Lange Nacht am See der Radsportgruppe Grüne Hölle

Radsport : Rund um die Uhr rund um den See

436 Radsportler strampelten sich am Wochenende kräftig für einen guten Zweck ab. Bei der langen Nacht am See zählte nicht die Zeit, sondern die Hilfsbereitschaft.

Einmal rund um die Uhr – immer rund um den See: 436 Radfahrer haben am Bostalsee am Freitag und Samstag zwölf Stunden lang für den guten Zweck in die Pedale getreten. „In der langen Nacht am See“ wurde das Binnengewässer 5085 Mal umrundet, was einer Gesamtkilometerzahl von 34 578 entspricht. „Das ist einfach sagenhaft“, schwärmte Uwe Glasen, der Sportwart der veranstaltenden Radsportgruppe Grüne Hölle, am Samstagmorgen beim Zielschluss um 8 Uhr. „Pro Runde bekommen wir von einem Sponsor einen gewissen Betrag zur Verfügung gestellt“, ergänzte Grüne-Hölle-Moutainbiker Karsten Marx.

Zwölf Stunden zuvor hatte sich das ellenlange Peloton mit den Charity-Radlern auf dem knapp sieben Kilometer langen Seerundweg in Bewegung gesetzt. „Macht piano, wir haben Zeit bis morgen früh“, appellierte Glasen vor dem Start an die Disziplin der Teilnehmer. Um von vornherein das Tempo rauszunehmen, wurden Rundenzeiten unter 15 Minuten nicht registriert.

Das Engagement der Fahrer war völlig unterschiedlich. Diejenigen, die nicht genug bekamen, blieben die ganze Nacht hindurch im Sattel, andere wollten einfach mit ein paar gestrampelten Runden einen Beitrag zum Hilfsprojekt leisten. So wie die Hubertus-Jugend aus Haupersweiler, die sich Fahrräder ausgeliehen hatte, und Rallyepilot Felix Griebel aus Hahnweiler. Nach ein paar Schleifen stiegen er und seine Kumpels vom Drahtesel ab, setzten sich ins Auto und fuhren als Zaungäste zum 24-Stunden-Rennen an den Nürburgring weiter. 20 000 Kilometer standen bereits nach vier Stunden auf dem Tacho des Teilnehmerfeldes, als einige ins Zelt oder Auto zum Schläfchen krochen. „Wir machen mit, weil es um den guten Zweck geht und wir helfen wollen“, sagte Sascha Kaub vom Team Yellowbag Damflos.

Sein Teamkollege Florian Lecher legte 30 Runden (204,30 Kilometer) binnen acht Stunden zurück. „Jetzt ist Schluss“, meinte Lecher, der sich nur noch auf sein Bett freute. Das bekam Hermann „Heizer“ Richard aus Zell an der Mosel erst viel später zu sehen. „Ich will die vollen zwölf Stunden durchziehen“, kündigte er während eines kurzen Boxenstopps an. Ruck zuck befüllte der „Heizer“ seine Trinkflasche, klemmte sich einen Energieriegel zwischen die Zähne, und schon ging es weiter. Denn kühl war’s am frühen Morgen. „Ich habe Klamotten überziehen müssen, die ich nicht für das Radfahren eingeplant habe. Sonst ist alles top“, bemerkte Joshua Propson vom TuS Peterberg, der dringend an der Toilettenanlage stoppen musste.

Jerome Wittling (Uni-Campus Birkenfeld) stellte nach absolvierten 200 Kilometern sein Sportgerät ab.„Ein gutes Training für Rad am Ring im nächsten Monat“, freute sich Wittling. Als die letzte Stunde anbrach, zeigte der Monitor eines Laptops 4795 Runden. „Wir schaffen die 5000 Runden, wer hätte das gedacht?“, jubelte Glasen. Drei Jungs waren im Zielbereich auf der Sitzgarnitur eingenickt und bekamen nicht mit, dass der Kreissparkasse-Radler Mike Adt zur 5000. Schleife durchrollte. „Bei den Vielfahrern singt jetzt die Kette so laut wie der frühe Vogel“, meinte Glasen.

Der Europe-Klassiker „The final countdown“ ersetzte abschließend das obligatorische Glockengeläut zur letzten Runde. Schluss und runter vom Rad – insgesamt 5085 Runden, sprich 34 578 Kilometer, hatten die Radler für den guten Zweck abgespult. „Das Streckenprofil war entspannt“, fand „Heizer“ Richard beim gemeinsamen Frühstück. Im strahlenden Gesicht von Marx spiegelte sich quasi der Erfolg der „langen Nacht am See“ wider. „Da die Veranstaltung förmlich explodiert ist, hatten wir schon Befürchtungen. Aber die Teilnehmer waren überaus diszipliniert und es gab keine Stürze oder Verletzungen, alles hat funktioniert“, resümierte er.

Eine Gruppe auf der kurzen Abfahrt vor dem Parkplatz. Insgesamt starteten 436 Radler. Foto: Frank Faber
Nur einen Hügel galt es rund um den See zu bewältigen. Foto: Frank Faber. Foto: Frank Faber

Nun steht für die Radsportgruppe der Kassensturz an, um den genauen Spendenbetrag zu ermitteln. Je 50 Prozent des Startgeldes werden der Elterninitiative krebskranker Kinder im Saarland sowie der Birkenfelder Stefan-Morsch-Stiftung zur Verfügung gestellt. Denn (G)rüne-(H)ölle-(F)reisen, bedeutet auch „Gemeinsam helfen Freunde“. Unter diesem Motto wollen die Mountainbiker nicht nur vereinsintern Hilfsprojekte unterstützen, sondern das soziale Engagement auch nach außen tragen.

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