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Neues im LSVS-Skandal: Krisensitzung und Quasi-Maulkorb

Neues im LSVS-Skandal : Krisensitzung und Quasi-Maulkorb

Rund um den Finanzskandal beim Landessportverband für das Saarland gibt es immer mehr offene Fragen.

Gestern Nachmittag gegen 15.30 Uhr kam das Präsidium des Landessportverbandes für das Saarland (LSVS) zu einem Krisentreffen zusammen. Knapp drei Wochen nach dem Bekanntwerden des mutmaßlichen Millionenlochs im Haushalt haben LSVS-Präsident Klaus Meiser und sein Präsidium alle Hände voll zu tun.

In einem Zwölf-Punkte-Plan zur Bewältigung der Krise hatte sich der LSVS am 18. Dezember ausdrücklich Transparenz gegenüber Medien und eine Begrenzung des Imageschadens auf die Fahne geschrieben. Tatsächlich reagierte die LSVS-Geschäftsstelle seit diesem Tag nicht mehr auf Anfragen unserer Zeitung. Meist antworteten Anwälte der Kanzlei Heimes & Müller, die den Verband im Finanzskandal vertritt. Die Juristen mussten eine Reihe von Fragen unbeantwortet lassen, teilweise mit Verweis auf die Ermittlungen gegen den freigestellten LSVS-Geschäftsführer.

So schwieg der LSVS gestern auf Nachfragen zur Lebensgefährtin von Klaus Meiser, die das Parlamentsbüro des CDU-Politikers und Landtagspräsidenten leitet und von November 2015 bis Dezember 2017 eine bezahlte Nebentätigkeit für den LSVS ausübte. Zur Büroleiterin im Landtag war die Verwaltungsangestellte am 11. November 2015 aufgestiegen, als Meiser die Amtsgeschäfte übernahm. Ihren Job beim Sportverband musste sie nicht genehmigen lassen, aber ihrem Vorgesetzten anzeigen: dem Landtagspräsidenten. Bereits im Oktober 2014 hatte Meiser die Führung beim LSVS übernommen, ein Jahr später war er wiedergewählt worden.

Der LSVS verwies noch am Mittwoch darauf, dass der freigestellte Hauptgeschäftsführer die Frau angestellt habe. Inwiefern Meiser verbandsintern an der Stellenbesetzung beteiligt war, ob die Position öffentlich ausgeschrieben wurde, ob seine Partnerin einen Arbeitsplatz an der Hermann-Neuberger-Sportschule besaß – auf all diese Fragen gab es keine Antworten.

Die Staatsanwaltschaft Saarbrücken, die im Finanzskandal gegen den freigestellten LSVS-Geschäftsführer H. wegen des Anfangsverdachts der Untreue ermittelt, teilte auf SZ-Anfrage mit, dass „das Beschäftigungsverhältnis beim LSVS ein Punkt sein wird, der der sachlichen Aufklärung mit sich daran anschließender rechtlicher Würdigung unterliegen wird“.

An anderer Stelle wurde von Seiten des LSVS die Kommunikation mit der SZ sogar mit einem „Quasi-Maulkorb“ belegt. Eine SZ-Umfrage unter den Sportfachverbänden, wie sie die aktuelle Situation und das Krisenmanagement ihres Dachverbandes einordnen, konterte der LSVS umgehend mit einer Rund-Mail, in der er die Verbandsvertreter darum bat, „darauf vorerst nicht zu antworten“ – mit Verweis auf die gestrige Präsidiumssitzung und einer gemeinsamen Presseerklärung im Anschluss. Bis zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe lag der SZ keine Presseerklärung vor.

Die Staatsanwaltschaft Saarbrücken geht derweil mehr und mehr ins Detail und wertet mithilfe eines Wirtschaftsforensikers die Unterlagen aus, die sie bei der Hausdurchung beim LSVS am 22. Dezember 2017 sichergestellt und mitgenommen hatte. Der Experte wurde mit der Erstellung eines Sachverständigen-Gutachtens beauftragt. Auch fanden mehrere Zeugenbefragungen statt, so unter anderem am vergangenen Mittwoch die von Karin Becker, die in Doppelspitze mit André Forsch mittlerweile die Nachfolge von H. angetreten hat. Eine erste Befragung im alten Jahr war kurz nach Beginn vom Staatsanwalt abgebrochen worden.

Am Donnerstag meldete sich mit Dennis Lander ein Mitglied des Innen- und Sportausschusses im Landtag öffentlich zu Wort. „Der Landessportverband muss endlich zu einer geordneten Geschäftsführung und Personalpolitik zurückfinden“, forderte der Linken-Politiker. Er äußerte sich auch zur Sitzung seines Ausschusses, der sich am 11. Januar mit dem LSVS befasst. Die Landesregierung müsse im Innenausschuss nächste Woche die Karten auf den Tisch legen, sagte Lander. Auch Landtagspräsident Meiser sei verpflichtet, an einer rückhaltlosen Aufklärung mitzuwirken.

Die nicht mehr im Landtag vertretenen Piraten positionierten sich gestern klar gegen den Parlaments- und LSVS-Präsidenten und forderten einen Untersuchungsausschuss. „Klaus Meisers Ämter und das ihm entgegengebrachte Vertrauen sind derart nachhaltig geschädigt, dass er unverzüglich beide Ämter ruhen lassen muss“, teilte der Landesvorsitzende Klaus Schummer gestern mit.