Löw sieht keine Gräben

Berlin. Vor dem letzten Akt eines turbulenten Länderspiel-Jahres hat Joachim Löw seinen Führungsanspruch deutlicher denn je herausgestellt. Noch vor seiner abendlichen Grundsatz-Ansprache an die Mannschaft, bei der er seinen Spielern einige "schon länger bekannte Regeln" nochmals "in Erinnerung" rufen wollte, betonte der 48-Jährige die klare Rollen-Verteilung

 Dehnen für den morgigen Klassiker gegen England: Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft beim Training gestern im Amateurstadion von Hertha BSC Berlin. Foto: dpa

Dehnen für den morgigen Klassiker gegen England: Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft beim Training gestern im Amateurstadion von Hertha BSC Berlin. Foto: dpa

Berlin. Vor dem letzten Akt eines turbulenten Länderspiel-Jahres hat Joachim Löw seinen Führungsanspruch deutlicher denn je herausgestellt. Noch vor seiner abendlichen Grundsatz-Ansprache an die Mannschaft, bei der er seinen Spielern einige "schon länger bekannte Regeln" nochmals "in Erinnerung" rufen wollte, betonte der 48-Jährige die klare Rollen-Verteilung. "Die Entscheidungen treffe ich als Trainer am Ende des Tages", machte Löw gestern in Berlin nach den jüngsten Querelen um Kapitän Michael Ballack, Routinier Torsten Frings und Kevin Kuranyi klar. Dabei stehe bei ihm das Leistungsprinzip an oberster Stelle.

Mit Entschlossenheit versuchte der Bundestrainer vor dem letzten Länderspiel 2008 am Mittwoch (20.45 Uhr/ZDF) gegen den Erzrivalen England, alle Befürchtungen und Mutmaßungen vom Tisch zu wischen, der Konflikt zwischen ihm und Kapitän Ballack könnte die Atmosphäre im DFB-Team auf Dauer vergiften. Die jüngsten Stör-Aktionen hätten "sicher die Mannschaft in ein falsches Licht gerückt", räumte er ein. "Ich sehe da keine Gräben", die Vertrauensbasis sei "nicht zerstört", versicherte Löw fast staatstragend.

Gleich zwei Trainings-Einheiten standen am Montag an, in denen Löw die richtige Personal-Auswahl für den 31. Klassiker gegen England treffen wollte. Der Münchner Bastian Schweinsteiger fehlte zunächst wegen einer Schienbeinprellung, sein Einsatz ist laut Löw aber nicht gefährdet. "Es ist angedacht, das Spiel zu nutzen, um gerade gegen einen starken Gegner etwas für die Zukunft auszuprobieren", kündigte der Bundestrainer an. So könnte mit dem Wolfsburger Marcel Schäfer einer der drei erstmals berufenen Neulinge gleich in die Startelf rücken. "Auf der linken Seite haben wir eine Lücke", verwies Löw auf die fehlenden Philipp Lahm (Bayern München), Marcell Jansen (Hamburger SV) und Christian Pander (Schalke 04). Schäfer wäre der 20. Neuling in der Ära Löw. Im defensiven Mittelfeld gilt der Schalker Jermaine Jones als erster Kandidat neben dem Leverkusener Simon Rolfes. Im Tor kann Bremens Tim Wiese zumindest auf einen Kurzeinsatz und damit sein Debüt im DFB-Trikot hoffen.

"Es ist der beste Abschluss eines Jahres, wenn man in Berlin, in einem großen Stadion gegen England spielt. Es ist immer etwas Besonderes", erklärte Löw, den die vielen Nebengeräusche aber stören. "Die Dinge haben geschadet", erklärte er nochmals und zeigte im Fall Kuranyi, der während des Russland-Spiels das Stadion in Dortmund verlassen hatte und daraufhin aussortiert worden war, Konsequenz: "Die Entscheidung steht und wird auch so bleiben." dpa