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Korea tritt bei WM mit vereinter Mannschaft an

Handball : Vereintes Team auf Friedensmission

Deutscher Auftaktgegner tritt bei der WM mit Spielern aus Süd- und Nordkorea an.

Es war Teil einer großen Friedensmission vor der Handball-Weltmeisterschaft, sah aber aus wie ein ganz normales Training. Die Spieler des vereinten Teams aus Korea schwitzten und lachten zusammen, alle trugen bei der öffentlichen Einheit im Berliner Horst-Korber-Sportzentrum das gleiche Outfit. Einzig bei der Schuhwahl zeigten die vier Nordkoreaner Flagge: In blau-rot-weißen Tretern flitzten sie übers Parkett.

Rund ein Dutzend Journalisten und fünf TV-Kameras achteten auf jedes Detail. Beim WM-Eröffnungsspiel am Donnerstag (18.15 Uhr/ZDF) gegen die deutsche Nationalmannschaft wird die Aufmerksamkeit ungleich größer sein. Millionen Zuschauer weltweit und 14 800 Fans in der ausverkauften Arena am Ostbahnhof werden Zeuge eines historischen Auftritts der politisch verfeindeten Brüder-Nationen. Und das im ehemals geteilten Deutschland, in der Mauerstadt Berlin.„Mit dem Fall der Mauer ist man den Weg des Friedens gegangen. Deshalb möchten wir als gemeinsames Team zeigen, dass wir als Koreaner auch diesen Weg gehen können“, sagte Cheftrainer Cho Young-Shin. Auch Andreas Michelmann, Präsident des Deutschen Handball-Bundes, fühlt sich „aufgrund unserer eigenen Geschichte sehr berührt“.

Hauptinitiator der Aktion war von Beginn an IHF-Präsident Hassan Moustafa. Der machtbewusste Ägypter erlebte, wie sich IOC-Präsident Thomas Bach und andere Funktionäre bei den Olympischen Winterspielen als Friedenshelfer inszenieren konnten. Das vereinte koreanische Eishockey-Frauenteam war trotz des letzten Platzes eines der Attraktionen in Pyeongchang.

Als sich die Handballer Südkoreas fast zeitgleich als Dritter der Asienmeisterschaft für die WM qualifizierten, forcierte Moustafa die sportliche Vereinigung. Vier Nordkoreaner muss oder darf das Team integrieren – je nach Sicht auf die Dinge. Als einzige Mannschaft des Turniers darf Korea mit 20 statt mit 16 Spielern starten. Korea wird mit dem Länderkürzel COR und der weiß-blauen Flagge, die das vereinte Land symbolisiert, antreten.

Seit 22. Dezember bereitet sich Korea in Deutschland auf die WM vor. „Beim ersten Treffen haben wir noch gefremdelt“, gab Kapitän Jung Su Young zu. Sein nordkoreanischer Kollege Ri Song Jin erzählte aber mit leuchtenden Augen von einem Kennenlernabend, „seitdem sind wir in Freundschaft verbunden“.

Cho Young-Shin, der für die südkoreanische Auswahl verantwortlich ist, fungiert als Cheftrainer. Ihm steht in Sin Myong-Chol der nordkoreanische Auswahl-Trainer als Assistent zur Seite. „Ich kann versprechen, dass in jeder Partie mindestens ein Nordkoreaner zum Einsatz kommt. Wir hatten zwar nur zwei Wochen Zeit, aber die hat ausgereicht, die Stärken und Schwächen der Spieler zu sehen“, sagte Cho Young-Shin.

Bundestrainer Christian Prokop hatte anfangs Probleme, Videomaterial von den Nordkoreanern zu bekommen. Kurz vor dem ersten Gruppenspiel warnt er sein Team: „Sie spielen einen schnellen Ball und sind taktisch diszipliniert. Das wird ein echter Prüfstein für uns.“ Auch Torhüter Silvio Heinevetter weiß aus Erinnerung an ein Spiel gegen Südkorea vor vielen Jahren: „Das ist schon extrem unangenehm. Diese kleinen schnellen Jungs sind nicht so schlecht, wie man denkt.“

Der Weltverband lud auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und Nordkoreas Diktator Kim Jong-un zum Eröffnungsspiel ein, doch diese Hoffnung zerschlug sich schnell. In seiner Neujahrsansprache ging Kim zwar nicht auf die Handball-WM ein, er zeigte sich gegenüber Südkorea aber weiter versöhnlich. Kein Wunder, schließlich wollen sich Nord- und Südkorea gemeinsam um die Ausrichtung der Olympischen Spiele 2032 bewerben. Auch deswegen gehen Koreas Handballer bei der WM auf Friedensmission.