| 21:30 Uhr

Leichtathletik-EM in Berlin
Lückenkemper will die Bahn noch mal rocken

Berlin. Der Sprint-Star greift mit der 4x100-Meter-Staffel zum Abschluss der Heim-EM in Berlin nach Gold. Die Konkurrenz ist aber groß. sid

Silber hat sie schon – jetzt will Gina Lückenkemper, der neue aufgehende Stern der deutschen Leichtathletik, an diesem Sonntag den ganz großen Coup landen. Zum Abschluss der Heim-EM in Berlin hat die 21-Jährige mit der 4x100-Meter-Staffel (21.20 Uhr/ARD) eine Medaille fest im Blick – auch Gold ist möglich.


Lückenkemper ist optimistisch, nachdem sie zum Auftakt der EM im Einzel über 100 Meter auf Platz zwei gesprintet war und ein Zeichen gesetzt hatte. „Die Mädels haben nach meinem Silber mit mir eine Runde im Stadion geweint, die sind bereit für Sonntag. Da werden wir noch einmal ordentlich die Bahn rocken“, kündigte die Vorzeige-Sprinterin aus Leverkusen an, die mit einer zweiten Medaille zum großen Star der Titelkämpfe aus deutscher Sicht werden dürfte.

Das deutsche Quartett hält mit 42,24 Sekunden die Jahresbestzeit und zählt zu den Mitfavoriten. Allerdings hatte das deutsche Team in der laufenden Saison auch immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen. In Berlin musste Tatjana Pinto auf die 200 Meter verzichten. Pinto laboriert an Problemen mit dem Sitzbeinhöcker und sollte für die 4x100-Meter-Staffel am Sonntag geschont werden.



Hinzu kommt, dass sich einige Nationen in Berlin bislang äußerst stark präsentiert haben. Das weiß auch Lückenkemper. „Man muss sich nur die Besetzung des 100-Meter-Finales anschauen: Zwei Französinnen, zwei Britinnen und zwei Niederländerinnen – und ich als einzige Deutsche. Das wird hochspannend am Sonntag“, meinte die EM-Dritte von 2016 über 200 Meter.

Doch zumindest Lückenkemper hat im Einzel bewiesen, dass sie unter enormem Druck liefern kann. Sowohl im Halbfinale als auch im Finale war sie unter elf Sekunden geblieben, auch wenn sie ihre Bestzeit (10,95) nicht knacken konnte. „Es war brutal geil. Ich muss euch sagen, geiler geht es nicht“, jubelte die temperamentvolle Läuferin im Anschluss.

Nach wie vor Probleme hat Lückenkemper am Start, obwohl sie in der EM-Vorbereitung stark daran gearbeitet hatte. Im Einzelfinale blieb sie wieder viel zu lange im Block und verschenkte Zeit. Doch Lückenkemper haderte nicht lange, sondern fand die Schuld an anderer Stelle – bei den Startblöcken. „Die waren von der Größe her wie bei Kreismeisterschaften und auch noch komisch eingestellt“, meckerte die Läuferin. Auch das ist Lückenkemper. Die 21-Jährige ist äußerst redegewandt, beim Publikum beliebt und daher bestens geeignet, die deutsche Leichtathletik in Zukunft nach Außen zu vertreten und die Nachfolge des meinungsstarken Diskus-Königs Robert Harting anzutreten, der seine Karriere nach dem Internationalen Stadionfest Istaf am 2. September in Berlin beenden wird. Der ehemalige Präsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes, Clemens Prokop, bezeichnete Lückenkemper bereits als „Geschenk des Himmels“.

Die Top-Sprinterin selbst hat allerdings Zweifel, ob sie in die großen Fußstapfen passt, die der Diskus-Hüne Harting hinterlassen wird. „Ich habe keine Probleme, meine Meinung zu sagen. Aber ob ich das in dem Umfang machen kann, wie es Robert gemacht hat, weiß ich nicht“, sagte Lückenkemper. Was sie aber ganz sicher weiß: Sie wird am Wochenende und in Zukunft Gas geben und der deutschen Leichtathletik ein junges, frisches und sympathisches Gesicht geben.