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LSVS wählt neue Führung
Ein Präsidium ohne große Überraschung

Vom Fußball-Vize zum LSVS-Präsidenten: Adrian Zöhler ist am Sonntag zum obersten Sportfunktionär des Saarlandes aufgestiegen.
Vom Fußball-Vize zum LSVS-Präsidenten: Adrian Zöhler ist am Sonntag zum obersten Sportfunktionär des Saarlandes aufgestiegen. FOTO: Ruppenthal
Saarbrücken. Der neue LSVS-Präsident Adrian Zöhler erhält mit Gottfried Hares und Bodo Wilhelmi die erwarteten Stellvertreter. Von Tobias Fuchs
Tobias Fuchs

Es war ein Zufallsbild der Geschlossenheit. Das neu gewählte Präsidium stand nach der Mitgliederversammlung des Landessportverbandes für das Saarland (LSVS) auf der Bühne. In einem kleinen Kreis, wie eine Mannschaft vor dem Anpfiff.


Alle schauten auf ihre Smartphones, in ihre Kalender – auch Michael Blank, der Konsolidierungsberater des LSVS. Sie einigten sich auf Montag, den 24. September, für ihre erste Präsidiumssitzung. Den Beginn der Woche, an deren Ende der Verband noch immer zahlungsunfähig sein könnte.

Der „Neuanfang“ in Bildern FOTO: BeckerBredel


Klare Mehrheit für neuen Präsidenten

251 Delegierte aus rund 50 Sportverbänden waren am Sonntag ins „Big Eppel“ nach Eppelborn gekommen. Sie sollten eine neue LSVS-Spitze bestimmen. Allen voran einen Nachfolger für den im April zurückgetretenen Klaus Meiser. Sie wählten den einzigen Kandidaten, Adrian Zöhler, mit 85,2 Prozent. „Hier und heute können und sollen wir den Neuanfang machen“, sagte der Vize des Saarländischen Fußballverbandes in seiner Bewerbungsrede. Als Stellvertreter werden ihm Gottfried Hares (221 Stimmen), vorgeschlagen vom Turnerbund, und Ringer Bodo Wilhelmi (202) zur Seite stehen.

Hares – ein neues Gesicht im LSVS

Keiner der Spitzenkandidaten war eine Überraschung. Auch nicht der Unternehmer Hares, ein neues Gesicht im Sportverband. Der 64-Jährige stellte sich am Morgen vor der Versammlung den über 50 Delegierten aus dem Fußball vor, der größten Gruppe.

Spannend war eher, wer sich nicht als Vize bewarb. Frank Liedke vom Badmintonverband galt als möglicher Kandidat. Er verzichtete auf eine Kampfkandidatur, zog später aber mit 143 Stimmen ins Präsidium ein. Ebenso wie Sabine Glück (180 Stimmen), Joachim Meier (150) und Margret Klein-Raber (127). Kurios: Klein-Raber wurde in Abwesenheit gewählt, nahm ihre Wahl per Telefon an.

Schumann: „Meister ist ein guter Präsident gewesen“

Wie verabschiedeten sich ihre Vorgänger? Der scheidende LSVS-Vize Franz Josef Schumann sagte klar: „Wir haben viele Jahre über unsere Verhältnisse gelebt – ohne es zu erkennen.“ Deshalb ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen Schumann und seine Mitstreiter. Sie wirft ihnen Haushaltsuntreue vor.

Eine Lanze brach Schumann für Meiser, dessen Amt er in den vergangenen Monaten ausfüllte: „Klaus Meiser ist ein guter Präsident für den saarländischen Sport gewesen“, sagte Schumann. Dass Meiser seine Lebensgefährtin beim LSVS beschäftigte? Dazu meinte Schumann: „Wir hätten nachfragen müssen, zu welchen Konditionen.“

Was das Krisenmanagement seines Verbandes betrifft, räumte der 70-Jährige zwar Fehler ein. Er betonte jedoch auch, „von Beginn an für eine professionelle Aufklärung gesorgt“ zu haben. Und lobte die für den LSVS tätigen Experten: „Die Herren kennen den organisierten Sport im Saarland besser als die allermeisten.“

Wirtschaftsprüfer sorgt für Unruhe

Einer dieser Herren, der Wirtschaftsprüfer Peter Hans, sorgte für Unruhe im Saal. „Ich habe mit den Zahlen aufgeräumt“, sagte Hans. Diese seien „geschönt“ gewesen. Die Jahresabschlüsse 2015 und 2016 bezeichnete der Finanzexperte als „grundfalsch“ und „nichtig“. Weshalb die Entlastung des Präsidiums von der Tagesordnung gestrichen werden musste.

Der eigenwillige Vortrag von Hans kam im Plenum nicht gut an. Er wolle nicht unhöflich sein, meinte Peter Koch, Ehrenpräsident des Saarländischen Radfahrer-Bundes. Aber: „Es ist unsäglich, was hier vorgetragen wurde.“ Was Hans mit den Worten konterte: „Unsäglich sind die Zahlen!“

Klarer formulierte Michael Blank, der Konsolidierungsberater des LSVS. Dessen Sanierungskonzept pries Schumann als „Meisterwerk“. Doch es greift noch nicht. Der LSVS braucht einen Überbrückungskredit in Höhe von 1,5 Millionen Euro ab Oktober – bis die Landesbank einer großen Lösung zustimmt. Das sollte längst geschehen sein. Mittlerweile rechnet Blank erst im neuen Jahr mit grünem Licht.

Proteste aus vier Fachverbänden

Zu einem Eklat kam es in Eppelborn nicht, auch wenn sich nach wenigen Minuten einer angebahnt hatte. Monika Schwarz vom Saarländischen Leichtathletik-Bund erklärte, ihr Verband nehme nur unter Protest an der Versammlung teil. Man habe „keine Chance“ bekommen, sich an der Neuausrichtung des LSVS zu beteiligen. „Alle Informationen mussten schriftlich erzwungen werden“, sagte Schwarz.

Der Protest richte sich in keinster Weise gegen die Personen, die sich zur Wahl stellten, erklärte sie. Allerdings sprach sie mit Blick auf die Kandidatenliste von „gewissen Politikern und Schattenpräsidenten, die an den altbekannten Strippen ziehen“. Wen sie meinte, sagte Schwarz später auch auf Nachfrage nicht. „Aber das weiß eh jeder.“

„Wir wurden unter Druck gesetzt“

Die Sprecherin der Leichtathleten erhielt wohlwollenden Applaus. Ihrem Verband schlossen sich andere an, Sportakrobaten, Kickboxer und Radsportler. Transparenz sei nicht gegeben, von einer „Salamitaktik“ war die Rede. Auch sagte Schwarz zur Zustimmung der Verbände zum Sanierungskonzept: „Wir wurden unter Druck gesetzt.“ Was jemand im Saal als „Quatsch“ abtat.

Inhaltlich schloss sich jedoch Jörg Aumann, der Präsident des Saarländischen Radfahrer-Bundes, der Kritik von Schwarz an. „Das ist die Art und Weise, wie hier gearbeitet wird“, sagte Aumann: „Möglichst schnell Druck oder ein Angstszenario zu erzeugen und die Leute, die ein bisschen überfordert sind, zu überfahren.“ Er hoffe, dass der neue Präsident eine andere Kultur bringe.

„Teilweise ist der sicher richtig“, sagte Aumann zum Vorwurf alter Seilschaften. „Ich möchte aber den neuen Präsidenten da ausdrücklich ausnehmen.“ Er kenne Zöhler und nehme ihm ab, dass er den Gestaltungswillen habe, den LSVS neu aufzustellen, meinte Aumann.

Hinweis: In einer ersten Fassung hieß es aufgrund eines Übertragungsfehlers, der Saarländische Bergsteiger- und Skiläuferbund habe unter Protest an der Versammlung teilgenommen. Richtig hätte es heißen müssen: der Saarländische Sportakrobatik-Verband.

Monika Schwarz vom Saarländischen Leichtathletik-Bund sparte in Eppelborn nicht mit Kritik.
Monika Schwarz vom Saarländischen Leichtathletik-Bund sparte in Eppelborn nicht mit Kritik. FOTO: Ruppenthal
Ein neues Gesicht im Saarsport: Unternehmer Gottfried Hares.
Ein neues Gesicht im Saarsport: Unternehmer Gottfried Hares. FOTO: Ruppenthal
LSVS-Ehrenpräsident Gerd Meyer (links) im Gespräch mit dem scheidenden LSVS-Vize Franz Josef Schumann.
LSVS-Ehrenpräsident Gerd Meyer (links) im Gespräch mit dem scheidenden LSVS-Vize Franz Josef Schumann. FOTO: Ruppenthal
Bodo Wilhelmi, neben Hares neuer LSVS-Vizepräsident.
Bodo Wilhelmi, neben Hares neuer LSVS-Vizepräsident. FOTO: Ruppenthal