Kühnen allein zu Haus

Düsseldorf. Auf dem Siegerfoto von 2011 scheint noch alles in bester Ordnung. Gemeinsam lächeln Patrik Kühnen und das deutsche Tennis-Team nach dem Gewinn des World Team Cups in die Kameras. Ein Jahr später wirkt das Bild wie aus einer längst vergangenen Zeit

 Als die deutsche Mannschaft im vergangenen Jahr mit Patrik Kühnen, links, als Teamchef den World Team Cup in Düsseldorf gewann, da war noch alles in bester Ordnung.Foto: Bonn-Meuser/dpa

Als die deutsche Mannschaft im vergangenen Jahr mit Patrik Kühnen, links, als Teamchef den World Team Cup in Düsseldorf gewann, da war noch alles in bester Ordnung.Foto: Bonn-Meuser/dpa

Düsseldorf. Auf dem Siegerfoto von 2011 scheint noch alles in bester Ordnung. Gemeinsam lächeln Patrik Kühnen und das deutsche Tennis-Team nach dem Gewinn des World Team Cups in die Kameras. Ein Jahr später wirkt das Bild wie aus einer längst vergangenen Zeit. Denn wenn Florian Mayer, Philipp Kohlschreiber, Philipp Petzschner und Christopher Kas von diesem Sonntag an im Düsseldorfer Rochusclub die Mission Titelverteidigung in Angriff nehmen, wird Kühnen fehlen. Ausgebootet und bloßgestellt von seinen eigenen Spielern, muss der Davis-Cup-Teamchef zu Hause bleiben, weil sich die vier Profis lieber von ihren Privattrainern betreuen lassen.Regelkonform ist die Vorgehensweise der Mannschaft, weil in den Statuten der inoffiziellen Weltmeisterschaft steht, dass der Kapitän der Auswahl den Teamchef bestimmt. Doch noch nie zuvor in der traditionsreichen Geschichte des Wettbewerbs hat es ein deutscher Spieler gewagt, von diesem Recht Gebrauch zu machen. Selbst in unruhigen Zeiten mit Boris Becker und Michael Stich saß stets der Davis-Cup-Coach auf der Bank. Diesmal ist es Tobias Summerer, der persönliche Trainer von Mayer.

"Was soll ich dazu noch sagen, was nicht schon gesagt ist?", meinte Kühnen. "Ich muss die Entscheidung der Spieler akzeptieren, sie wollen sich mit ihren eigenen Trainern auf die French Open vorbereiten." Doch so einfach ist die Situation nicht. Schließlich soll Kühnen im September mit jenen Spielern, die er jetzt in Düsseldorf nicht betreuen darf, gegen Australien den Abstieg aus der Weltgruppe des Davis Cups verhindern.

"Ich mache ganz normal weiter. Ich werde bei den French Open sein, in Halle und auch in Wimbledon", sagte Kühnen. Es soll also alles seinen gewohnten Gang gehen. Das versuchte unlängst auch Kohlschreiber zu vermitteln. Das Team wolle "ganz sicher" im Davis Cup weiter mit Kühnen zusammenarbeiten. "Es gab Unstimmigkeiten und Ungereimtheiten", gestand Kohlschreiber immerhin. Aber: "Wir wollten definitiv keinem damit schaden."

Auslöser der pikanten Situation war das verlorene Erstrundenspiel im Davis Cup gegen Argentinien im Februar, bei dem Kohlschreiber krank fehlte. Routinier Tommy Haas kritisierte den Augsburger damals für seine Abwesenheit, Kohlschreiber fühlte sich von Kühnen nicht geschützt. Als der Davis-Cup-Coach dann wenig später beim Turnier in Miami auch noch als Privattrainer von Haas auftauchte, sahen Kohlschreiber, Mayer und Kas wohl die Zeit für eine Retourkutsche gekommen. Petzschner sitzt als möglicher Doppelpartner von Haas bei den Olympischen Spielen zwischen den Stühlen.

Ob in dieser Gemengelage ein erneuter Triumph gelingt? Schwer vorstellbar, zumal die Deutschen auf der Tour weiter schwächeln. Kühnen wird den World Team Cup im Fernsehen verfolgen. Die Reise als Zuschauer schenkt er sich. dpa

"Ich muss die Entscheidung der Spieler akzeptieren, sie wollen sich mit ihren eigenen Trainern auf die French Open vorbereiten."

Patrick Kühnen