Martin Schedler und Erika Chaari gewinnen Hartfüßler-Trail in Saarbrücken

Hartfüßler-Trail : Je länger die Strecke, desto mehr Glücksgefühle

736 Teilnehmer laufen beim Hartfüßler-Trail bis zu 58 Kilometer weit. Auf der Langdistanz siegen Martin Schedler und Erika Chaari.

Bei strahlendem Sonnenschein und Temperaturen jenseits der 30 Grad herrscht an der Förderschule für soziale Entwicklung im Saarbrücker Ortsteil Von der Heydt rege Betrieb­samkeit. Während viele Teilnehmer der achten Auflage des Hartfüßler-Trails gerade erst das Ziel erreichen, haben sich andere längst einen Platz auf den aufgestellten Holzbänken gesichert und genehmigen sich nach den Strapazen ihr wohlverdientes Erfrischungsgetränk oder eine Kleinigkeit zu essen. Andere erholen sich stehend und tauschen ihre Erfahrungen beim Bewältigen der anspruchsvollen Strecke durch den Saarkohlewald aus. Fast alle wirken abgekämpft – aber glücklich und zufrieden. Hendrik Dörr, der Vorsitzende des veranstaltenden HartfüßlerTrail e.V., erklärt: „Je länger die Strecke, desto größer sind in der Regel die Glücksgefühle.“

Andreas Aldekamp, der gerade den Zielstrich passiert hat, müsste demnach vor Glück nur so strotzen. Der Läufer der LTF Marpingen ist einer von 111 Absolventen der Langdistanz über 58 Kilometer. Doch richtig glücklich sieht Aldekamp nach dem heißen, gut sechsstündigen Ritt über die Halden nicht aus. „Die Hitze hat mir ganz schön zugesetzt“, räumt der 51-Jährige mit gequältem Blick ein: „Ich habe 15 Salztabletten geschluckt, aber gefühlt 30 zu wenig. Die Halden mit dem tiefen Schotter – es war wie in der Wüste.“ Dennoch gelang es Aldekamp, sich durchzubeißen.

Eine Energieleistung mussten auch diejenigen abrufen, die beim Hartfüßler-Trail mit einer besonderen Aktion aufwarteten. Durch die Initiative des französischen Vereins „Ligne de vie“ und der Gastgeber erhielten zwei junge Menschen mit Behinderung die Chance, den Lauf im „Haldentaxi“ mitzuerleben. In einer Sänfte auf Rädern wurden Sarah aus Frankreich und die Saarländerin Vanessa Staudt von einer französischen und einer deutschen Läufer-Gruppe über den Kurs chauffiert. „Die Aktion hat sich gelohnt, die beiden Mädchen waren hinterher vollauf begeistert“, sagt Dörr zu der gelungenen Premiere. Dafür legten sich alle mächtig ins Zeug. „Es war ziemlich anstrengend, diese speziellen Rollstühle die Halde rauf und runter zu manövrieren – andererseits hat es auch unglaublich Spaß gemacht“, erklärt der Clubvorsitzende. Einbußen auf der Strecke konnten daran nichts ändern. „Zu Beginn waren wir jeweils acht Begleiter.

Weil die Franzosen aber so verdammt schnell waren, haben wir unterwegs zwei Leute verloren. Das hat es für uns nicht leichter gemacht“, berichtet Dörr – und pustet erst einmal durch, nachdem die Sänften samt ihrer glücklichen Insassen zurück im Ziel waren.

Das sollte nicht allen der 736 Läufer vergönnt sein, denn die Hitze forderte ihren Tribut. Die Veranstaltung, die nicht zuletzt der bergmännischen Tradition gedenken möchte, erfreut sich ungebrochener Beliebtheit. Schon zwei Wochen vor dem Termin waren alle Startplätze vergeben. Der für den veranstaltenden Verein startende Martin Schedler ließ sich von der Hitze nicht abhalten. Der Sieger von 2017 und Vorjahreszweite meisterte die 58 Kilometer in 5:11:33,9 Stunden und gewann vor Adrian Hüttl und Andreas Fischer.

Schnellste Frau auf der Langstrecke war Erika Chaari aus Framersheim, die nach 6:29:44,5 Stunden zum Ziel zurückkehrte. „Klar war es sehr anstrengend, aber ein bisschen Herausforderung gehört halt dazu – es hat Spaß gemacht“, sagte die Siegerin nach ihrem zweiten Hartfüßler-Trail.

Die 15 Jahre alte Vanessa Straudt wird in einem Spezial-Rollstuhl von einer deutsch-französischen Läufer-Gruppe durch das Gebüsch den Hang hinauf geschoben. Im Rahmen der Aktion „Haldentaxi“ konnten erstmals beim Hartfüßler-Trail zwei Mädchen mit Behinderung die 14-Kilometer-Tour miterleben. Foto: Thomas Wieck

www.hartfuesslertrail.de

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