Kurz vor der Schmach

Santos. Keine Athletik, keine Ballbehandlung, kein Selbstvertrauen: Bundestrainer Heine Jensen hat seine Mannschaft vor dem entscheidenden Vorrundenspiel gegen Angola ein schlechtes Zeugnis ausgestellt

Santos. Keine Athletik, keine Ballbehandlung, kein Selbstvertrauen: Bundestrainer Heine Jensen hat seine Mannschaft vor dem entscheidenden Vorrundenspiel gegen Angola ein schlechtes Zeugnis ausgestellt. "Die Basissachen stimmen einfach nicht, hier reden wir über Nationalspielerinnen, die eigentlich die Besten der Besten sein sollen", sagte er nach dem 20:26 am späten Mittwochabend gegen Island. Nach der zweiten Niederlage im vierten Spiel bei der Handball-Weltmeisterschaft in Brasilien braucht Deutschland zum Abschluss der Gruppenphase heute gegen Afrika-Meister Angola (17.45 Uhr/Sport1 ) einen Sieg zum sicheren Erreichen der K.o.-Runde. "Da müssen wir mit Selbstbewusstsein rangehen, denn wir sitzen schon fast im Flieger zurück nach Deutschland", sagte Jensen, der mit seinem Rundumschlag die Mannschaft wachrütteln will."Ich bin im Moment der Hauptverantwortliche und ich übernehme die Verantwortung für das, was in den Spielen in Brasilien passiert ist", sagte der Bundestrainer, der einigen seiner Spielerinnen "Angst" attestiert: "Ich muss die Typen finden, die mit dem Druck umgehen können."

Dabei lief die Vorbereitung gegen Weltklasse-Mannschaften fast optimal. Ein neuer, positiver Geist in der Mannschaft war entstanden. Alle lobten die Arbeit des immer nur optimistisch vorangehenden Dänen, der nun sein erstes großes Turnier als Bundestrainer erlebt. "Wir erlauben uns in allen Spielen diese Hänger, dabei hätten wir nach dem tollen 31:28-Auftaktsieg gegen Olympiasieger Norwegen mit viel mehr Selbstbewusstsein agieren können", sagte Torhüterin Clara Woltering. "Wir sehen leider auch, dass das alles eine athletische Frage ist. Das betrifft nicht nur ein oder zwei Spielerinnen, sondern leider fast die ganze Mannschaft. Auch unser Umgang mit dem Ball muss deutlich verbessert werden. Kaum eine Spielerin ist in der Lage, direkt zum Tor zu gehen. Wir spielen nur quer", kritisierte Jensen und betonte: "Der Wille ist da, man traut sich aber nicht. Der letzte Biss fehlt."

Im Spiel gegen Angola gilt es nun, letzte Reserven zu mobilisieren. Sollte die deutsche Mannschaft verlieren, geht das Turnier für sie wohl im "Presidents-Cup" weiter, in dem die Plätze 17 bis 24 ausgespielt werden. Das Thema Olympia hätte sich dann erledigt.

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