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Fußball-WM
Lewandowski kritisiert lieber die Kollegen

Kasan. Der Bayern-Stürmer enttäuscht auch beim 0:3 gegen Kolumbien wieder. Für Polen ist die WM damit nach der Vorrunde beendet.

Robert Lewandowski schüttelte immer wieder den Kopf und zuckte mit den Schultern. Eine Erklärung hatte der Kapitän der polnischen Nationalmannschaft nicht. „Es bringt nichts, sich etwas vorzumachen – wir waren schwächer“, sagte der 29-Jährige nach der 0:3 (0:1)-Demütigung am Sonntagabend durch Kolumbien. „Wir sind alle sauer und traurig.“ Der Vorrunden-K.o. war auch ein persönlicher Tiefschlag für den Münchner, der einmal mehr auf großer Bühne enttäuschte, während sein Club-Kollege James Rodríguez mit zwei Vorlagen die Partie mitentschied.


„Es sind harte Zeiten für uns“, meinte der verhinderte Torjäger, „ich fühle Bitterkeit, Wut und Ohnmacht.“ Nur zwei Treffer gelangen dem Bundesliga-Torschützenkönig in seinen bislang zehn WM- und EM-Spielen für Polen. Auch bei der Pleite in Kasan konnte er seine Extraklasse nicht zeigen. Seine fünf Torschüsse waren harmlos, nur 46 Prozent seiner Zweikämpfe gewann Lewandowski. „Ich hatte keine Torchancen. Aus nichts kann ich nichts zaubern“, klagte der Stürmer und kritisierte damit seine Mitspieler deutlich: „Es gibt keinen Spieler auf der Welt, der den Ball erobert, fünf Gegner und den Torwart aus­spielt und dann ein Tor schießt.“

Wie schon bei Bayern in der Champions League lieferte er gerade dann nicht, als seine Treffer besonders gefragt waren. „Ich wäre wütend auf mich, wenn ich Chancen gehabt und vergeben hätte. Ich bin ein Stürmer, der von Vorlagen lebt.“ Und dann kam der Tiefschlag: Die Mannschaft habe „nicht die fußballerische Qualität“. Dazu passt, dass laut Kicker den Bayern Real Madrids Stürmer Karim Benzema als Ersatz für den wechselwilligen Lewandowski angeboten worden sein soll. Bayerm habe sich mit der Idee aber erst gar nicht beschäftigt.



Matchwinner James Rodríguez, der zwei Tore genial vorbereitet hatte, lobte seine Mitspieler dagegen in den höchsten Tönen. „Wenn man gute Spieler hat, ist es einfacher“, sagte der Torschützenkönig der WM 2014: „Es ist immer besser, so viele Talente neben sich zu wissen.“

Mit dem vielseitigen Juventus-Routinier Juan Cuadrado (30) hatte James schon vor vier Jahren in Brasilien kongenial zusammengespielt. Jetzt kombinierten auch Juan Quintero (25), vom FC Porto an River Plate Buenos Aires ausgeliehen, und Rekordtorschütze Radamel Falcao (32) munter mit. Das Duo bereitete alle Tore mit teils traumhaften Pässen vor: Quintero auf James, dessen Flanke Yerry Mina einköpfte (40.). Quintero auf Falcao (70.). Und James auf Cuadrado zum 3:0 (75.).

Falcao hatte beim Viertelfinal-Einzug 2014 wegen einer schweren Knieverletzung gefehlt. Im Gruppenfinale am Donnerstag (16 Uhr) gegen Senegal muss Kolumbien aber gewinnen, um sicher ins Achtelfinale einzuziehen. Darüber muss sich Lewandowski keine Gedanken mehr machen. Gegen Japan geht es zeitgleich nur noch um die Ehre.