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Zwei Wochen vor Leichtathletik-EM
Knapp fährt mit einem Quintett zur EM

Ulrich Knapp hat eine starke Trainingsgruppe beisammen.
Ulrich Knapp hat eine starke Trainingsgruppe beisammen. FOTO: rup / D-66787 Wadgassen H:0172 7172400
Saarbrücken. Gleich fünf Sportler aus der Trainingsgruppe des Kirkelers gehören dem Aufgebot für die Leichtathletik-Titelkämpfe in Berlin an. Von Kai Klankert
Kai Klankert

Am Mittwoch gibt der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) sein endgültiges Aufgebot für die Heim-Europameisterschaften im Berliner Olympiastadion bekannt – und einer der großen Gewinner der deutschen Meisterschaften von Nürnberg taucht nicht darin auf: Ulrich Knapp. Der Weitsprung-Bundestrainer aus Kirkel kann sich aber auf die Schulter klopfen. Aus seiner Trainingsgruppe in Saarbrücken werden Sprinterin Laura Müller (LC Rehlingen) sowie die Weitspringerinnen Sosthene Moguenara (TV Wattenscheid) und Alexandra Wester (ASV Köln) in der Bundeshauptstadt dabei sein. Siebenkämpferin Louisa Grauvogel (LG Saar 70), die seit ihrer Rückkehr aus den USA im Juni unter Knapp trainiert, ebenso. Und selbst Sprinter Michael Bryan (LC Rehlingen) ist als Ersatzmann dabei.


„Insgesamt bin ich sehr zufrieden“, sagt Knapp. Bis 31. Juli arbeitet er täglich mit seinen Athleten an der Hermann-Neuberger-Sportschule. Dann geht es ins gemeinsame Trainingslager des DLV nach Kienbaum in der brandenburgischen Gemeinde Grünheide – 40 Kilometer vor den Toren Berlins. Ein Einschwören auf die Titelkämpfe im Olympiastadion, die am 6. August beginnen.

Die Ziele der „Knappen“ sind ganz unterschiedlich. Müller will in den Endlauf über 200 Meter. Doch bei den Titelkämpfen in Nürnberg hatte sie sich in 23,11 Sekunden überraschend Jessica-Bianca Wessolly (22,89) geschlagen geben müssen. Um ein Haar wäre sogar der Startplatz über 200 Meter weg gewesen, wäre die Dudweilerin hinter Rebekka Haase (23,12) geblieben. Tatjana Pinto, in Nürnberg nicht am Start, war vorher schon gesetzt.



Müllers Hoffnung, ihre Saisonbestzeit näher an die persönliche Bestleistung (22,65) heranzurücken, ist nicht in Erfüllung gegangen. Und somit muss die Saarländerin in Berlin auch in den Vorlauf. Nur die besten Zwölf der europäischen Rangliste dürfen die erste EM-Runde überspringen und sind fürs Halbfinale gesetzt. Nach einer Saison mit vielen Aufs und Abs tut Müller die Rennpraxis womöglich aber gut. „Man hat in Nürnberg gesehen, dass Laura die Wettkampfhärte fehlt. Aber so hat sie eine gute Chance, mindestens zwei Mal im Stadion zu stehen. Stehst du direkt im Halbfinale, kann es auch schnell vorbei sein“, sagt Knapp.

Steigerungspotenzial sieht der Trainer auch bei Louisa Grauvogel, die 2018 eine Bestleistung nach der anderen aufgestellt hat. Knapp arbeitet mit ihr speziell im Weitsprung, auch in den anderen technischen Disziplinen ist noch Luft. 6162 Punkte sind Grauvogels Vorleistung, erbracht beim Qualifikations-Wettkampf in Ratingen. „Je nach Bedingungen sind mehr als 6200 Punkte drin. Das wäre top“, sagt Knapp.

Unglaublich dramatisch war bei der DM in Nürnberg der Weitsprung. Die für die EM gesetzten Malaika Mihambo und Sosthene Moguenara kamen lange nicht in den Wettbewerb rein. Mihambo steigerte sich spät auf 6,72 Meter und gewann, Moguenara enttäuschte mit 6,45 Metern und Rang sechs. Den dritten EM-Startplatz sicherte sich Knapp-Athletin Wester (6,69), die seit zwei Monaten in Saarbrücken wohnt und trainiert – mit genau einem Zentimeter Vorsprung vor Julia Gerter (6,68). „Bei Alex hätte es nicht besser laufen können. Sie hat ihren besten Wettkampf der Saison in Nürnberg gemacht“, sagt Knapp: „Und Sossy ist mit einem blauen Augen davongekommen. Aber sie hat bei den Deutschen schon öfter ihre Leistung nicht abrufen können und plötzlich eine internationale Medaille gewonnen. Da ist alles drin.“

Überraschend ist auch bei Michael Bryan noch etwas drin. In Nürnberg verpasste er den Endlauf über 100 Meter, wurde über 200 Meter in 21,07 Sekunden Fünfter (nachdem er bis zur Hälfte des Rennens noch geführt hatte). Über diese Strecke hatte Bryan im Vorfeld die EM-Norm unterboten (20,58) – neben Steven Müller und Aleixo Platini Menga. Nürnberg-Sieger Robin Erewa erhält nun das dritte EM-Ticket. Doch Bryan darf als Ersatzmann mit – und hat durchaus Chancen auf einen Einsatz, denn Platini Menga ist außer Form. „Vielleicht rutscht Michael noch rein. Das wäre klasse“, sagt Knapp. Dann hätte er sein Spitzen-Quintett beisammen.