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Leichtathletik-DM in Erfurt: Letzte Chance für den Olympiasieger

Leichtathletik-DM in Erfurt : Letzte Chance für den Olympiasieger

Diskuswerfer Christoph Harting hat die Norm für die WM in London noch nicht erfüllt. Bei der DM in Erfurt muss es klappen.

Nein, Christoph Harting ist alles andere als in Top-Form. Nach seinem Triumph bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro hat der Diskuswerfer das Training heruntergeschraubt, um dem Körper ein bisschen Erholung zu gönnen. Und dann schmerzte zuletzt doch der Rücken, zuletzt litt er an einer Blockade des Iliosakralgelenks. Und so würde die kommende WM – Stand jetzt – ohne Harting stattfinden. Doch lamentieren kommt für den Berliner nicht infrage. „Ich habe keinen Grund zum Jammern und stehe nicht auf Mitleid“, sagt Harting vor den deutschen Meisterschaften.

Im Gegensatz zu seinem großen Bruder Robert hat Harting noch nicht die geforderte Norm (65,00 Meter) für die Leichtathletik-WM in London (4. bis 13. August) geknackt, dem 27-Jährigen fehlen 83 Zentimeter. Findet die WM etwa ohne den Rio-Olympiasieger statt? „Von voller Fitness kann keine Rede sein“, sagte Hartings Trainer Torsten Lönnfors vor dem nächsten Bruderduell über den körperlichen Zustand seines Schützlings. Doch er gibt sich vor der letzten Chance (Samstag, 17.45 Uhr) auch betont optimistisch. Christoph Harting sei „hochmotiviert und hat ja schon gezeigt, dass er in wichtigen Situationen abliefern kann“, sagte Lönnfors und verwies damit auf den letzten Versuch der Spiele in Brasilien, als sich Harting mit 68,37 Metern von Platz vier aus noch Gold schnappte.

In diesem Jahr ist bisher Bruder Robert wieder die Nummer eins in Deutschland, der London-Olympiasieger und Ex-Weltmeister hat sich zuletzt auf 66,30 Meter gesteigert. Er kann in Erfurt seinen zehnten Titel holen. Nur 2015, als Robert Harting wegen eines Kreuzbandrisses fehlte, konnte Christoph Harting gewinnen. Als zweiter DLV-Werfer hat bisher nur Martin Wierig (Magdeburg/65,56 Meter) die Norm erfüllt.

Für Christoph Harting kommt es nicht überraschend, dass es für ihn in diesem Sommer nicht so weit geht. Ganz bewusst hat der Hüne nach Rio das Training reduziert. „Wir haben die Trainingsumfänge um 15 bis 20 Prozent runtergefahren, um dem Körper die Möglichkeit zu geben, sich nach der harten Olympia-Saison zu regenerieren“, sagte er: „Damit ich auch später noch etwas von meinem Körper habe.“ Nach dem enormen Trainingsaufwand vor Rio brauche sein Körper einfach eine Auszeit. „Man kann natürlich weiter so trainieren, aber dann wäre ich vielleicht in zwei Jahren ausgebrannt“, sagte Harting: „Ich werde diese Saison bei 3500 bis 4000 Würfen landen. Im vergangenen Jahr haben wir bestimmt das Doppelte gemacht.“

Neben Christoph Harting bangt ein weiterer großer Name um die WM: Julian Reus, deutscher Rekordhalter über die 100 Meter. 10,21 Sekunden ist der Wattenscheider, der in Erfurt lebt und trainiert, bisher gerannt. „Ich bin optimistisch, dass ich den Haken an die Norm setzen kann“, meinte der 29-jährige viermalige 100-Meter-Meister. Um an der Themse nicht nur in der Staffel flitzen zu dürfen, muss er 10,12 Sekunden im Kurzsprint und 20,40 Sekunden über 200 Meter unterbieten.