Krisenclub Köln

Köln. Das an Emotionen kaum zu überbietende Rot-Festival gegen Hertha BSC toppte Fußball-Bundesligist 1. FC Köln kurz darauf. Als die Spieler noch das im Abstiegskampf wichtige 1:0 (1:0) durch ein Tor in der 36. Minute von Christian Clemens feierten, wurden sie mit einer Nachricht konfrontiert

Köln. Das an Emotionen kaum zu überbietende Rot-Festival gegen Hertha BSC toppte Fußball-Bundesligist 1. FC Köln kurz darauf. Als die Spieler noch das im Abstiegskampf wichtige 1:0 (1:0) durch ein Tor in der 36. Minute von Christian Clemens feierten, wurden sie mit einer Nachricht konfrontiert. Die FC-Führung trennte sich drei Stunden nach der Partie von Sportdirektor Volker Finke - wegen Differenzen mit Trainer Stale Solbakken bei taktischen und personellen Entscheidungen.Lukas Podolski, der wie Mitspieler Mato Jajalo die Rote Karte gesehen hatte, dürfte dies mit Genugtuung registriert haben. Wie Milivoje Novakovic gehörte er nicht zu Freunden des machtbewussten Finke, während andere Kölner Spieler wie Michael Rensing, Christian Eichner und Sascha Riether den Sportdirektor bei seiner permanenten Solbakken-Kritik unterstützten. Mit der Trennung von Finke, der den Machtkampf gegen den Trainer verloren hat, könnte der Riss in der Mannschaft noch größer werden.

Finke löste Guido Winkmann am Samstag als Hauptfigur des Geschehens ab. Der Schiedsrichter hatte drei Spieler vom Feld gestellt. Nach einer "Rudelbildung" stand die Partie in der 75. Minute vor der Eskalation. Podolski sah die Rote und Herthas Lewan Kobiaschwili die Gelb-Rote Karte. Gesehen habe er die Szene nicht, gab Winkmann zu. Aber sein Assistent habe eine Hand- und Kopfbewegung Podolskis in Richtung Kobiaschwili erkannt, erläuterte der Unparteiische, der aus der Umgebung von Kölns Erzrivale Borussia Mönchengladbach kommt. Eine Schiedsrichter-Ansetzung, die sechs Tage nach dem Angriff Kölner Hooligans auf einen Gladbacher Fanbus jedes Fingerspitzengefühl der Deutschen Fußball-Liga vermissen lässt. TV-Bilder stützen die Wahrnehmung der Schiedsrichter nicht. "Ich soll Kobiaschwili am Hals gewürgt haben. Die Meinung hat er exklusiv", sagte Podolski.

Winkmann hatte zuvor Jajalo wegen groben Foulspiels an Kobiaschwili vom Platz gestellt (66. Minute) - eine vertretbare Entscheidung. Besonders die zu erwartenden Sperren von Podolski brachte Solbakken zur Verzweiflung: "Das war eine große Fehlentscheidung. Das war Wahnsinn." Ein Ausfall des Stürmers, der die Hälfte der 32 Saisontore des FC erzielte, könne die Mannschaft kaum verkraften. Podolski wurde von den Fans bei seinem Abgang vom Rasen gefeiert. Den Wechsel zum FC Arsenal würden sie ihrem "Prinz Poldi" offenbar nicht krumm nehmen. Beschlossene Sache sei der sowieso noch nicht, sagte der Nationalspieler: "Wenn es etwas zu verkünden gibt, bin ich der Erste, der das tun wird." Im Zuge der Verhandlungen um eine Vertragsverlängerung hatte er Finke kritisiert. Verschwand mit dem Sportdirektor nun ein Störfaktor, um doch noch eine Einigung zu erzielen? Fest steht: Der zum Chaos neigende Verein muss nach dem Abgang von Präsident Wolfgang Overath nun auch noch einen neuen Sportchef suchen. dapd

Foto: pfeil/dapd

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