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Fußball-Bundesliga verliert Fans
Mainzer Zuschauerschwund wächst zum Problem heran

Der Mainzer Jean-Philippe Gbamin (re.) und Wolfsburgs Elvis Rexhbecaj kämpfen um den Ball.
Der Mainzer Jean-Philippe Gbamin (re.) und Wolfsburgs Elvis Rexhbecaj kämpfen um den Ball. FOTO: dpa / Thomas Frey
Mainz. Immer weniger Bundesliga-Stadien sind ausverkauft.

Man kann wahrlich nicht behaupten, der FSV Mainz 05 hätte nicht alles versucht, um selbst im ungeliebten Mittwochabendspiel gegen den wenig schillernden VfL Wolfsburg Zuschauer ins Stadion zu locken. Sogar ein kreatives Angebot für die große Studenten-Gemeinde der Universitätsstadt hatte der Club eigens geschaffen: Ein Kombi-Ticket, das neben dem Eintritt auch ein „Wegbier“ für die anschließende Party auf dem benachbarten Campus beinhaltete. Geholfen hat es wenig.


Gerade einmal 19 205 der 34 000 Plätze in der Mainzer Arena waren beim müden 0:0 gegen den Werks­club aus dem Norden letztlich besetzt. Ein Minus-Rekord seit dem Auszug aus dem altehrwürdigen Bruchweg vor über sieben Jahren und noch einmal rund 2000 Fans weniger als beim vorherigen Heimspiel gegen den FC Augsburg. Der Zuschauerschwund ist längst ein Trend beim selbsternannten Karnevalsverein. Schließlich nimmt auch die Zahl der verkauften Dauerkarten Jahr für Jahr ab.

Dabei kamen gegen die Wolfsburger zweifellos mehrere ungünstige Faktoren zusammen: Ein mäßig attraktiver Gegner, weniger als 100 mitgereiste Auswärtsfans und die späte Anstoßzeit an einem Wochentag. Ein Umstand, der sich besonders beim relativ familienlastigen Mainzer Publikum gleich doppelt auswirkt. „Also meine Kinder waren heute nicht da“, meinte deshalb auch FSV-Trainer Sandro Schwarz vielsagend.



Sportvorstand Rouven Schröder wollte sich derweil „erst dann Sorgen machen, wenn wir selbst nicht alles dafür tun, dass die Leute ins Stadion kommen“. Und zumindest diesem Anspruch sieht er dank des insgesamt gelungenen Saisonstarts mit acht Punkten aus den ersten fünf Spielen Genüge geleistet. Ohnehin sieht er in den zunehmend leerer werdenden Rängen keineswegs ein reines Mainzer Phänomen: „Man kann viele Vereine fragen, die Probleme haben ihr Stadion zu füllen“, sagte er.

Und tatsächlich: In der englischen Woche waren in der Bundesliga lediglich die Arena von Ligaprimus Bayern München und das eher kuschelige Schwarzwald-Stadion des SC Freiburg (24 000) ausverkauft. Dazu kam der vereinsübergreifende Stimmungsboykott etlicher Ultra-Gruppierungen, nicht zuletzt aus Protest gegen Spieltags-Zerstückelung und neue Anstoßzeiten. „Es ist generell ein Thema, das man hinterfragen sollte, warum viele Leute nicht mehr kommen“, sagte Schröder. Eine Antwort hatte er nicht.