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LSVS vor Mitgliederversammlung am Sonntag
Kündigungswelle und viele Bewerber

Adrian Zöhler stellt sich am Sonntag in Eppelborn als neuer Präsident des LSVS zur Wahl.
Adrian Zöhler stellt sich am Sonntag in Eppelborn als neuer Präsident des LSVS zur Wahl. FOTO: Andreas Schlichter
Saarbrücken. 44 Mitarbeitern des Landessportverbandes wurde gestern gekündigt. Die verbliebenen erhalten einen neuen Chef: Adrian Zöhler. Von Patric Cordier

Von Neubeginn war die Rede, als am Mittwochabend bekannt wurde, dass Adrian Zöhler als neuer Präsident des Landessportverbandes für das Saarland (LSVS) kandidieren wird. Für 44 Mitarbeiter des LSVS mag das wie Hohn klingen – ihnen wurde gestern mitgeteilt, dass sie ihre Jobs im Saarbrücker Stadtwald verlieren. „Wir haben bereits in der vergangenen Woche eine Personalversammlung durchgeführt. Es gibt jetzt zwei Gruppen: Die, die gekündigt werden müssen, und die, die bleiben dürfen“, sagt Dirk Mathis, der Vorsitzende des Personalrates: „Wir können allen eine Perspektive bieten. Es wird eine Task Force eingerichtet – auch mit Vertretern der Gewerkschaft, des Innen- und Wirtschaftsministeriums. Sie versuchen, die Leute auf freien Stellen im Land unterzubringen.“ Sanierer Michael Blank habe auch die Möglichkeit einer Abfindungszahlung in den Raum gestellt. Ein Sozialplan über 100 000 Euro für nicht zu vermittelnde Mitarbeiter soll aufgelegt werden.


„Ich wurde als Personalrats-Neuling in diese Situation geworfen. Direkt an die Front, wo mit scharfer Munition geschossen wurde. Da muss man schnell lernen, und man lernt schmerzvoll“, sagte Mathis: „Wir, alle Mitstreiter im Personalrat und unsere Berater, haben versucht, das Bestmögliche für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter herauszuholen. Der Personalrat sieht derzeit keine Gründe, den vorliegenden Kündigungen zu widersprechen.“

Auf der sogenannten „Informationsveranstaltung“ des aktuellen LSVS-Präsidiums für den Vorstand am Mittwoch erklärte Sanierer Blank den aktuellen Stand seiner Arbeit. „Der Bericht des Konsolidierungsberaters wurde gut aufgenommen“, sagte LSVS-Vizepräsident Franz Josef Schumann: „Ich hätte gerne die Dinge vor der Mitgliederversammlung am Sonntag zu Ende gebracht. Das notwendige Darlehen bei der Saar LB ist aber auf den letzten Metern, damit können wir auch in Zukunft den Sport gut organisieren. Die Nachfolger werden auf einer soliden Basis arbeiten.“



Dem widersprechen neue SZ-Informationen: Eine zu befürchtende Zahlungsunfähigkeit zum 29. September kann nur über einen Überbrückungskredit von 1,5 Millionen Euro abgewendet werden. Insgesamt muss das neue Präsidium wohl 15,2 Millionen Euro an Kreditaufnahmen tätigen. Der LSVS will und muss die Einnahmeseite verbessern. So soll etwa die Bewirtschaftung der Parkflächen beispielsweise künftig 180 000 Euro jährlich einbringen. Das halten viele für deutlich zu hoch gegriffen.

„Wir werden auch in der Mensa weniger Geld ausgeben, ohne dass die Qualität leidet“, sagte Schumann: „Ich bin froh, wenn dieses Kapitel beendet ist. Es war kein schönes Kapitel. Wir sind da reingeschlittert, ohne zu wissen, dass wir über unsere Verhältnisse leben.“ Bezeichnend ist allerdings, dass bei einem internationalen Trainingslager der Ringer vor wenigen Wochen einige Nationalmannschaften ob der mangelnden Qualität des Mensa-Essens sich lieber außerhalb der Sportschule verpflegt haben.

Den Gürtel enger schnallen und trotzdem den Sport erfolgreich gestalten – das soll künftig Adrian Zöhler. „Ich habe großen Respekt vor diesem Amt und den damit verbundenen Aufgaben“, sagte der 48-jährige Regionalgeschäftsführer einer Krankenkasse und Vizepräsident des Saarländischen Fußball-Verbandes: „Ich trete aber als Vertreter für alle Sportverbände an und hoffe auf eine breite Unterstützung. Das ist dann auch ein Aufbruchsignal.“ Er sei in den letzten Wochen mehrfach angesprochen worden, habe sich nach reiflicher Überlegung für diesen Schritt entschieden. „Ich kenne die Zahlen noch nicht“, sagte Zöhler: „Aber wir müssen im Rahmen der vom Konsolidierungsberater vorgegebenen Leitplanken wieder in den Sport investieren. Wir brauchen die Fachverbände, wir brauchen die Spitze mit den entsprechenden Trainern. In der Vergangenheit wurde viel in Steine investiert, irgendwann muss wieder Geld in Beine fließen.“

Er wolle nach der Wahl am Sonntag bei der Mitgliederversammlung in Eppelborn gemeinsam mit dem neuen Führungsteam schnell handlungsfähig werden. Dazu müsse man ein Organigramm erstellen. „Auch wenn es die Satzung so nicht vorgibt, soll es eine klare Aufgabenzuteilung von den Finanzen über die Vereinsqualifizierung bis zum Spitzensport geben“, sagte der designierte Präsident.

Neben Zöhler gibt es mittlerweile einige Bewerber um die sieben Plätze im Präsidium. Bodo Wilhelmi, der Vizepräsident Sport der saarländischen Ringer, ist einer davon. „Ich bin keiner, der sich in die erste Reihe drängt. Wir brauchen aber in dieser Situation Menschen, die Verantwortung übernehmen, um den Saar-Sport wieder in den Vordergrund zu stellen. Dieser Verantwortung werde ich mich nicht verwehren“, sagte Wilhelmi, der bei der Sparkasse arbeitet und den Schwerpunkt Finanzen abdecken könnte: „Es gilt, die in Vorstandssitzungen mit großer Mehrheit gefassten Beschlüsse umzusetzen.“ Die Bedenken einiger Fachverbände gegen die Rechtmäßigkeit der Mitgliederversammlung und der Wahlen am Sonntag sieht Wilhelmi als unbegründet. Der Termin sei auf der Vorstandssitzung am 18. März ja bereits festgelegt worden, die Wahlen ebenso.

Eine offizielle Kandidatenliste gibt es nicht. Auf der inoffiziellen taucht Gottfried Hares auf, der ehemalige Chef von Pizza Wagner. Boris Röder, Leiter Unternehmenskommunikation der Firma Ursapharm, hat nach SZ-Informationen seine Kandidatur zurückgezogen. Aus den Verbänden werden Harald Petry (Volleyball), Joachim Meier (Tennis), Dirk Kaufmann (Basketball), Bernd Zimmer (Triathlon), Stefan Louis (Karate), Bernd Hoen (Fischerei-Verband Saar), Ralf Schneider (Boule-Verband) und Frank Liedke (Badminton) gehandelt. Einige Kandidaten bringen Erfahrung aus der freien Wirtschaft mit, Politiker fehlen.

„Das Ziel muss es sein, Ruhe reinzubringen, Transparenz zu schaffen und auch nach außen ein Signal zu setzen, dass der Landessportverband und seine Fachverbände noch in der Lage sind, ihre Dinge selbst zu regeln“, sagte Liedke, der beim Saarländischen Rundfunk beschäftigt ist: „Der Flurschaden der letzten Monate ist groß genug.“ Liedke hat es geschafft, in der Randsportart Badminton ein international anerkanntes Turnier in Saarbrücken zu etablieren. Er gilt als unbequem, aber auch als Macher. „Wir müssen dem Vorgänger-Präsidium Danke sagen. Sie haben weitergemacht, obwohl sie Prügel eingesteckt haben“, sagte Liedke: „Jetzt gilt es, die Weichen in Richtung Zukunft zu stellen. Wir dürfen halt kein Geld ausgeben, das wir nicht besitzen. Das neue meistbenutzte Wort wird ‚Nein‘ sein. Das wird für alle auch eine depressive Zeit.“

Die einen wollen also investieren, die anderen sparen. Diskussionen scheinen programmiert, obwohl die Wahl noch nicht vollzogen ist. Klar ist: Das LSVS-Präsidium wird auch weiter ehrenamtlich arbeiten. Doch auch da sehen die Protagonisten verschiedene Zukunftsperspektiven. „Wir sind die letzte Generation, die das ehrenamtlich macht“, sagte Liedke: „Der Aufwand, den man betreiben muss, macht es schwer, Beruf und dieses Amt zur vollumfänglichen Zufriedenheit abzubilden. Funktionen zuzuordnen, ist jetzt ein richtiger Ansatz.“ Adrian Zöhler hat von seinem Arbeitgeber schon die Zusicherung „größtmöglicher Unterstützung“: „Wir brauchen weiter das Ehrenamt und seine Impulse – auch im Führungsbereich des LSVS“, sagte er: „Aber natürlich müssen wir uns über zeitgemäße Strukturen Gedanken machen.“

Sanierer Michael Blank, Dennis Blank und Personalrats-Chef Dirk Mathis (von links) diskutieren über die Kündigungen beim LSVS.
Sanierer Michael Blank, Dennis Blank und Personalrats-Chef Dirk Mathis (von links) diskutieren über die Kündigungen beim LSVS. FOTO: Andreas Schlichter