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Kurzarbeit wird im Saar-Fußball zum Thema

Kostenpflichtiger Inhalt: Wegen Corona-Krise : Kurzarbeit wird im Saar-Fußball zum Thema

Die leistungsstärksten Vereine müssen mit erheblichen Einbußen umgehen. Alle hoffen auf schnelle Rückkehr in den Spielbetrieb.

Sie ist derzeit in aller Munde: Kurzarbeit. Laut Definition bedeutet Kurzarbeit im Arbeitsverhältnis eine „vorübergehende Verringerung der regelmäßigen Arbeitszeit“ in einem Betrieb aufgrund „eines erheblichen Arbeitsausfalls“. Von der Kurzarbeit können alle oder nur ein Teil der Arbeitnehmer des Betriebes betroffen sein – und letztlich sind auch Fußballvereine nichts anderes als kleine bis mittelständige Wirtschaftsunternehmen. Zumindest hierzulande.

„Auch das Wirtschaftsunternehmen FC Homburg hat sich natürlich intensiv mit dem Thema beschäftigt“, sagt der FCH-Vorsitzende Herbert Eder, im Hauptberuf Steuerberater. Die Grün-Weißen haben vier Festangestellte auf der Geschäftsstelle, dazu Spieler und Trainer der Profiabteilung. „Stand jetzt werden wir für März kein Kurzarbeitergeld beantragen“, sagt Eder: „Sollte sich im April kein Licht am Ende des Tunnels abzeichnen, müssen wir weitere Gespräche führen.“

Die Absage des Spielbetriebs gilt als erheblicher Arbeitsausfall. Geht ein jetzt Verein in Kurzarbeit, übernimmt die Bundesagentur für Arbeit 60 Prozent des ausgefallenen Nettolohns. Bei Arbeitnehmern mit Kind sind es 67 Prozent. Die Betroffenen müssen der Kurzarbeit allerdings zustimmen, schließlich ist die Bemessungsgrenze 6800 Euro – mehr wird nicht gefördert. Auch wenn die Mehrheit der Regionalliga-Kicker nicht an diesen Betrag heranreicht, suchen viele Spieler juristischen Rat bei der Vereinigung der Vertragsfußballspieler (VDV). „Die Nachfrage ist beträchtlich – vor allem aus der 3. Liga und der Regionalliga“, sagt VDV-Geschäftsführer Ulf Baranowsky.

„Wir prüfen alle Möglichkeiten von der Stundung von Steuern und Beiträgen zur Berufsgenossenschaft. Auch Kurzarbeit ist ein Thema“, sagt Marc Strauß, Vorstand Verwaltung und Vereinsentwicklung bei der SV Elversberg: „Wir haben mit allen Mitarbeitern gesprochen, und alle haben signalisiert, dass sie auch Einbußen in Kauf nehmen würden.“ Derzeit sind an der Kaiserlinde etwa 45 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. „Aktuell ist die Lage nicht existenzbedrohend, aber das hängt auch davon ab, wie lange uns das Thema noch beschäftigt“, sagt Strauß: „Natürlich steht die Gesundheit über allem. Dennoch würden wir uns sicher alle wünschen, wenn die Saison sportlich zu Ende gespielt werden könnte.“

Die Vereine sind unterschiedlich von den Spielabsagen betroffen, und auch Geisterspiele würden nicht unbedingt helfen. In Homburg würden so die Einnahmen aus den Heimspielen gegen die SVE und den FCS wegfallen. „Alle Regionalligisten haben die Zuschauereinnahmen mit ins Budget eingerechnet“, sagt Eder und erläutert: „Ein Ausfall trifft Vereine mit großer Zuschauerzahl schwerer als andere.“

Der FCS hat nach Kickers Offenbach die meisten Zuschauer der Liga – aber auch Millionen-Einnahmen aus dem DFB-Pokal. Und Sponsorenverträge, die abhängig vom erreichten Besucherschnitt höher oder niedriger dotiert sind. „Es gibt solche Verträge mit Erfolgskomponenten. Aber das sind bei uns die wenigsten“, sagt FCS-Geschäftsführer David Fischer: „Jeder Verlust tut natürlich weh, aber den könnte man verschmerzen.“ Der schmerzhafte Weg in die Kurzarbeit ist für den FCS bislang kein Thema – wohl auch wegen der Pokal-Einnahmen.

Doch wie sieht es unter der Regio­nalliga aus? In der Oberliga arbeiten die meisten Vereine mit Amateurverträgen und Minijobs. Auch Hertha Wiesbach. „Wir arbeiten seriös und haben transparent alles beim Finanzamt angegeben“, sagt der Hertha-Vorsitzende Helmut Berg, der auf eine Minderung der anfallenden Beiträge zur Berufsgenossenschaft hofft: „Wir haben uns mit Spielern, Trainern und Mitarbeitern geeinigt, nur noch verminderte Zahlungen zu leisten. Manche haben sogar vorübergehend komplett verzichtet.“

Seit Dezember hatte die Hertha nur ein Heimspiel. Die Sponsoren stehen noch zum Verein. „Man muss abwarten, wie sehr die eigene wirtschaftliche Situation ihnen das noch erlaubt“, sagt Berg: „Es gibt derzeit viele Unwägbarkeiten. Sicher ist, dass wir die Saison mit einem Minus abschließen werden.“

Wie und ob die Runde sportlich endet, weiß niemand. „Wir können nicht einfach weitermachen wie bisher. Wir müssen die Situation unserer Sponsoren im Augen haben“, sagt auch Wolfgang Brenner, Geschäftsführer des SV Röchling Völklingen. Er hat für zwei Spieler Kurzarbeitergeld beantragt. „Es gibt derzeit auch kein Fahrgeld, weil niemand fahren muss“, sagt Brenner mit bitterem Humor: „Wir werden in den nächsten Tagen mit der Stadt Gespräche führen. Da geht es dann um Strom, Wasser und sonstige Abgaben.“

Einnahmen erhofft hatte sich der FV Diefflen mit dem Saarlandpokalspiel gegen den FCS. „Am Ende kann man als Verein nur von dem leben, was man hat – bis jetzt haben wir nichts“, sagt Vorstand Andreas Montag: „Natürlich hätte uns dieses Spiel unter normalen Umständen Freiräume geschaffen. Darum wünsche ich mir eine baldmögliche Entscheidung, ob und wie es mit dem Spielbetrieb weitergeht.“ Für die Bewirtung des Clubheims habe man Kurzarbeit angemeldet, mit Trainer Andreas Hofer und der Mannschaft sei man im Austausch. Die finanziellen Schäden wolle man auch an das vom Landessportverband geplante Meldesystem weitergeben. Ob und wenn wann und wieviel Unterstützung darüber dann an die Vereine fließen wird, ist eine der vielen unbeantworteten Fragen dieser Tage, in dieser Corona-Krise.