Lisa Klein wird zur großen saarländischen Olympia-Hoffnung

Radsport : Die saarländische Olympia-Hoffnung

Die Völklingerin Lisa Klein gewinnt Bronze bei der Bahnrad-WM in Polen. Ein olympischer Doppelstart wird wahrscheinlicher.

Der Aufstieg von Lisa Klein in die Weltspitze und zur größten saarländischen Medaillen-Hoffnung bei den Olympischen Spielen im kommenden Jahr in Tokio geht ungebremst weiter. Von ihrer ersten Bahnrad-WM bei den Aktiven kommt die 22-Jährige aus Völklingen-Lauterbach sensationell mit einer Medaille nach Hause. Nach ihrem starken sechsten Platz mit dem Bahn-Vierer am vergangenen Donnerstag trumpfte Klein am Samstag in der Einerverfolgung über 3000 Meter auf – und holte Bronze.

Ein Erfolg, der sich angekündigt hat. „Ich wusste schon nach dem Vierer, dass ich eine gute WM-Form habe, bin super stolz, wie wir da agiert haben, auch wenn wir keine Medaille gewinnen konnten“, sagte Klein: „Und dann hat mir mein Papa heute Morgen noch gesagt, ich soll einen raushauen.“ Das ist ihr gelungen. Klein gewann das kleine Finale gegen die Neuseeländerin Kirstie James in 3:29,473 Minuten mit fast fünf Sekunden Vorsprung. „Ich bin total glücklich, das ist meine erste Einzelmedaille“, sagte sie und durfte gemeinsam mit Teamkollegin Lisa Brennauer, die Vize-Weltmeisterin wurde, jubeln. Es waren die ersten deutschen WM-Medaillen in der Einerverfolgung der Frauen seit Judith Arndt 2000 in Manchester.

Brennauer hatte in der Qualifikation in 3:25,697 Minuten ihren eigenen deutschen Rekord verbessert. „Ich freue mich vor allem, weil wir als Team überzeugt haben. Wir konnten zwar in der Mannschaftsverfolgung nicht die erhoffte Medaille gewinnen, weil zwei Sportlerinnen krank waren, aber wir haben als Team sehr gut funktioniert, haben einen guten Zusammenhalt. Das macht einfach Spaß“, sagte Brennauer: „Mit dem Vierer können wir es ganz nach vorn schaffen, da steckt Potenzial drin.“ Eine kleine Kampfansage für Tokio 2020.

Für Lisa Klein, die 2018 auf der Straße Vize-Europameisterin im Einzelzeitfahren der U23 und Weltmeisterin im Mannschaftszeitfahren der Aktiven und deswegen Saarsportlerin des Jahres 2018 wurde, dürfte ein olympischer Doppelstart auf Bahn und Straße immer mehr zum Thema werden. Auch in der Heimat sorgte ihre WM-Medaille für Jubelstürme. „Lisa Klein knüpft damit an die Erfolge von Andreas Walzer in den Neunziger Jahren und ihres Vereinskollegen Michael Hümbert in seiner Junioren-Zeit vor etwa zehn Jahren an“, sagte Jörg Aumann, Präsident des Saarländischen Radfahrer-Bundes: „Leider hat man in der Führung des Saarsports nicht erkannt, dass selbst die Besten hierzulande – echte saarländische Talente – ohne die entsprechende Infrastruktur keine Entwicklungs-Möglichkeiten haben. Bahnradsport ohne Radbahn geht nun mal nicht.“

Seit Jahren kämpft der SRB für eine Heim- und Trainingsstätte für seine Sportler – vergeblich. Mehrere Standorte waren schon im Gespräch, von einer Sanierung der alten Bahn am Schanzenberg bis zu einem Neubau in Dudweiler. Zu einer Einigung kam es nie. Und nach dem Bekanntwerden des Finanzskandals beim Landessportverband dürfte sich da in absehbarer Zeit auch nichts tun. Klein, die im RSC Überherrn groß geworden ist, hatte das Saarland mangels Trainingsmöglichkeiten früh verlassen und war bereits während der Schulzeit aufs Heinrich-Heine-Gymnasium nach Kaiserslautern gewechselt.