Lahm will und soll den Matthäus machen

Lahm will und soll den Matthäus machen

Champions League, Club-WM, Meisterschaften, Pokale – mit dem FC Bayern hat Philipp Lahm alles gewonnen. Beim sechsten Turnier soll mit dem Nationalteam der ganz große Coup gelingen – in neuer Position.

Wenige Tage vor dem deutschen WM-Auftakt musste der Kapitän erstmal das Kommando abgeben. Beim Segeltörn an der Atlantikküste erteilte der südafrikanische Weltumsegler Mike Horn die Anweisungen an Philipp Lahm und seine Mannschaft. "Es war interessant zu sehen, wie man als Crew zusammenarbeiten muss", schilderte Lahm den Bootsausflug nahe des Teamquartiers in Santo André. Auch der vorangegangene Vortrag des Extremsportlers sei "beeindruckend" gewesen, berichtete Lahm. "Was der menschliche Körper imstande ist zu leisten, war unglaublich."

Lahms Körper macht nach der Verletzung aus dem Pokalfinale vor gut drei Wochen keine Probleme mehr. "Mir geht es gut, meinem Fuß geht es gut, für mich kann die WM jetzt losgehen", bekräftigte der 30-Jährige. Lahm hat auch Klarheit über seine Position in der deutschen Elf. "Aber das habe ich nicht öffentlich zu machen. Es ist nicht meine Entscheidung, sondern die des Trainers", hielt sich Lahm mit diplomatischem Geschick zurück.

Bislang verteidigte der 30-Jährige immer links oder rechts bei einer EM oder WM. Bei seinem sechsten Turnier hat ihn Joachim Löw aber höchstwahrscheinlich als Fixpunkt in der Mittelfeldzentrale vorgesehen. Vereinzelt wurde er dort schon im Nationalteam eingesetzt, aber erst die beharrliche Verschiebung Lahms in die Zentrale durch Pep Guardiola in München machte ihn für Löw zu einer WM-Option in neuer Rolle.

Mit einem "sehr guten Gefühl" blickt Führungsfigur Lahm seiner dritten WM entgegen, der zweiten als Kapitän. Übernahm er 2010 vor dem Turnier in Südafrika nach dem Ausfall von Michael Ballack die Binde zunächst nur interimsmäßig, ist er nun mit der ehrenvolle Aufgabe bestens vertraut. "Das Wichtigste ist, wie man Fußball spielt, wie man Verantwortung auf dem Platz übernimmt. Außerhalb gibt es Sachen, auf die man mehr achtet als andere Spieler. Meine Erfahrung hat sich geändert."

Champions-League-Sieger, Club-Weltmeister, deutscher Meister, Pokalsieger, Supercupgewinner - auf Vereinsebene hat Lahm mit den Bayern alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Zwei dritte Plätze bei den WM-Turnieren 2006 und 2010 stehen mit dem Nationalteam zu Buche. "Klar bin ich mir bewusst, dass es meine letzte WM sein kann. Deswegen werde ich alles in die Waagschale werfen", sagte der 106-malige Auswahlspieler.

Als Deutschland 1990 das bislang letzte Mal Weltmeister wurde, war Lahm sechs Jahre alt. "Ich habe es mir 100 Mal in der Wiederholung angeschaut", verriet er. "Wie Lothar Matthäus den Pokal in den Händen hält, das ist was Besonderes." So gerne würde er es dem Rekordnationalspieler am 13. Juli in Rio nachmachen - Matthäus war vor 24 Jahren auch als Kapitän der Fixpunkt. Im deutschen Mittelfeld.

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