Lisickis Traum endet im Rollstuhl

New York. Sie stürzte zu Boden, und die Tränen kullerten ihr vor Schmerz über die Wangen. Mit einem langen Schritt hatte die kampfstarke Sabine Lisicki den letzten Ball so gerade noch erwischt. Aber dann knickte sie auf dem stumpfen Hartplatz bei den US Open in Flushing Meadows um und blieb verletzt liegen

New York. Sie stürzte zu Boden, und die Tränen kullerten ihr vor Schmerz über die Wangen. Mit einem langen Schritt hatte die kampfstarke Sabine Lisicki den letzten Ball so gerade noch erwischt. Aber dann knickte sie auf dem stumpfen Hartplatz bei den US Open in Flushing Meadows um und blieb verletzt liegen. Wie einst der junge Boris Becker wurde sie im Rollstuhl vom Platz gefahren und direkt in ein New Yorker Krankenhaus gebracht. Dass die Australierin Anastasia Rodionova ihren Matchball zum 6:3, 3:6, 7:5 genutzt hatte, interessierte die Weltranglisten-24. nur noch am Rande. Und die Enttäuschung darüber, gegen eine 115 Plätze schlechter eingestufte Kontrahentin zwei Matchbälle vergeben zu haben, schmerzte nicht so sehr wie ihr lädierter linker Fuß. Zurück aus dem Krankenhaus, hatte Lisicki gute Nachrichten dabei. Denn anders als bei Boris Becker anno 1984 in Wimbledon ist bei ihr kein Band gerissen, sondern der Knöchel nur verstaucht. "Die Ärzte haben eine Röntgenuntersuchung gemacht und nichts gefunden", erzählte sie erleichtert und verkündete:"Ich bin eine Kämpferin und werde hart arbeiten, damit ich so schnell wie möglich auf den Tennisplatz zurückkehren kann."Nur zwei Monate ist es her, dass Lisicki in Wimbledon für Furore sorgte, bis ins Viertelfinale stürmte und schon mit Steffi Graf verglichen wurde. Sportlich gesehen, ging es danach aber bergab. Eine Schulterverletzung bremste ihren Tatendrang, erst wenige Tage vor Beginn des letzten Grand-Slam-Turniers der Saison in New York meldete sie sich trotzig zurück. Mit neuem Aufschlag, der die lädierte Schulter entlasten sollte. Ihrem Spiel tat dies nicht gut. Auch gegen Rodionova fehlte ihr der Aufschlag als Waffe - und so verkümmerte ihr bekannt stürmisches Spiel streckenweise zu einem lauen Lüftchen. "Aber ich hatte nur die Wahl: entweder so oder gar nicht", erzählte sie.Drei Wochen wie zuletzt könnte auch jetzt die Pause dauern. Vielleicht tröstet sie die Geschichte von Boris Becker und dessen Bänderriss und Rollstuhlfahrt auf dem Heiligen Rasen 1984. Auch für ihn brach damals eine Welt zusammen - ein Jahr später war er Wimbledonsieger. Philipp Kohlschreiber besiegte den Inder Somdev Devvarman mit 6:3, 6:4, 0:6, 6:2. Für ihn geht es am Samstag gegen den an Nummer 15 gesetzten Tschechen Radek Stepanek um den Einzug ins Achtelfinale. "Radek spielt aggressiv und schlägt gut auf. Das wird nicht leicht", sagte "Kohli". dpa