Landkreis Saarlouis ehrte seine erfolgreichen Behinderten-Sportler

Ehrung : „Aufgeben? Habe ich noch nie gemacht“

Sie sind Vorbilder und Mutmacher: Der Landkreis Saarlouis ehrte seine erfolgreichen Behinderten-Sportler.

„Sie sind alle Aushängeschilder für den Landkreis“, begrüßte Patrik Lauer die Sportlerinnen und Sportler am Mittwoch im Saarlouiser Landratsamt, wo die traditionelle Behindertensportler-Ehrung des Landkreises Saarlouis stattfand. „Es ist eine schöne Tradition, und wir sind froh, dass es diese Ehrung gibt, um eure besonderen Leistungen gebührend zu ehren“, sagte Lauer, der sich erfreut zeigte, viele bekannte Gesichter in der Runde zu sehen. „Ihr seid Vorbilder und Mutmacher für die Menschen und zeigt, dass Einschränkungen keine Hindernisse sind, um am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen“, betonte der Landrat. Die Veranstaltung zeige, dass jeder mit großem Willen und großem Fleiß zu großartigen Leistungen fähig sei.

So wie beispielsweise Winfried Frank. Er gewann im Juli die deutsche Meisterschaft im Kegeln in Morbach. „Ich habe nicht damit gerechnet“, erzählt der 77-Jährige vom Verein Reha- und Gesundheitssport (RG) Hüttersdorf stolz, „weil ich dieses Mal zum ersten Mal in der Schadensklasse 3 mitgemacht habe.“

Es war mal was Neues, sagt Frank. Früher hat er immer in der Wertungsklasse vier gespielt und über 700 Holz geworfen, bei der deutschen Meisterschaft erzielte er diesmal 676 Kegel. Zuvor wurde er im April in Neunkirchen noch Saarlandmeister – „ohne Training“, verrät Frank verschmitzt.

Im Laufe der Jahre hat der Schmelzer viele Preise gewonnen. „Ich habe früher nur hobbymäßig gekegelt, mit Freunden“, erzählt Frank, der Anfang der 70er die Sparte Kegeln zusammen mit seinen Freunden gründete und seither aktiv kegelt. Seit Jahren leidet er an einer Beschädigung an der Schulter, die ihn in der Bewegung einschränkt, dazu kam vergangenes Jahr die Diagnose Krebs. Er merkt: „Der Antrieb und die Kraft fehlen“, es fällt ihm schwer zu trainieren.

Dabei ist Sport immer mit seinem Leben verbunden. „Ich gehe zusammen mit meiner Frau jeden Tag fünf bis sechs Kilometer spazieren“, berichtet Frank. Früher ist er auch 28 Jahre als Schiedsrichter im Fußball tätig gewesen. „Es gab Tage, da bin ich mit zwei Sporttaschen aus dem Haus“, erinnert sich der 77-Jährige, „zuerst zum Fußball und dann zum Kegeln.“

Irgendwann wurde ihm das aber zu viel, der Fußball musste ohne ihn weiter rollen, das Kegeln blieb. „Es macht mir Spaß, weil man selbst bestimmt, ob man gut oder schlecht ist“, erzählt Frank. „Und es ist ein geselliger Sport.“ Angespornt wird er durch die Begeisterung seines Enkels, der seine Medaillen stolz sammle, deswegen baue er wieder auf. Seinen Sieg bei der deutschen Meisterschaft? „Ein Erfolg über die Krankheit“, empfindet Frank, „solange ich kann, mache ich das. Aufgeben? Das habe ich noch nie gemacht.“

Nach der Krebsdiagnose lebt auch Gabriele Göbel mit einer bleibenden Behinderung als Auswirkung der Krankheit, zudem hat sie mehrere Bandscheibenvorfälle erlitten. „Ich merke die Auswirkungen beim Schießen gar nicht“, erzählt sie.

Der Sport hilft ihr dabei, die Muskulatur aufzubauen. Göbel belegte mit dem Blankbogen den dritten Platz bei der deutschen Meisterschaft. „Ich schoss da mein bestes Ergebnis“, sagt sie. Durch ihren Enkel angeregt waren ihr Mann und sie in den Verein gegangen. Anfangs hat sie nur zugeguckt, inzwischen ist fast die ganze Familie im SV Hubertus Saarwellingen. „Ich kann dabei super entspannen“, berichtet sie. Ihr Ziel? „So viele Turniere wie möglich schießen.“