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Marx, der Meistermacher

Marx, der Meistermacher

Mit Vollgas in die Geschichtsbücher: Mercedes-Pilot Pascal Wehrlein kann am Wochenende in Hockenheim der jüngste DTM-Meister der Geschichte werden. Auch dank maßgeblicher Hilfe eines Saarländers.

An diesem Sonntag wird er 21. Doch wenn alles normal läuft, wird Pascal Wehrlein am Wochenende noch viel mehr feiern können als nur seinen Geburtstag. Der Mercedes-Pilot steht kurz vor dem Gewinn des DTM-Titels. Dem mit Abstand konstantesten Fahrer im Feld genügt beim Saisonfinale bereits ein dritter Platz in den Rennen am Samstag (13.30 Uhr) und Sonntag (15.15 Uhr), um alles klar zu machen. Er wäre dann der bislang jüngste Champion der Rennserie.

Ein Saarländer hat großen Anteil an Wehrleins Aufstieg: Martin Marx (41) aus Lebach. Der Fahrzeug-Ingenieur ist bei Mercedes für alle acht DTM-Renner zuständig, vor allem aber für den des Worndorfers. Damit ist er der erste und wichtigste Ansprechpartner des Fahrers. Der Lebacher bespricht mit Wehrlein die Abstimmung des Autos, jede Einstellung des Fahrwerks, des Motors, der Bremsen. Jeden Boxenstopp. Marx feuert im Rennen den Fahrer über Funk an - oder versucht, in der Hitze des Gefechts das Gemüt zu kühlen.

Der Lebacher ist einer der erfahrenen Männer im Mercedes-Team, hat schon 120 DTM-Rennen auf dem Buckel. 2003 fing er an, arbeitete die ersten beiden Jahre mit Bernd Schneider zusammen. "Von ihm habe ich viel gelernt", erzählt Marx. Gleich im ersten Jahr konnten die beiden den Titel einfahren.

Im Laufe der Zeit betreute der Ingenieur außerdem unter anderem Jamie Green und (bei einem Abstecher zu BMW ) Dirk Werner und Bruno Spengler. Auch Spengler fuhr mit Hilfe des Lebachers den Titel ein. Dennoch kehrte Marx nach einer Saison zu Mercedes zurück.

Mit Wehrlein arbeitet er nun schon im zweiten Jahr zusammen. "Pascal ist ein absolutes Ausnahme-Talent", findet der Lebacher. Und nicht nur er. "Pascal ist sehr clever und abgebrüht. Das erwartet man eigentlich eher von einem älteren Piloten", sagte Mercedes-DTM-Chef Ulrich Fritz kürzlich am Nürburgring und nannte den 20-Jährigen in einem Atemzug mit Bernd Schneider.

Auch Marx sieht Parallelen zwischen seinem derzeitigen Schützling und dem DTM-Rekordsieger: "Er ist - wie Bernd - sehr oft beim Team in Affalterbach, kennt dort jeden. Und auch in der Sensibilität, im Gefühl, das er fürs Auto hat, erinnert er mich an Bernd. Außerdem ist Pascal ähnlich akribisch."

Und so fährt der 20-Jährige mit Vollgas auf Titelkurs. "Es muss schon viel schief gehen", gibt Wehrlein zu. Seine ärgsten Rivalen, die Audi-Piloten Edoardo Mortara und Mattias Ekström , liegen im Klassement 37 und 38 Punkte zurück. Nahezu aussichtslos. "Wir geben Gas. Aber realistisch gesehen haben wir keine Chance mehr auf den Titel", sagt Ekström. "Wir müssen auf ein Problem bei Wehrlein hoffen", findet Mortara. Für Wehrlein selbst wäre der Titel nur eine Zwischenstation. Der Aufstieg in die Formel 1, zu einem Mercedes-Kundenteam, gilt als beschlossen. "Er hätte diese Chance auf jeden Fall verdient. Und er würde sich behaupten", ist Marx überzeugt.

Die DTM kommt in der Zuschauergunst nicht voran

Vor der Saison hatte die DTM umfangreiche Reglement-Änderungen vorgenommen. Die Fahrer sind begeistert von zwei Rennen an einem Wochenende, die Trendwende bei den Fernseh-Quoten blieb aber aus.

Hockenheim.
Trotz einer ereignisreichen Saison biegt die DTM an diesem Wochenende mit einer durchaus ernüchternden Erkenntnis auf die Zielgerade in Hockenheim ein. Vor den Titelentscheidungen an diesem Samstag und Sonntag ist klar: Die Tourenwagenserie hat in der Publikumsgunst trotz zahlreicher Maßnahmen die Wende verpasst.

Im Schnitt verfolgten lediglich 1,02 Millionen Fernsehzuschauer die Übertragungen der bisherigen 16 Rennen in der ARD . Trotz der Aufstockung auf zwei Läufe je Rennwochenende sind das 70 000 weniger als bei den zehn Rennen der Vorsaison. Allein wenn man die Quoten der Qualifyings von 2014 berücksichtigt, deren Sendeplatz nun das Samstagsrennen einnimmt, stieg die Zahl der TV-Zuschauer von 0,89 Millionen um etwa 130 000 an.

Dies ist freilich eine geschönte Rechnung - der sich DTM-Boss Hans-Werner Aufrecht allerdings bedient. Es spreche für "ein gutes Produkt", wenn die DTM "ihre Zuschauerzahlen halten beziehungsweise sogar leicht steigern kann", teilte er auf Anfrage mit. Mit Ausnahme des Fußballs hätten "nahezu alle Sportevents" mit sinkendem Interesse zu kämpfen, führte Aufrecht aus und behauptete: "Die Quoten der letzten Jahre lassen uns zuversichtlich in die Zukunft blicken."

Die Quoten sind dennoch keine ideale Grundlage für die Gespräche mit dem TV-Partner ARD über die Verlängerung des auslaufenden Vertrages. Das Ausscheiden der DTM aus der ersten Reihe des Fernsehens droht. ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky sagte, man werde die weitere Zusammenarbeit "in aller Ruhe zeitnah nach der Saison mit dem Vermarkter ITR" diskutieren.

Zumindest die Fahrer sind durch die Bank "glücklich" (Marco Wittmann) oder "happy" (Timo Glock ), zweimal am Wochenende zu fahren. Das unterschiedliche Layout mit 40 Minuten Rennlänge am Samstag und 60 Minuten mit Pflichtboxenstopp am Sonntag hat zudem unterschiedliche Anforderungen geschaffen.