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Landesjugendspiele in Lebach: 1200 Kinder und Jugendliche am Start

Landesjugendspiele in Lebach : Ein ganzes Jahr Training für diesen Moment

Bei den 41. Landesjugendspielen der Förderschulen gingen in Lebach rund 1200 Mädchen und Jungen, auch aus Homburg, an den Start. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand ein leichtathletischer Dreikampf.

Sarah ist nervös. Sie will losdüsen. Bis zum Startschuss im Lebacher Stadion vergehen aber noch einige Minuten – so testet die Schülerin der Homburger Förderschule am Webersberg für motorische und körperliche Entwicklung mit ihrem Sport-Rollstuhl nochmal den Grip der Tartanbahn. Ein Jahr hat sich Sarah auf ihr Rennen bei den 41. Landesjugendspielen der saarländischen Förderschulen gefreut und hart trainiert. Jetzt gilt’s.

„Ich muss 25 Meter geradeaus fahren, auf Zeit und so schnell wie möglich ins Ziel kommen“, erzählt die flotte Rolli-Fahrerin und wirkt sehr konzentriert. Ihre Klassenkameraden haben eine etwas längere Sprintstrecke laufend absolviert. Aufgereiht am Rand der Bahn feuern sie Sarah lautstark an, die sofort Gummi gibt und alles aus sich rausholt. Nach 11,46 Sekunden stoppt die Uhr. Eine Wahnsinnszeit. Trotzdem fließen Tränen. Tränen der Freude und der Erleichterung.

 „Ich bin zufrieden, das war wirklich schnell“, sagt Sarah strahlend im Ziel. Die Vorbereitung auf der eigens kreierten Schulhof-Rennstrecke hat sich also gelohnt – und die beeindruckende Leistung des körperlich behinderten Mädchens bleibt kein Einzelfall.

„Ich will alle Ergebnisse aus dem Vorjahr verbessern. Das ist mein Ziel. Im Training sah es so aus, als ob ich das schaffen könnte“, sagt zum Beispiel Nico von der Waldschule Saarwellingen. Lena, von der Förderschule für Blinde und Sehbehinderte in Lebach, hat das bereits geschafft: Der 800-Meter-Lauf war ziemlich anstrengend. Es war heiß“, sagt sie schnaufend. „Aber es lief trotzdem richtig gut. Ich konnte meine Zeit aus dem Vorjahr verbessern.“

Der Ehrgeiz und die Begeisterung der rund 1200 jungen Teilnehmer an den leichtathletischen Dreikämpfen im Stadion und auf dem angrenzenden Hartplatz sind riesig. Lange haben sich die Mädchen und Jungen der 16 saarländischen Förderschulen mit Entwicklungsschwerpunkt Blinde und Sehbehinderte, Sprache, geistige, körperliche und motorische Entwicklung sowie Gehörlose und Schwerhörige auf diesen Tag gefreut und mit ihren Sportlehrern trainiert. Folglich sprühen die jungen Athleten vor Ehrgeiz.

Auch Leon und Luca schenken sich nichts. Die acht Jahre alten Schüler der Friedrich-Joachim-Stengel-Förderschulen für geistige Entwicklung in Heusweiler und Saarbrücken wirbeln beim Sprint-Duell mächtig Staub auf. Kopf an Kopf rasen die Freunde über den Hartplatz. „Und sogar weit übers Ziel hinaus. Ein echtes Foto-Finish“, sagt Lehrerin Marlene Ewert staunend. Gabriel hat beim Weitwurf gerade „einen rausgehauen“. „Ich habe den Ball über die 29-Meter-Marke geworfen, zwei Mal“, verrät der Schüler der Köllertalschule für körperliche und motorische Entwicklung in Püttlingen stolz. Kugelstoßen und Ballrollen sind weitere Disziplinen des Dreikampfs, der bei den Landesjugendspielen im Mittelpunkt steht.

Ausdauer ist beim 800-Meter-Lauf gefragt, Marcs Spezialdistanz. „Ich bin zwei Runden gelaufen und Fünfter geworden, von rund 100 Teilnehmern“, freut sich das Vorzeige-Mittelstrecken-Ass der Dillinger Förderschule am Ökosee. Tom gelang vor wenigen Sekunden ein mächtiger Satz in die Sandgrube. „3,70 Meter – das ist super“, jubelt der Schüler der Förderschule Winterbachsroth für geistige Entwicklung in Dudweiler. Eine Schulkameradin sprang sogar mit Handicap. „Ich habe mich vor zwei Tagen am Arm verletzt. Behindert hat es mich nicht“, sagt Viktoria und tippt auf die mit Sand überzogene Bandage.

Auf geht’s: Beim 800-Meter-Lauf war Kondition gefragt. Die Kinder und Jugendlichen lieferten sich packende Rennen. Foto: Ruppenthal. Foto: Ruppenthal
Beim Pendelball-Kegeln ist Geschicklichkeit gefragt. Foto: Ruppenthal
Angefeuert von Klassenkameraden, Lehrern und Betreuern gibt Sarah in ihrem Rollstuhl Gummi – und fährt eine Wahnsinnszeit. Foto: Ruppenthal
Und weg mit dem Ding: Im Ballwurf gab es viele Bestleistungen. Foto: Rup. Foto: Ruppenthal
Andreas Manthe, PR-Chef der Sparda- Bank, brachte 10 000 Euro mit. Foto: Rup. Foto: Ruppenthal

Für viele Kinder war die Teilnahme am Mehrkampf unmöglich. Den Schwerstbehinderten bot die Spielwiese in der Stadionmitte Alternativen. Hüpfburg, Pendelball-Kegeln oder Zielwerfen waren Spaß-Garanten. Schüler der Lebacher Gymnasien und Schulen, Bundeswehr, Polizei und Ortsvereine waren bei den vom Bildungs-Ministerium veranstalteten Landesjugendspielen wie immer im Einsatz. 350 Helfer sorgten für den reibungslosen Ablauf der Mammutveranstaltung, die deutschlandweit einmalig ist. Zur Eröffnung hatte die Sparda-Bank einen Scheck über 10 000 Euro an die Organisatoren der Spiele übergeben.