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Ski-WM in Schweden
Die Drama-Königin schlägt noch mal zu

Åre. Lindsey Vonn beendet Karriere mit WM-Bronze in der Abfahrt. Die deutschen Skifahrerinnen bleiben ohne Medaille. sid

Lindsey Vonn wollte gar nicht mehr loslassen, so glücklich war sie. Der große Ingemar Stenmark war gekommen, um ihr letztes Rennen zu sehen. Er überreichte ihr nach der umjubelten Zieldurchfahrt einen riesigen Blumenstrauß – und dann umarmte ihn die Amerikanerin so fest wie einen Siegerpokal, der ihr mehr wert war, als die überraschende Bronzemedaille, die sie tatsächlich noch gewonnen hatte zum Ende ihrer Laufbahn. „Das ist der Wahnsinn, ein perfekter Schluss für meine Karriere“, sagte Vonn mit dem Lächeln einer Siegerin. „Ich bin cool geblieben und Vollgas gefahren wie immer. Jetzt ist Zeit zum Feiern.“ Was nun komme, konnte sie kurz nach dem Rennen nicht sagen. „Das ist komisch. Ich weiß nicht, wie es weitergehen soll. Schauen wir mal, wie mein Gefühl in ein paar Tagen ist.“


Im Bohei um Vonn ging beinahe unter, dass an einem enttäuschenden Tag für die deutschen Starterinnen Gold und Silber an zwei andere gingen: Ilka Stuhec aus Slowenien, die wegen eines Kreuzbandrisses die vergangene Olympiasaison hatte auslassen müssen, verteidigte in überlegener Manier ihren Titel von St. Moritz, als erste Abfahrerin seit der großen Maria Walliser aus der Schweiz (1987/89). Zwischen Stuhec und Vonn (+0,49 Sekunden) schob sich Corinne Suter aus der Schweiz (+0,23), die fünf Tage zuvor im Super-G Viktoria Rebensburg noch von Rang drei verdrängt hatte.

So knapp wie am vergangenen Dienstag ging es für die deutsche Mannschaft diesmal nicht zu. Im Super-G hatten Rebensburg 0,02 Sekunden zu Bronze und 0,07 zu Gold gefehlt, auf der wegen Windes um ein Viertel auf nur noch 1672 Meter verkürzten Abfahrtsstrecke war ein Platz auf dem Podest weit entfernt. Rebensburg (+0,82), WM-Debütantin Michaela Wenig (+0,90) und Medaillenanwärterin Kira Weidle (Starnberg/+0,94) belegten die Plätze elf, zwölf und 13. Meike Pfister (Krumbach) wurde 23. „Brutaler Ärger, das ist nicht das, was ich draufhabe“, sagte die unglückliche Weidle, die am Zielsprung beinahe gestürzt wäre.



Was den deutschen Damen blieb, waren letzte Fotos mit und Huldigungen für Vonn. Rebensburg kniete nieder vor der Amerikanerin und sagte dann: „Es war echt cool, die letzten Tage mit ihr zu verbringen. Wir sind ja schon gemeinsam raufgeflogen, das war eine schöne Erfahrung, wir haben einige Fotos zusammen gemacht, die werde ich in Erinnerung behalten.“

Vonn, 2010 Abfahrtsolympiasiegerin, 2009 Weltmeisterin in Abfahrt und Super-G, geht mit ihrer achten WM-Medaille sowie ihrer fünften in der Abfahrt – ein Rekord, den sie sich nun mit der deutschen Ski-Legende Christl Cranz teilt. Medaillenhoffnung Weidle blieb einstweilen nur Bewunderung. „Genau das macht sie aus, dass sie bis zur letzten Sekunde kämpft, egal was war. Einfach nur Chapeau“, sagte sie.

Und wie Vonn kämpfte: Im Super-G war sie krachend ins Fangnetz geflogen, grün und blau am ohnehin durch ihre zahllosen Verletzungen ausgezehrten Körper nahm sie ihr Herz ein letztes Mal in die Hand. Auch den großen oder Mit-Favoritinnen wie Sofia Goggia (Italien/15.) oder Ramona Siebenhofer (Österreich/7.) blieb da nur eines: Anerkennung – und eine letzte Umarmung. Das Schlusswort gebührte Stenmark, den Vonn mit SMS geradezu bombardiert hatte, damit er an ihrem letzten Tag und nicht erst wie geplant am Montag bei der WM erschien. „Es ist fantastisch, dass sie sich so verabschieden konnte. Dass sie nach so vielen Verletzungen zurückkommen kann, ist imponierend“, sagte der Schwede.