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Fußball-Nationalmannschaft
Löw läutet die Tage der Entscheidung ein

Die Zeit ist knapp, die Weltmeisterschaft näher, als mancher denkt. Joachim Löw bleiben nur noch die Testspiele heute gegen Spanien und am Dienstag gegen Brasilien, bevor er sein WM-Aufgebot benennen wird.
Die Zeit ist knapp, die Weltmeisterschaft näher, als mancher denkt. Joachim Löw bleiben nur noch die Testspiele heute gegen Spanien und am Dienstag gegen Brasilien, bevor er sein WM-Aufgebot benennen wird. FOTO: dpa / Federico Gambarini
Düsseldorf. Die deutsche Nationalmannschaft tritt heute mit einer starken Formation gegen Spanien an. Das Vorspielen für die WM beginnt.

Joachim Löw lehnte sich im Raum „Aristoteles“ ganz entspannt zurück – aber sein Appell war flammend. Bei seinem Puzzle für die WM-Mannschaft sucht der Bundestrainer 23 Männer, die zu Superhelden werden sollen. „Dieses Turnier wird uns allen Unmenschliches abverlangen. Wir sind die Gejagten“, sagte Löw im Düsseldorfer Hilton-Hotel vor dem ersten Teil des doppelten WM-Härtetests heute (20.45 Uhr/ARD) gegen Spanien: „Jeder will uns vom Thron stoßen.“


Zum Beispiel die Spanier, „eine Topnation in jeder Beziehung“. Löw ist daher bemüht, anfangs der Zielgeraden Richtung Russland das perfekte Blatt zu spielen. „Sehen, experimentieren“, das sei wichtig, versicherte Löw – aber so eine WM-Vorbereitung ist eben auch ein Poker: „Beide Mannschaften werden hier noch nicht alle Karten aufdecken.“

Die deutschen Asse aber sollten sich darauf einrichten, rund um das Spiel gegen Spanien und das Duell mit Brasilien am Dienstag (20.45 Uhr/ZDF) in Berlin unter dem Brennglas zu leben. „Wir beobachten jetzt ganz genau“, sagte Löw, „wer uns mit Leistung überzeugt, wer in der Lage ist, nach einer kräftezehrenden Saison noch eine Topleistung abzurufen. Wir erwarten absolut, dass sie auf diese WM, das größte Turnier, das es gibt im sportlichen Leben, komplett den Fokus lenken.“ Mental wie körperlich.



Das Testen gegen die Besten kommt Löw gelegen. „Diese Gegner kommen zum exakt richtigen Zeitpunkt“, sagte er. Schließlich muss er seine Erkenntnisse derart bündeln, dass er am Ende ein Team nominieren kann, in dem alle Rädchen perfekt ineinandergreifen. Löws Liste endet aber keineswegs bei der Nummer 26 jener Spieler, die für den Länderspiel-Doppelpack nominiert wurden. Der Bundestrainer machte gestern erneut den Dortmunder Offensivspielern Mario Götze, Marco Reus und André Schürrle Hoffnungen. Einen Kandidaten für eine WM-Sensation strich er: Linksverteidiger Philipp Max vom FC Augsburg spiele „keine Rolle“.

So wird, wie Löw verriet, heute eine starke Achse aus Jérôme Boateng, Mats Hummels, Thomas Müller, Mesut Özil und Toni Kroos auf dem Platz stehen. Auch Linksverteidiger Jonas Hector aus Auersmacher ist gesetzt. In Abwesenheit des verletzten Kapitäns Manuel Neuer, den Löw „absolut im WM-Fahrplan sieht“, hütet Marc-André ter Stegen das Tor. Emre Can (Rückenprobleme) steht nicht zur Verfügung, Sebastian Rudy weilt noch bei seiner hochschwangeren Frau in Münche.

Löw blickte während der Pressekonferenz gestern immer wieder auf die Uhr – und das war bezeichnend. „Uns läuft schon ein bisschen die Zeit davon. Wir haben ja nur noch ein paar Wochen bis zum Startschuss“, merkte er an. Die letzte Chance für Experimente und das Testen von Wackelkandidaten auf allerhöchstem Niveau ist für Löw daher ein Geschenk. Denn anschließend kann sich der Bundestrainer nur noch sieben Ligaspieltage und ein bisschen Europapokal anschauen – es beginnen die Tage der Entscheidung. Sandro Wagner oder Mario Gomez? Matthias Ginter oder Niklas Süle? Bernd Leno oder Kevin Trapp als Torhüter Nummer drei? Löw muss knifflige Fragen beantworten, und er wird einige verdiente Spieler enttäuschen müssen.