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Fußball-Bundesliga
Mainz 05 steht vor einer kleinen Revolution

Mainz. Eva-Maria Federhenn will als erste Frau einem Fußball-Bundesligisten vorstehen. Die Mitgliederversammlung entscheidet am Sonntag.

Rouven Schröder steht ziemlich alleine da. Wer auf der Internetseite des FSV Mainz 05 einen Blick auf den aktuellen Vorstand werfen will, der findet unter der passenden Registerkarte einzig ein Bild des sportlichen Leiters. Doch an diesem Sonntag soll das Führungschaos beim „Karnevalsverein“ vorbei sein – die gefühlt x-te Mainzer Mitgliederversammlung könnte sogar für eine kleine Revolution in der Fußball-Bundesliga sorgen.


„Wir müssen zur Ruhe kommen, das tut uns allen gut und dementsprechend auch dem Sport“, sagte Schröder im Vorfeld: „Der FSV Mainz 05 stand immer dafür, in Ruhe gelenkt und geleitet zu werden. Es ist wichtig, dass wir Stabilität bekommen. Wir freuen uns auf denjenigen, der es wird und dann im Sinne des Vereins entscheidet.“

Zur Wahl stehen in der Halle 45 vier Kandidaten, gesucht wird der Nachfolger des am Ende überforderten Johannes Kaluza, der im vergangenen Sommer an gleicher Stelle zum (ehrenamtlichen) Vereins-Chef aufgestiegen war, sein Amt aber bereits im folgenden Dezember wieder niederlegt hatte. Der Rücktritt war ein Tiefpunkt der monatelangen Irrfahrt, die mit der Diskussion um die Vergütung des langjährigen Präsidenten Harald Strutz Anfang 2016 begonnen hatte.



Besserung verspricht neben Silvio Aita (40), dem langjährigen Vereins-Vize Jürgen Doetz (72) und Stefan Hofmann (54) auch Aufsichtsrats-Mitglied Eva-Maria Federhenn (50). Die frühere FSV-Handballerin wäre die erste Frau, die einem Bundesliga-Verein vorsteht. Beobachter sehen Federhenn und Doetz in der Favoritenrolle, aber auch Hoffmann hat als ehemaliger Leiter des Nachwuchszentrums Stallgeruch.

Das Fachmagazin kicker schrieb am Donnerstag von einem eskalierenden „Machtkampf“ und bezog sich dabei vor allem auf den Einfluss von Aufsichtsrats-Chef Detlev Höhne, der Federhenn zum Wahlsieg verhelfen wolle. Das Kontrollgremium war ebenfalls erst im vergangenen Sommer installiert worden – alles im Zuge einer großen Strukturreform, mit der die Nach-Strutz-Ära eingeleitet werden sollte. Laut kicker übte Höhne auch Kritik an der sportlichen Leitung, also Schröder und Trainer Sandro Schwarz. Allein die Gerüchte dürften verhindern, dass schnell Ruhe einkehrt. „Ein Debakel kann sich der stark abstiegsgefährdete Club kurz vor der Karnevalszeit nicht leisten“, schrieb die Frankfurter Rundschau. Zumal der in der Liga geschätzte Schröder seine Zukunft von den kommenden Monaten abhängig machen dürfte.

Abgestimmt wird auch über Anträge zur Hauptamtlichkeit des Vorsitzenden (was die Strukturreform teilweise wieder auf den Kopf stellen würde), zur Übertragbarkeit des Stimmrechts und zum Wahlrecht von Vereinsmitarbeitern. Zudem stellt sich der promovierte Wirtschaftswissenschaftler Jan Lehmann vor, der am 1. Februar offiziell seinen Dienst als kaufmännischer Vorstand antritt. Dann ist auch Schröder nicht mehr so alleine.