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Lisa Kein aus Völklingen-Lauterbach auf Platz fünf bei WM im Zeitfahren

Straßenrad-WM in Harrogate : Im Blindflug zu Platz fünf

Völklingerin Lisa Klein zeigt im Einzelzeitfahren bei der Straßenrad-WM in Harrogate eine starke Vorstellung.

Stürze, Verschiebungen und am Ende fehlte auch ein deutsches Happy End: Am dritten Wettkampftag hat stundenlanger Dauerregen bei der Straßenrad-WM die Nerven strapaziert, bei typisch britischen Wetter fuhr die deutsche Meisterin Lisa Klein aus Völklingen-Lauterbach um knapp 50 Sekunden an einer Medaille vorbei. Rang fünf im Einzelzeitfahren der Frauen war für die 23-Jährige aber ein sehr gutes Ergebnis beim Triumph der unglaublich starken Amerikanerin Chloe Dygert.

Dygert fuhr am Dienstag in einer eigenen Liga und degradierte sogar die Niederländerin Anna van der Breggen (+1:32 Minuten) sowie ihre favorisierte Landsfrau und Titelverteidigerin Annemiek van Vleuten (+1:52) zu Statisten. Die Niederlande hatten die Weltmeisterschaften der vergangenen beiden Jahre dominiert. Die dritte Medaille für den Bund Deutscher Radfahrer (BDR) bei der WM in Großbritannien war auch für Ex-Weltmeisterin Lisa Brennauer (Durach) unerreichbar, sie fuhr auf den ordentlichen zehnten Rang.

Klein, die Saarsportlerin des Jahres 2018, zeigte sich „zufrieden. Das ist mein erstes WM-Zeitfahren gewesen. Am Anfang hatte ich Probleme mit meinem Visier, ich habe es nach sieben Kilometern weggeworfen. Ich bin da wie im Blindflug gefahren“, sagte die Saarländerin. Die Platzierungen von Klein und Brennauer genügten immerhin, um für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio einen zweiten deutschen Startplatz im Einzelzeitfahren zu sichern. Zu der unglaublich starken Dygert fehlten Klein jedoch 2:40 Minuten, Brennauer hatte einen Rückstand von 3:19 Minuten.

Dauerregen hatte vor allem das U23-Rennen der Männer beeinflusst, das der Däne Mikkel Bjerg bei nahezu irregulären Bedingungen zum dritten Mal in Folge für sich entschied. Schon 2017 und 2018 war der 20-Jährige siegreich. In den teils riesigen Pfützen kam es wie beim Dänen Johan Price-Pejtersen zu bizarr aussehenden Stürzen. Um 40 Minuten war der Start des Frauen-Zeitfahrens nach hinten verschoben worden. Der Radsportweltverband UCI bemühte sich um die Absicherung der besonders heiklen Stellen, pumpte Wasser ab und postierte Ordner mit gelben Flaggen. „Manchmal stand das Wasser einen halben Meter auf der Straße. Man fährt rein und es bremst einen um zehn km/h runter. Das war so brutal“, sagte Miguel Heidemann (Trier), der als bester Deutscher der U23 25. wurde. Ein Abbruch wäre aus seiner Sicht dennoch nicht angebracht gewesen: „Ich bin ehrlich, solange es für alle dasselbe ist, können wir fahren.“ U23-Bundestrainer Ralf Grabsch bezeichnete die Umstände als „grenzwertig“.

Ähnliches droht Tony Martin (Cottbus) und Nils Politt (Köln) an diesem Mittwoch nicht, wenn die Wetterprognosen stimmen. Beim WM-Einzelzeitfahren der Männer über 54 Kilometer sollen die Straßen trocken sein. „Wenn es ein Ziel gibt, sind es Medaillen. Darüber würde ich mich freuen. Wenn man viermal Weltmeister war, freut man sich nicht mehr über die Top Zehn“, sagte Martin.