Krönung für die goldene Generation

Krönung für die goldene Generation

Sogar Barack Obama jubelte mit: Dank der überragenden Carli Lloyd hat sich die goldene Generation der USA endlich ihr Denkmal gesetzt. Das US-Team besiegte Japan im Finale der Frauen-WM klar mit 5:2.

Barack Obama will die Golden Girls so schnell wie möglich im Weißen Haus sehen, Stars und Sternchen standen zum Gratulieren Schlange: Nachdem Carli Lloyd und Co. den Cup endlich wieder "nach Hause" geholt und die US-Fußballerinnen zum alleinigen Rekord-Weltmeister gemacht hatten, feierte ganz Amerika.

Aus den Sportbars tönte nach dem denkwürdigen 5:2 (4:1) im WM-Finale von Vancouver gegen Titelverteidiger Japan nur noch "USA! USA!", Superstars wie Sängerin Beyonce, Golfprofi Tiger Woods oder Basketballer Kobe Bryant huldigten den WM-Heldinnen. Doch Oberfan war der Präsident. "Welch ein Sieg für das Team USA! Wir alle sind so stolz", sagte Obama und forderte die Mannschaft auf: "Kommen Sie bald mit dem WM-Pokal ins Weiße Haus."

16 schier endlose Jahre hatte die stolze Frauenfußball-Nation gebraucht, um sich nach 1991 und 1999 diesen verflixten dritten Stern zu holen. Das Drehbuch war ja perfekt: In Kanada kam es zur Neuauflage des Final-Dramas von 2011, das die USA nach zweimaliger Führung im Elfmeterschießen verloren hatten (1:3).

Die letzte Chance für die goldene Ü30-Generation um Abby Wambach und Star-Torhüterin Hope Solo musste genutzt werden, fand auch Lloyd. "Ich war auf einer Mission", erklärte die 32-Jährige nach ihrem Gala-Auftritt im torreichsten Endspiel der WM-Geschichte. Schon im Halbfinale gegen Deutschland (2:0) hatte Lloyd einen Treffer beigesteuert.

Als die USA nun nach 16 Minuten bereits 4:0 in Führung lagen, hatte die Kapitänin als erste Spielerin einen Dreierpack (3., 5. und 16. Minute) in einem WM-Finale erzielt - das letzte mit einem Hammerschuss von der Mittellinie über die weit vor dem Kasten stehende Torhüterin Ayumi Kaihori. Nach ihren großartigen Leistungen erhielt die Mittelfeldspielerin zurecht den Goldenen Ball als beste Spielerin des WM-Turniers.

Lloyd verkörpert die absolute Entschlossenheit wie keine andere im US-Team. "Ich habe alles getan, mein ganzes Leben solchen Momenten geopfert", sagte sie und erzählte von einer einsamen Trainingseinheit vor geraumer Zeit im heimischen New Jersey mit einer Vorahnung: "Ich habe visualisiert, wie ich ein WM-Finale spiele und mir vorgestellt, wie ich vier Tore schieße." Nah dran.

Die frühere Weltfußballerin Wambach, die nun endlich ihre Sehnsucht nach dem WM-Titel gestillt hat, befand: "Carli hat diese WM für uns gewonnen." Nationaltrainerin Jill Ellis, seit einem Jahr im Amt und nicht immer unumstritten, huldigte ihren Spielerinnen: "Sie wurden für solch große Momente geboren. Je schwieriger der Gegner, desto besser wird dieses Team. So ist ihre DNA."

Alex Morgan setzt nun auf positive Auswirkungen des Triumphs auf die Profiliga NWSL. "Ich hoffe, es bringt mehr Investoren, Sponsoren", sagte der Stürmer-Star. Der Rekordweltmeister selbst steht in naher Zukunft aber vor einem Umbruch. Veteranen wie Christie Rampone (40), die ehemalige Saarbrückerin Shannon Boxx (38) und wohl auch Wambach (35) werden sich verabschieden - immerhin mit diesem Titel. Jetzt hat sich auch Weltmeister-Trainer Joachim Löw in die öffentlich entbrannte Debatte um das unbefriedigende WM-Abschneiden der deutschen Fußball-Frauen eingeschaltet. Und der Bundestrainer sprang seiner in die Kritik geratenen Kollegin Silvia Neid bei. "Was in der Öffentlichkeit vom einen oder anderen Trainerkollegen gesagt wurde, ist einfach mieser Stil - vor allem die Art und Weise. Kritik unter Kollegen sollte man direkt mit den beteiligten Trainern besprechen. So haben wir es beim DFB immer gehalten", sagte Löw gestern.

Neid hatte dies ähnlich empfunden und nach der ernüchternden 0:1-Niederlage gegen England im Spiel um Platz drei zurückgekeilt. Ihren Vorwurf, die Spielerinnen seien "in einem katastrophalen Zustand" zur WM gekommen, ließen die Bundesliga-Vertreter nicht auf sich sitzen. "Der angebliche katastrophale körperliche Zustand trifft auf meine drei Spielerinnen nicht zu", widersprach Turbine Potsdams Trainer Bernd Schröder der Bundestrainerin. Er warf Neid mangelnde Kritikfähigkeit vor. "Der unter Druck geratene Hund sitzt in der Ecke und fängt an zu bellen. Ich kann doch nicht einfach pauschal zurückschlagen", meinte der 72-Jährige: "Jeder muss auch mal den Wert einer Kritik beachten."

Auch Siegfried Dietrich, Manager des Champions-League-Siegers 1. FFC Frankfurt, reagierte verwundert. "Es ist ein bisschen irritierend, dass Silvia Neid den katastrophalen Zustand der Spielerinnen erst nach den zwei Niederlagen erwähnt hat. Zumal sie das Team zuvor nach den Spielen gegen Norwegen und Schweden noch für ihre gute Verfassung gelobt hatte", sagte Dietrich: "Das sind pauschale und zu undifferenzierte Vorwürfe, die man so aus Vereinssicht nicht stehen lassen kann."