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Sportpolitik
Schönfärberei sorgt für Unmut

Alfons Hörmann möchte wieder zum DOSB-Präsidenten gewählt werden.
Alfons Hörmann möchte wieder zum DOSB-Präsidenten gewählt werden. FOTO: dpa / Michael Kappeler
Düsseldorf. DOSB-Präsident Hörmann steht vor seiner Wiederwahl am Samstag in der Kritik. sid

Fünf Jahre ist es her, da stand Alfons Hörmann stolz auf dem Podium der Wiesbadener Rhein-Main-Halle. Fest in der Hand hielt der frisch gewählte DOSB-Präsident ein Schiffssteuerrad, das ihm sein Vorgänger Thomas Bach überreicht hatte. „Packen wir’s an, marschieren wir los!“, rief Hörmann den Delegierten des Deutschen Olympischen Sportbundes zu, die den Allgäuer gerade in das höchste deutsche Sportamt gehoben hatten.


Am Samstag, wenn sich Hörmann auf der 15. Mitgliederversammlung in den Düsseldorfer Rheinterrassen für vier weitere Jahre wählen lassen will, wird von der Aufbruch­stimmung nichts mehr zu spüren sein. In Hörmanns „Sportdeutschland“ hat sich vielerorts Frust breit gemacht, vor allem das zähe Großprojekt Spitzensportreform führte Verbände und Athleten in einen Zustand mentaler Erschöpfung.

Hörmann scheint alarmiert, denn auf dem Weg zu seiner Wiederwahl machen er und seine Gefolgsleute auch vor Mitteln nicht halt, die an Vortäuschung falscher Tatsachen grenzen – um den Schein zu wahren, der Präsident habe alles und alle im Griff. Schönfärben fürs Wahlvolk.



Am 28. September bekundete Hörmann „nach vielen ermutigenden Gesprächen“ seine „Bereitschaft zur erneuten Kandidatur“. Vorausgegangen sei ein „einstimmiges Votum“ der Konferenz der Landessportbünde in Oberhaching. Mittlerweile ist klar, dass es das besagte einstimmige LSB-Votum von Oberhaching für eine Wiederwahl Hörmanns nie gegeben hat. De facto gab es nicht einmal eine Abstimmung, und anwesend waren auch nur Präsidenten von zwölf der 16 Landessportbünde. Hörmann wollte sich dazu nicht äußern.

Ein Erdrutschsieg, wie er ihn bei seiner einstimmigen Wiederwahl 2014 in Dresden gefeiert hatte, käme am Samstag überraschend. Denn in einigen Spitzenverbänden hinterließ auch die DOSB-Kommunikation zum angeblichen Geldsegen aus Berlin einen faden Beigeschmack. Im November stockte das Bundesinnenministerium den Spitzensport­etat für 2019 um 46 Millionen auf 234 Millionen Euro auf. Noch Anfang September hatte der DOSB dem BMI eine Aufstellung über die „Mehrbedarfe 2019“ in Höhe von 114 Millionen Euro geschickt.