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Rallye-WM: Kremer mischt in der höchsten Klasse mit

Rallye-WM : Kremer mischt in der höchsten Klasse mit

Nach mehr als 20 Jahren im Rallye-Sport lässt sich der beste deutsche Pilot die Heim-Rallye im Saarland nicht entgehen.

Er ist ein alter Hase im Rallye-Sport. Eines der größten deutschen Talente. Seit über 20 Jahren lebt der 48-jährige Armin Kremer die Faszination Rallye-Fahren. Ein Quantensprung in der Technik, den Autos, den Strecken. Von seinen Anfängen 1993 bis heute hat sich vieles weiterentwickelt. Immer wieder neue Herausforderungen. „Ich bin froh darüber, dass ich das erleben durfte und immer noch darf“, sagt Kremer. Und die deutschen Rallye-Fans sind froh, dass ein deutscher Pilot bei der Heim-Rallye in der höchsten Klasse mitmischt – auch wenn Armin Kremer als Gastfahrer in der WM-Gesamtwertung keine Rolle spielt.

„Die Deutschland Rallye ist etwas Besonderes, das höchste Rallye-Prädikat“, sagt Kremer. Es sei eine Ehre für ihn mitzufahren – eine doppelte. Denn Kremer tritt im baugleichen Auto an wie der Weltmeister Sébastien Ogier, einem Ford Fiesta. Druck macht er sich deshalb aber keinen. „Ich habe ein absolut gutes Gefühl“, sagt er. Und das, obwohl er zum letzten Mal im Januar bei der Rallye Monte Carlo im Auto saß.

Auch an das schnellere Auto muss sich Kremer erstmal gewöhnen. Im vergangenen Jahr fuhr er die komplette Saison noch in der zweithöchsten Fahrzeugklasse. Jetzt seien die Voraussetzungen anders. „Die Autos erreichen atemberaubende Geschwindigkeiten“, sagt Kremer. 135 Kilometer pro Stunde Durchschnittsgeschwindigkeit. „Aber bisher komme ich sehr gut zurecht.“

Die vergangenen zwei Monate hat er seinen Körper auf die Rallye-Fahrt im Saarland vorbereitet: mit Laufen und Radfahren. Aber wenn es drauf ankommt, spiele sich vieles im Kopf ab. Mehrfacher deutscher Rallye-Meister, 2001 Europameister – wer über Jahrzehnte Rallye-Erfolge einfährt, bei dem muss der Kopf immer funktionieren. „In erster Linie muss man den Eigenantrieb haben“, sagt Kremer. Ein Geheimrezept gebe es nicht. Wichtig sei es, ein Fahrgefühl zu entwickeln. Und dann müsse man die Möglichkeiten nutzen, die sich bieten. Mit Ehrgeiz.

Doch auch Armin Kremer stand in seiner Sport-Karriere nicht nur einmal am Scheideweg. Aufhören? Weitermachen? Zum ersten Mal 1997. Bei der neunten Wertungsprüfung der Deutschland Rallye prallte Kremers Wagen auf einer Landstraße an einen Baum, überschlug sich und ging in Flammen auf. Kremer konnte sich retten. Beifahrer Sven Behling verbrannte im Auto. Der Schicksalsschlag warf Kremer aus der Bahn. Mit allen Beteiligten arbeitete er das, was passiert war, intensiv auf. Dann war ihm klar: „Es macht keinen Sinn, wenn man sich in die Ecke setzt und aufhört.“ Er wollte den Gedanken an seinen Freund und Beifahrer weitertragen. „Wir wissen ja, warum wir das machen. Es zwingt uns keiner dazu“, sagt Kremer.

2005 entscheidet er sich dann trotzdem für das Aufhören. Innerhalb des familiären Geflügelbetriebs stand ein Generationswechsel an. Unternehmen oder Sport? „Der Sport war zum damaligen Zeitpunkt sehr wackelig“, erzählt Kremer. Er entschied sich für den Betrieb und für die Familie. Fast fünf Jahre lang saß er in keinem Rallye-Auto. „Dann bin ich leider wieder rückfällig geworden“, sagt Kremer und lacht. Die Faszination für die Fahrzeuge sei einfach zu groß gewesen. Und so kam er langsam wieder zurück. An Aufhören denkt er seitdem nicht mehr. „So lange ich gesundheitlich noch kann“, sagt er. Er dürfe sich nur nicht selbst überschätzen.

Seine langjährigen Erfahrungen gibt Kremer gerne an die Nachwuchs-Piloten weiter. Marijan Griebel hat er unter seine Fittiche genommen. Griebels Vater war 1996 Mechaniker bei Mitsubishi, als Kremer den ersten deutschen Meistertitel holte. Jetzt unterstützt Kremer den Junior. „Die Fehler, die ich gemacht habe, braucht er ja nicht nochmal zu machen“, sagt er. Bei der Rallye fahren sie beide ihre eigene Linie. Nicht als direkte Konkurrenten, weil sie in unterschiedlichen Klassen fahren. Aber das Maximale erreichen wollen sie beide – und das ist der Sieg. Der deutsche Rallye-Sport wünscht sich wieder einen Weltmeister aus den eigenen Reihen – Jahrzehnte nach Walter Röhrl. „Da ist ganz klar ein junger Mann extrem notwendig“, sagt Kremer. Vielleicht einer, der von ihm gelernt hat.