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Leichtathletik-EM in Berlin: Lückenkemper wie der Blitz zu EM-Silber

Leichtathletik-EM in Berlin : Lückenkemper wie der Blitz zu EM-Silber

Sprinterin wird Zweite über 100 Meter. Kugelstoßer Storl gewinnt die Bronzemedaille. Abele auf Kurs.

Sprintstar Gina Lückenkemper weinte vor Glück und fiel Maskottchen Berlino nach ihrem Traumlauf zu Silber um den Hals, David Storl freute sich über Kugel-Bronze: Innerhalb von nur sechs Minuten haben die beiden Leichtathletik-Asse die ersten Medaillen für das deutsche Team bei der Heim-EM gewonnen und die gut 40 000 Fans im Olympiastadion von den Sitzen gerissen.

Lückenkemper musste sich im Finale über die 100 Meter nach starken 10,98 Sekunden nur der Britin Britin Dina Asher-Smith (10,85) geschlagen geben, im Kugel-Ring meldete sich Storl nach zwei schwierigen Jahren eindrucksvoll zurück. Mit 21,41 Meter wurde er Dritter, nicht zu schlagen waren die beiden Polen Michal Haratyk (21,72) und Konrad Bukowiecki (21,66). Storl steht nach einer schwierigen Zeit mit enttäuschenden Auftritten bei Olympia 2016 und der WM 2017 aber wieder mal auf dem Podest. Nach dem Trainerwechsel zu Wilko Schaa hat der 28 Jahre alte zweifache Weltmeister wieder fast zu alter Stärke zurückgefunden.

Enttäuschend endete hingegen der Medaillen-Traum von Richard Ringer über die 10 000 Meter. Der 29-Jährige gab acht Runden vor Schluss in einer Hitzeschlacht entkräftet auf. Dabei war er als Europas Jahresschnellster nach Berlin gefahren und wollte eine Medaille, träumte sogar von Gold. Doch am Ende nutzte der Friedrichshafener die erste große Chance des deutschen Teams auf die erste Medaille nicht. „Ich bin irgendwie platt, es tut mir echt leid“, sagte Ringer,

Lückenkemper machte es dann besser, unwiderstehlich rannte sie zur ersten deutschen EM-Medaille über die 100 Meter seit Verena Sailers Gold 2010 in Barcelona. „Ich habe jede Sekunde einfach genossen. Das ist ein unfassbar emotionaler Moment für mich, unfassbar. Man kann sich das noch so oft vorstellen, in der Realität ist alles anders“, sagte Lückenkemper. Sie fing nach schwachem Start im Finale kalt wie eine Hundeschnauze noch die große Niederländerin Dafne Schippers ab. Die Titelverteidigerin und Europarekordlerin über 200 Meter landete mit 10,99 Sekunden hauchdünn hinter Lückenkemper, die endgültig zumindest in Europas Topklasse angekommen ist.

Im Zehnkampf darf Arthur Abele auf Gold hoffen, nach den 400 Metern liegt der Ulmer mit 4285 Punkten auf Platz zwei. Der 32-Jährige hat seine Stärken zudem am zweiten Tag. Top-Favorit Kevin Mayer aus Frankreich verabschiedete sich aus dem Titelrennen mit drei ungültigen Versuchen im Weitsprung, auch Mathias Brugger blieb in der zweiten Disziplin ohne Zähler.

Der Brite Zharnel Hughes hat den EM-Titel über 100 Meter der Männer gewonnen. Hughes siegte im Finale in der Meisterschafts-Rekordzeit von 9,95 Sekunden vor seinem Landsmann Reece Prescod (9,96) und dem für die Türkei laufenden Jak Ali Harvey (10,01). Der deutsche Rekordhalter Julian Reus (Erfurt/10,37) hatte wie Lokalmatador Lucas Jakubczyk (10,32) das Finale verpasst und war im Halbfinale ausgeschieden. Europarekordler Jimmy Vicaut aus Frankreich, der im Halbfinale in 9,97 bereits einen Meisterschaftsrekord aufgestellt hatte, konnte wegen Oberschenkelproblemen nicht im Endlauf antreten.

Das erste EM-Gold in Berlin war an den ukrainischen Geher Marjan Sakalnyzkij gegangen. Er triumphierte in der Hitzeschlacht von Berlin und setzte sich rund um den Breitscheidplatz bei Temperaturen deutlich über 30 Grad in 3:46:32 Stunden durch. Carl Dohmann sorgte mit Platz fünf für das beste deutsche 50-Kilometer-Ergebnis seit 28 Jahren. Silber ging an Rio-Olympiasieger Matej Toth aus der Slowakei, Bronze holte der Weißrusse Dmitri Dsjubin.