Kratz glaubt an weitere A-Nationalspielerinnen aus dem Saarland

Frauenfußball : Kratz will weitere Nationalspielerinnen formen

Die Eliteschule für Mädchenfußball feiert ein besonderes Jubiläum. Und dazu passend freut sich der Verband über ein starkes Jahr 2018.

Margret Kratz ist authentisch. Man kann ihr gut zuhören. Vor allem wenn sie über ihr Spezialgebiet, den Frauenfußball, spricht. Die 57-Jährige ist die Verbandstrainerin des Saarländischen Fußballverbandes (SFV). Man kann sie zweifelsohne als die starke Frau im saarländischen Fußball bezeichnen. Die ehemalige Nationalspielerin hat einen großen Anteil daran, dass es mit dem Frauenfußball im Saarland in den vergangenen Jahren meistens steil nach oben ging.

Als erst zweite Frau in Deutschland nach Ex-Bundestrainerin Tina Theune erwarb sie im Anschluss an ihre Karriere 1992 die Fußballlehrer-Lizenz. In diesen 27 Jahren hat sie nicht nur zahlreiche Männer als Trainer aus- und fortgebildet, sondern auch viele talentierte Mädchen zu den Fußballerinnen geformt, die sie heute sind. Ihr Erfolgsrezept? „Ich werde sicher nie eine Laptop-Trainerin“, sagt sie lachend und ergänzt: „Die Spielerinnen sollen das Herz für ihre Sportart schlagen lassen. Das musst du zum Brennen bringen. Dann läuft vieles von alleine.“

Egal ob mit oder ohne Laptop: Dass die Arbeit von Kratz und ihrem Team in den Auswahl-Maßnahmen des SFV und in der Eliteschule des Mädchen- und Frauenfußballs an der Hermann-Neuberger-Sportschule in Saarbrücken immer wieder neue Früchte trägt, ist an dem zu Ende gegangenen Jahr 2018 gut zu erkennen – einem der besten in der jüngsten Vergangenheit.

Insgesamt acht saarländische Spielerinnen waren im Blickfeld der Nachwuchs-Nationalmannschaften des DFB. Aliya Diagne (SV Elversberg/SV Göttelborn), Milena Fischer (1. FC Saarbrücken), Leonie Stöhr (SG Erbach/1. FC Saarbrücken) und Yara Volpert (JFG Saarlouis/Dillingen) kamen 2018 sogar zu Länderspiel-Einsätzen. Ein Höhepunkt in ihrer noch jungen Karriere erlebte sicherlich Diagne, die mit der deutschen U17-Nationalmannschaft in Uruguay WM-Erfahrungen sammeln durfte. „Ich bin mir sehr sicher, dass wir auch aus diesem Jahrgang eine A-Nationalspielerin herausbekommen“, ist die Verbandstrainerin optimistisch.

Die Eliteschule wird von Kratz und Ex-Bundesliga-Spielerin Julia Leykauf geleitet. Die Gelder für die Förderung der Spielerinnen (unter anderem zusätzliche Trainingseinheiten am Vormittag, eingebettet in den Schulunterrricht) stellt der DFB zur Verfügung. Seit elf Jahren gibt es die Eliteschule nun schon. Aus diesem Grund wird im Juli ein Jubiläum gefeiert: elf Jahre, elf Monate und elf Tage. Offiziell gegründet wurde die Eliteschule 2007, Josephine Henning kam schon 2006 aus Trier ins Saarland. „Das war ein Probejahr für uns, in dem es galt, Strukturen zu finden“, erzählt Kratz. Ein Jahr, das ihr damals viel Sicherheit für den Start gab, wie sie erzählt. „Ich hatte gar keine Angst.“ Mit Henning, Nadine Keßler, Selina Wagner, Romina Holz, Nadine Kraus, Ann-Katrin Schinkel, Lisa Schwab, Laura Vetterlein und Dzsenifer Marozsán waren im Jahr 2008 gleich neun Spielerinnen im Kreise der Jugend-Nationalmannschaften vorzufinden. „Das war unser absolut bester Jahrgang aller Zeiten“, erzählt Kratz und kommt fast schon ins Schwärmen.

Aus dieser „goldenen Zeit“, wie Kratz sie bezeichnet, entsprangen mit Keßler (Europameisterin 2013, Europas Fußballerin und Weltfußballerin des Jahres 2014), Henning (Europameisterin 2013, Olympiasiegerin 2016) und Marozsán (Europameisterin 2013, Olympiasiegerin 2016) gleich drei A-Nationalspielerinnen. Während Keßler und Henning ihre Karrieren beendet haben, ist Marozsán Kapitänin der deutschen Frauen-Nationalmannschaft. „Sie wäre überall Nationalspielerin geworden. Sie hat so viel Talent. Ich glaube nicht, dass sie mich gebraucht hat“, sagt Kratz voller Respekt über ihren ehemaligen Schützling, der heute bei Olympique Lyon spielt, der besten Vereins-Mannschaft der Welt.

Auch in der Folge gab es starke Jahre. Etwa 2014. Damals waren es mit Nadine Winckler, Chiara Klein, Lara Martin, Lisa Schüler, Lena Reiter, Lena Lattwein, Emma Dörr, Anne Reinhard, Cathrin Kastler, Tilda Novotny und Elisa Skrotzki gleich elf Saarländerinnen, die an Kader- und Sichtungs-Lehrgängen des DFB teilnahmen – wieder eine Rekordzahl. Die heute 18-jährige Lattwein, neben Marozsán das zweite saarländische Eigengewächs im internationalen Fußball, schaffte inzwischen den Sprung in die A-Nationalmannschaft und bestritt Anfang November 2018 gegen Italien ihr erstes Länderspiel. Seitdem ist die Spielerin der TSG Hoffenheim fest im Kader – bisher noch die Einzige aus diesem Jahrgang. „Man weiß ja nie, was noch kommt“, sagt Kratz hoffnungsvoll. Ihre Prognose für die Zukunft sieht jedenfalls gut aus. Und die nächsten Talente stehen bereits in den Startlöchern.

Mehr von Saarbrücker Zeitung