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Krasse Kehrtwende: ARD und ZDF zeigen Tour de France doch live

Hannover. Krasse Kehrtwende zum Kompromiss: ARD und ZDF werden trotz weiterer Doping-Enthüllungen wieder live von der Tour de France übertragen. Eine Stunde täglich werden die öffentlich-rechtlichen Sender vom wichtigsten Radsport-Ereignis berichten, davon 30 Minuten live

Hannover. Krasse Kehrtwende zum Kompromiss: ARD und ZDF werden trotz weiterer Doping-Enthüllungen wieder live von der Tour de France übertragen. Eine Stunde täglich werden die öffentlich-rechtlichen Sender vom wichtigsten Radsport-Ereignis berichten, davon 30 Minuten live. Im Oktober 2008 hatte die ARD nach erneuten Doping-Geständnissen das Ende der Live-Berichterstattung angekündigt, doch bereits unterzeichnete Verträge ließen den Ausstieg nicht zu. ARD und ZDF werden ihre Live-Berichterstattung vom 4. bis 26. Juli allerdings reduzieren. Nur ein Viertel der bisherigen Zeit werden Live-Bilder gezeigt, nachdem es im Vorjahr 80 Stunden waren. Schwerpunkt bei der Berichterstattung sollen Probleme des Radsports sein. "Natürlich werden unsere Kollegen von der Doping-Redaktion dabei sein, um journalistisch angemessen über alles im Umfeld der Tour zu berichten", sagt ARD-Sprecher Harald Dietz: "Das Thema wird mit Argusaugen beobachtet."



Freiwillig zeigen die Sender die halbe Stunde live nicht. Im Oktober hatte der damalige ARD-Vorsitzende Fritz Raff (Foto: SZ) vom Saarländischen Rundfunk zum geplanten Ausstieg aus Live-Übertragungen erklärt: "Der sportliche Wert der Tour de France hat sich auf Grund der gehäuften Doping-Fälle und der daraus gewonnenen Erkenntnisse erheblich reduziert. Damit ist auch der programmliche Wert stark gesunken." Das ZDF schloss sich der harten Linie an. Doch es gab einen TV-Vertrag des Tour-Veranstalters Amaury Sports Organisation (ASO) und der Europäischen Rundfunk Union (EBU), der ARD und ZDF angehören. "Die ARD ist dem Vertrag der EBU zur Tour de France nicht beigetreten und hat deshalb auch keinen Vertrag für die Übertragung der Tour für die Jahre 2009 bis 2011", hatte die ARD mitgeteilt. Diese Bewertung war wohl nicht haltbar. "Man kann es einen Kompromiss nennen", kommentierte Dietz die Einigung: "Wir wollten immer über die Tour berichten. Wir haben immer nur gesagt, dass wir keine großflächige Live-Berichterstattung mehr machen werden."

Entscheidend für die ARD sei auch gewesen, dass ASO an der harten Linie im Kampf gegen Doping festhalte und die französische Anti-Doping-Agentur mit dabei sei. Wie die Sender bei erneuten Doping-Fällen reagieren, ließ Dietz offen: "Da wird man sich jeden Fall genau anschauen müssen." Spekulationen, wonach die Entscheidung mit höheren Einschaltquoten durch die angekündigte Rückkehr des siebenmaligen Tour-Siegers Lance Armstrong zusammenhänge, wies er zurück.

"Wir sind froh, dass jetzt eine Entscheidung gefallen ist", sagte ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz. Die Zeit für die Vorbereitung der Übertragungen sei "nicht mehr sehr lang". Komplett übertragen wird Eurosport. Bereits bei der Tour 2007 hatte der Sportkanal anders als ARD/ZDF seine Berichterstattung trotz des Doping-Falls Patrik Sinkewitz fortgesetzt. ARD und ZDF waren damals ausgestiegen, Sat.1 hatte kurzfristig übernommen - und schlechte Quoten erzielt. dpa