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LSVS-Affäre
Ex-Vize Schumann geht in die Offensive

 Franz Josef Schumann, Ex-LSVS-Vize und SFV-Präsident.
Franz Josef Schumann, Ex-LSVS-Vize und SFV-Präsident. FOTO: Ruppenthal
Saarbrücken. Der frühere LSVS-Vize wendet sich in einem Offenen Brief an die Fußballvereine im Land – und macht weitere Ermittlungen gegen sich öffentlich. Von Tobias Fuchs
Tobias Fuchs

Franz Josef Schumann, der Präsident des Saarländischen Fußballverbandes (SFV), geht in der Finanzaffäre um den Landessportverband (LSVS) in die Offensive. Der 70-Jährige hat sich in einem Offenen Brief an die Vereine und Mitarbeiter des mitgliederstärksten Fachverbandes innerhalb des LSVS gewandt.


Das Schreiben wurde am Donnerstagabend bei Facebook veröffentlicht. Darin äußert sich Schumann, der bis September dem LSVS-Präsidium angehörte, zur Finanzaffäre. Außerdem macht er ein weiteres Ermittlungsverfahren gegen seine Person öffentlich – und bittet um Unterstützung der Basis.

Schumann: Keinerlei Hinweis auf Gefährdung



„Ich räume ein, dass wir im Präsidium den uns vorgelegten Unterlagen vertraut haben, insbesondere den jeweils jährlich ausgeglichenen Haushaltsplänen und den Prüfberichten der Wirtschaftsprüfer“, schreibt Schumann. Diese hätten keinerlei Hinweis auf eine Gefährdung des LSVS erkennen lassen.

„Heute wissen wir nach umfänglichen langwierigen professionellen Untersuchungen, dass wir tatsächlich ein jährliches Defizit in Höhe von ca. 2,5 Millionen Euro hatten, das im Wesentlichen mit Darlehensmitteln, die zweckgebunden für Baumaßnahmen gewährt wurden, ausgeglichen worden sind“, so Schumann weiter.

Gemeint sein dürfte vor allem ein Drei-Millionen-Kredit für die Sanierung der zwischenzeitlich gesperrten Turnhalle an der Hermann-Neuberger-Sportschule in Saarbrücken. Die Gelder versickerten im Haushalt des LSVS. Entgegen vieler Vermutungen sei die Ausgabe jedes einzelnen Euros nachweisbar, betont Schumann.

Ermittlungen wegen „Juristenessen“

Die bisher unbekannten Ermittlungen gegen ihn betreffen das sogenannte „Juristenessen“, zu dem der SFV seine 17 ehrenamtlichen Sportrichter jährlich in die Mensa der Hermann-Neuberger-Sportschule einlädt. Das sei guter Brauch, schreibt Schumann. „Ich halte dies auch heute noch für richtig und habe deshalb kein Verständnis dafür, dass diese Praxis strafbar sein soll als Untreue“, heißt es im Offenen Brief.

Wer trug die Kosten: LSVS oder Fußballer?

Die Staatsanwaltschaft bestätigte am Freitag ein Verfahren wegen Untreueverdachts. Konkret geht es um ein Essen vom 5. Januar 2017. Die Ermittler prüfen, wer die Kosten in Höhe von 1730 Euro getragen hat. Es lägen Hinweise vor, dass dies der LSVS gewesen sei – was strafrechtlich relevant sein könnte.

In Betracht käme aktuell auch noch, dass der SFV die Kosten getragen habe, so ein Sprecher. Dann wäre alles in Ordnung. Klar ist schon jetzt: Die Ermittlungen betreffen Schumann als früheren LSVS-Vize – nicht als Chef des SFV.

Weihnachtsfeier „vorsichtshalber“ abgesagt

Dennoch erklärt Schumann, der SFV-Vorstand habe „vorsichtshalber“ seine Weihnachtsfeier in der Mensa ausfallen lassen. „Auch prüfen wir aktuell, ob wir noch unsere Ehrenamtsgala zugunsten derjenigen, die in unseren Vereinen große Verdienste erworben haben, absagen müssen“, schreibt er.

Schumann will sich an Politik wenden

Der ehemalige CDU-Landrat von St. Wendel kündigt zudem an, sich an die Politik zu wenden – „um zu erreichen, dass Sie wissen, was Sie in Ihren Vereinen noch dürfen“, so Schumann an die Adresse der Ehrenamtlichen – die er um Unterstützung bittet.

Prozess vor dem Landgericht

Schumann sitzt voraussichtlich ab Ende Februar auf der Anklagebank des Landgerichts. Ihm werden Untreue und Vorteilsgewährung vorgeworfen.