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Lottner lebt seinen Spielern Bodenständigkeit vor

Saarbrücken. Der Trainer des 1. FC Saarbrücken plädiert vor dem Saarderby nach einigen Hochs und Tiefs für „Demut und Bescheidenheit“. Patric Cordier

"Mit Worschd" bestellt Dirk Lottner seine Frühstücksbrötchen. Der aus Köln stammende Trainer des Fußball-Regionalligisten 1. FC Saarbrücken ist längst auch sprachlich im Saarland angekommen. "So ein paar Brocken Dialekt habe ich von unserem Zeugwart Rüdiger Schmidt und Torwarttrainer Frank Kackert gelernt", erzählt Lottner.

Der 45-Jährige fühlt sich hier sehr wohl, hat mittlerweile auch einige Leute kennengelernt, die nichts mit dem Fußball zu tun haben. "Darum habe ich mir ja ganz bewusst eine eigene Wohnung hier genommen und wohne nicht im Hotel. Ich gehe gerne raus unter Menschen. Und wenn mich jemand anspricht, dann bleibe ich auch stehen und unterhalte mich."



Diese Bodenständigkeit lebt er seiner Mannschaft vor. Überheblichkeit oder gar Arroganz wegen seiner eigenen fußballerischen Erfolge gibt es bei Lottner nicht. "Ich bin, wie ich bin. So habe ich mir meinen Stellenwert in Köln erarbeitet. Und das versuche ich den Jungs zu vermitteln: Wenn du immer korrekt durchs Leben gehst, bekommst du das irgendwann wieder. Auch wenn es zwischendurch mal Nackenschläge gibt."

Hochs und Tiefs begleiteten Lottner und den FCS durch die Saison. Nach fußballerisch überzeugenden Vorstellungen zu Beginn der Runde schwächelten die Blau-Schwarzen vor der Winterpause. "Die sportliche Entwicklung ging schnell und weckte Erwartungen, die wir noch nicht zu halten im Stande waren. Plötzlich waren wir die Gejagten, damit konnten einige Spieler noch nicht umgehen", blickt der Trainer zurück, "die Mannschaft ist fleißig, lernwillig und gut zu führen. Dieser menschliche Aspekt ist oft genauso wichtig wie der sportliche".

Dass nach der 0:2-Niederlage beim FK Pirmasens Anfang März etliche im Umfeld des FCS die Saison als verloren ansahen, versteht Lottner. Die teilweise heftige öffentliche Kritik versteht er dagegen nicht. "Kritik ist gut, Populismus nicht. Man muss immer reflektieren, um sich weiterzuentwickeln. Erfahrung ist die Summe der gemachten Fehler. Da hat nach dem Pirmasens-Spiel ein großer Schritt stattgefunden." Seither hat der FCS kein Spiel verloren und kann mit einem Erfolg an diesem Samstag im Spitzenspiel gegen die SV Elversberg um 14 Uhr im Hermann-Neuberger-Stadion Völklingen wieder entscheidend in den Kampf um die beiden Relegationsplätze eingreifen.

Laute Töne spuckt Lottner aber nicht. "Es gibt keinen Grund für große Kampfansagen. Wir sind dankbar, dass es ein Spiel geworden ist, in dem es um etwas geht", sagt der FCS-Trainer. Er weiß: "Wir haben noch immer die schlechtere Ausgangsposition und das schwerere Restprogramm. Darum sind weiter Demut und Bescheidenheit angesagt."

Fakt ist, dass Saarbrücken mit einem Sieg auf drei Punkte an den Tabellenzweiten Elversberg heranrücken würde. Und die SVE hat ein Spiel mehr ausgetragen. Gleiches gilt für den zuletzt schwächelnden Spitzenreiter Waldhof Mannheim, der einen Zähler weiter weg ist.

"Wir wollen uns in allen Belangen gut verkaufen - Mannschaft, Verein und Fans", sagt Lottner: "Dann bekommen wir auch irgendwann etwas zurück." Und sie nehmen so vielleicht gemeinsam der Konkurrenz im Schluss-Spurt der Saison doch noch die sicher geglaubte "Worschd" vom Teller.