei-Jahres-Vertrag zu erfüllen, "aber in dem Geschäft ändert sich ja häufig alles ganz schnell". Sicher wolle er nicht für immer in Israel leben, erklärt der Weltmeister von 1990. Als reine Bewerbungsstation für neue Jobs will er das Engagement bei Netanja aber nicht verstanden wissen. Obwohl er als Trainer nichts erreicht hat, sagt er: "Ich brauche keine Bewerbungen mehr abzugeben. Jeder, der meine Trainerlaufbahn verfolgt hat, weiß, wofür ich stehe, wohin der Weg mit mir geht." Erfahrung sammelte er bei Rapid Wien, Partizan Belgrad, mit Ungarns Nationalelf, bei Atletico Paranaense in Brasilien und als Giovanni Trapattonis Assistent bei Red Bull Salzburg. Dank 150 in Israel empfangbarer TV-Sender ist er über die Bundesliga dem Laufenden. Künftige Wirkungsstätten könne er sich aber weiterhin im Ausland vorstellen: "Mein Fokus ist nicht auf die Bundesliga gerichtet. Ich weiß über den gesamten internationalen Fußball Bescheid."