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Lisa Klein hat das Moskito-Netz schon eingepackt

Lisa Klein hat das Moskito-Netz schon eingepackt

Eigentlich ist sie als Ersatzfahrerin vorgesehen, aber Lisa Klein aus Lauterbach will sich im letzten Lehrgang ab Donnerstag für die Stammformation in der Vierer-Verfolgung empfehlen. Die 20-Jährige ist in Topform.

Die Vorfreude steigt: Für Lisa Klein rückt der Saisonhöhepunkt, die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro, immer näher. Die Radfahrerin aus Lauterbach , die als Ersatzfahrerin für die Vierer-Verfolgung beim Bahnradfahren nominiert ist, fliegt am 1. August nach Brasilien und kann es kaum erwarten: "Es ist einfach eine große Ehre, dass ich so jung zu meinen ersten Spielen fahren darf. Ich freue mich riesig auf die vielen neuen Eindrücke", erklärt die Wahl-Erfurterin.

Erst am vergangenen Freitag feierte sie im Saarland im Kreise ihrer Familie ihren 20. Geburtstag. "Es ist toll, dass ich über meinen Geburtstag zu Hause sein konnte. In Erfurt ist es zwar auch schön, aber im Hotel Mama ist es einfach am besten", sagt sie - und ihr ist die Freude in den Augen anzusehen. Ihr Freund Max Dörnbach, ebenfalls Radfahrer, konnte zum Feiern nicht bei ihr sein - hatte dafür aber einen guten Grund. Er war bei der U23-EM im italienischen Montichiari am Start und sicherte sich über die 1000 Meter seinen zweiten EM-Titel. "Damit hat er mir schon einen Tag vorher das schönste Geschenk gemacht", erzählt Klein mit einem Lächeln auf den Lippen.

Der deutsche Vierer wird in Brasilien jedoch nicht um die Medaillen mitfahren können. Dafür seien die besten fünf Teams einfach zu stark. "Die fahren in einer eigenen Liga. Das Ziel muss sein, Sechster zu werden, aber auch das wird schwer", sagt Klein. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, feilen die fünf Nominierten ab Donnerstag acht Tage auf einem Lehrgang an ihrer Form. Die soll spätestens zur Qualifikation in Rio, am 11. August, auf ihrem Höhepunkt sein, damit die Mannschaft es ins Finale der besten Acht zwei Tage später, am 13. August, schafft.

Dass Klein selbst schon gut in Schuss ist, hat sie in den vergangenen Wochen unter Beweis gestellt. Neben zwei großen Rundfahrten auf der Straße, die sie mit sehr guten Ergebnissen abschließen konnte, hat sie auch ihre Bestzeit über die 3000 Meter auf der Bahn um ganze acht Sekunden verbessert - Welten im Radsport. "Die volle Konzentration liegt jetzt auf dem Lehrgang. Da möchte ich mich gut präsentieren. Ich hoffe, wir testen dort alle Formationen. Vielleicht kann ich mir ja doch einen Stammplatz erkämpfen", sagt sie entschlossen.

Besonders hinter der erfahrenen Charlotte Becker steht noch ein Fragezeichen. Sie war Anfang Juli beim "Giro Rosa" in Italien gestürzt. Ihr war dabei ein Stück vom Oberarmknochen abgebrochen sowie die damit verbundene Sehne gerissen. Sie befindet sich nach der Operation auf dem Weg der Besserung.

Egal ob Klein in Brasilien zum Einsatz kommen wird oder nicht, die Eindrücke werden bleiben - auch die von der offiziellen Einkleidung. "Das war wie Shopping. Ich habe so viele Klamotten bekommen", berichtet sie euphorisch, gesteht aber: "Ich war auch ein bisschen überfordert. Da hat man zum ersten Mal gemerkt, wie groß das alles ist." Unterstützt von Kristina Vogel, mit Miriam Welte Olympiasiegerin im Teamsprint 2012 in London, hat Klein diese Aufgabe doch gemeistert. Damit ist sie für ihre Zeit in Brasilien bestens ausgerüstet - auch für die Eröffnungsfeier, die am 5. August im legendären Maracana-Stadion stattfinden wird.

Trotz all der positiven Eindrücke bleiben auch kleine Bedenken bezüglich der Reise zum Zuckerhut. Der dort grassierende Zika-Virus ist wie bei vielen anderen Olympioniken auch bei ihr ein Thema. "Wir wurden zwar ausreichend informiert, aber ein bisschen Bammel habe ich schon. Ich nehme mir auf jeden Fall ein Moskito-Netz mit, um mich zu schützen", sagt sie, stellt aber klar: "Die Vorfreude trübt das nicht."

Zum Thema:

Auf einen Blick Das Saarland ist mit zwölf Sportlern bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro vertreten: Lisa Klein (Bahnrad), Michael Fuchs , Marc Zwiebler, Johannes Schöttler (alle Badminton), Sosthene Moguenara, Laura Müller (beide Leichtathletik), Tobias Franzmann (Rudern), Dzsenifer Marozsan (Fußball), Christoph Fildebrandt, Annika Bruhn (beide Schwimmen), Pauline Schäfer (Turnen) und Anne Haug (Triathlon). Die SZ begleitet die Athleten und ihre Vorbereitung auf den großen Höhepunkt im Vorfeld. red