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Alles für die WM
Lernen gegen Geld bei Messi und Co.

Madrid/Riad. Fußball-Profis aus Saudi-Arabien sollen als „Edel-Praktikanten“ in Spanien spielen.

Als Fahad Al-Muwallad mit der Bahn in Valencia eintraf, gab es für ihn keinen großen Empfang. Dabei wurde der Neuzugang des spanischen Fußball-Erstligisten UD Levante als der „Lionel Messi Saudi-Arabiens“ gepriesen. Der schmächtige 23-Jährige wurde nur von ein paar Club-Funktionären und Journalisten empfangen. Die Fans glänzten am vorigen Montag durch Abwesenheit. Kein Wunder: Wenn ein Club für eine Verstärkung nicht einen Cent ausgeben muss, sondern sogar laut Medienberichten vier Millionen Euro bekommt, wird auch der gutgläubigste Fan misstrauisch.


Die Erklärung für diesen „Transfer paradox“: Al-Muwallad ist einer von insgesamt neun saudischen Profis, die in dieser zweiten Saisonhälfte bei sieben spanischen Clubs der ersten und zweiten Liga so etwas wie Praktika absolvieren. Drei der Kicker sind Leistungsträger der saudischen Nationalelf, die im Sommer an der Weltmeisterschaft in Russland teilnehmen wird. Die restlichen Spieler sind heiße Anwärter auf einen Kaderplatz. Der Kommerz kickt im Fußball damit immer dreister mit.

Der Deal zwischen der spanischen Profi-Liga LFP und den Saudis sieht nach Medienberichten vor, dass jeder Verein von der saudischen Regierung oder von Sponsoren zwischen einer und fünf Millionen Euro dafür bekommt, dass eine Planstelle zur Verfügung gestellt wird. Im Gegenzug können sich die Fußballer aus nächster Nähe vom echten Messi, von Cristiano Ronaldo und Weltmeister Toni Kroos einiges abschauen und wertvolle Erfahrung sammeln. Die spanischen Clubs, die sich die Spieler bei einem Scouting aussuchen durften, mussten dem Vernehmen nach keine Verpflichtung eingehen, den Edel-Praktikanten auch Spielpraxis zu gewähren.

Gegen Real Madrid stand Al-Muwallad am Samstag noch nicht im Kader. Obwohl der nur 1,66 Meter kleine und 59 Kilogramm leichte rechte Außenstürmer in 40 Länderspielen immerhin neun Tore erzielte, war Levante-Trainer Juan Ramón López Muñiz nach den ersten Trainingseinheiten des Stürmers in Valencia sehr skeptisch. „Er kann mit keinem seiner neuen Teamkameraden kommunizieren. Er kommt aus einer ganz anderen Liga, einem ganz anderen Land. Er hat eine lange Eingewöhnungszeit vor sich“, sagte er.

Die Erstligisten FC Villarreal und CD Leganés nehmen die Profis Salem Al Dawsari und Yahia Sheri auf. Sechs Spieler kommen in vier Clubs der zweiten Liga unter, unter anderen bei Rayo Vallecano und Sporting Gijón. Es gibt nicht nur gutes Geld für die aufnehmenden Vereine, die dieses zum Teil bitter nötig haben. LaLiga erhofft sich vom Deal mehr Präsenz (sprich mehr TV-Zuschauer und mehr Trikotverkäufe) im arabischen Raum. Die beteiligten Clubs erleben schon jetzt einen Ansturm auf ihre Social-Media-Kanäle.



In Riad hofft man, dass die Spieler bis zum WM-Auftakt gegen Gastgeber Russland – dem Eröffnungsspiel des Turniers am 14. Juni – stärker werden. Fast alle anderen Spieler der „Grünen Falken“ spielen nämlich in der nicht besonders hochklassigen heimischen Liga. Eine Pleite, wie es sie bei der WM 2002 beim 0:8 gegen Deutschland in Japan gab, wollen die Scheichs nicht wieder erleben. Am 8. Juni testen die Saudis zudem noch in Leverkusen gegen Deutschland.

Teil des Abkommens ist auch die Eröffnung einer Akademie der spanischen Fußballliga in dem Wüstenstaat, um Talente in dem Land früh zu erkennen. In Spanien wird aber auch viel Kritik laut. Die Spieler-Gewerkschaft AFE prangerte an, durch solche Abmachungen werde es für junge spanische Talente schwerer, in die ersten Teams aufzurücken. Die Entwicklung, bei der der Sport dem Geld total untergeordnet werde, sei besorgniserregend, hieß es. Auch Asier Garitano, Trainer von Pokalhalbfinalist und Real-Madrid-Bezwinger CD Leganés, nahm kein Blatt vor den Mund und äußerte sich kritisch – soweit dies als Angestellter des Vereins ging.