Kultfigur Lottner steht beim Pokal-Knaller im Mittelpunkt

Kostenpflichtiger Inhalt: Pokalspiel 1. FC Saarbrücken gegen 1. FC Köln : Eine Kultfigur steht im Mittelpunkt

Dirk Lottner will beim 1. FC Köln mal Cheftrainer werden. An diesem Dienstag trifft er mit dem FCS im DFB-Pokal auf seinen Herzensclub.

Dirk Lottner ist in Köln eine Kultfigur – wie Willy Millowitsch oder Geißbock Hennes. Dass der 47-Jährige vor dem DFB-Pokal-Knaller des Fußball-Regionalligisten 1. FC Saarbrücken gegen „seinen“ 1. FC Köln an diesem Dienstag (18.30 Uhr, Hermann-Neuberger-Stadion in Völklingen) im Mittelpunkt steht, ist nun wahrlich kein Geheimnis. Ihn selbst hat das große Kribbeln längst erfasst. „Ich bin in dieser Stadt groß geworden, meine Familie lebt nach wie vor dort. Und ich hänge mit dem Herzen an dem Verein“, sagt Lottner.

Das Zweitrundenduell gegen den Bundesliga-Aufsteiger ist für den Fußball-Lehrer etwas ganz Besonderes. Schon als Junge im Stadtteil Zollstock hatte er nur den Geißbock im Kopf. „Der FC war immer der Verein, für den ich spielen wollte“, erinnert er sich. Doch der größte Club der Stadt verschmähte ihn lange – Lottner lief für die kleinere Fortuna auf, für Bayer Leverkusen. Erst mit 27 Jahren erhielt er beim FC eine Chance – und wurde doch noch zum Liebling eines jeden Kölner Fans.

„Ich habe lange davon geträumt, in einem Pflichtspiel mal gegen den 1. FC Köln spielen zu können“, sagt Lottner: „Ich freue mich riesig darauf.“ Von 1999 bis 2004 absolvierte Lottner für den FC insgesamt 161 Pflichtspiele, in denen er 54 Tore erzielte. Durch sein Auftreten auf und neben dem Platz erlangte er Kultstatus bei den Fans. Den hat er bis heute nicht eingebüßt.

„Zum einen war ich kein schlechter Kicker und habe auch das eine oder andere Törchen erzielt. Zum anderen war ich immer sehr authentisch und ganz nah dran an den Fans. Immer wenn es nicht so lief, wurde ich vorgeschoben, den Kontakt mit den Fans zu suchen“, erzählt Lottner: „Alle diese Faktoren spielen eine Rolle, dass man auch nach seiner aktiven Karriere noch einen gewissen Status hat.“

So intensiv die sechs Jahre als FC-Profi waren, so würdelos geriet der Abschied: Lottner wurde aussortiert, wegen läuferischer Defizite. Nach der Karriere war der einstige Mittelfeldspieler auch für den Verein als Trainer im Einsatz, betreute die zweite Mannschaft und half als Interimstrainer auch bei den Profis aus. Doch höhere Aufgaben vertraute man ihm noch nicht an bei seinem Herzens-Club.

An diesem Ziel hält Lottner trotzdem fest, auch wenn er erneut eine Weile warten muss. „Es ist legitim als Kölner, der so lange für den FC gespielt hat, davon zu träumen, dort irgendwann als Cheftrainer die Verantwortung zu tragen“, sagt Lottner: „Träumen darf man doch.“

Obwohl Lottner seit 2013 keine Funktion mehr beim 1. FC Köln innehat, schaut er immer noch gelegentlich am Geißbockheim vorbei. Denn die Domstadt, wo der frühere Mittelfeldspieler geboren wurde und nach seiner Profi-Laufbahn sieben Jahre als Trainer in verschiedenen Mannschaften arbeitete, blieb stets sein Hauptwohnsitz. „Leider komme ich immer seltener dazu, mir Spiele des FC anzusehen. Ich bin in Saarbrücken einfach total eingespannt“, berichtet Lottner: „Umso schöner ist es, dass wir uns nun zum DFB-Pokal mal alle wiedersehen.“

Es wird nur ein kurzes Wiedersehen sein. Lottners Alltag ist die Regionalliga Südwest und der Kampf um den Aufstieg. „Es ist mein großes Ziel, im Sommer mit dem 1. FC Saarbrücken in die 3. Liga aufzusteigen“, sagt der Trainer des Tabellenführers: „Für mich muss es mittelfristig in den bezahlten Fußball zurückgehen.“ Sein Vertrag in Saarbrücken endet am 30. Juni 2020, aber es ist kaum vorstellbar, dass dieser nicht verlängert wird, sollte der FCS sein Saisonziel erreichen.

Ein sportlicher Coup im Pokal würde dabei enorm helfen – für die Euphorie und finanziell. Nachdem der FCS bisher schon mehr als eine halbe Million Euro im Pokal eingenommen hat, gäbe es bei einem Einzug ins Achtelfinale vom DFB 702 000 Euro oben drauf – eine fette Prämie für einen Viertligisten. Und zugleich wäre ein Sieg auch eine starke Bewerbung von Lottner für seine eigene Zukunft.

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