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Kolumne über den LSVS-Skandal: Organisierte Verantwortungslosigkeit

Organisierte Verantwortungslosigkeit? : Über die Welt hinter der Schranke

Ein Jahr nach Bekanntwerden des Finanzskandals beim Landessportverband wissen wir: Um die Athleten ging es an der Sportschule oft nur vordergründig. Das ist das eigentlich Skandalöse.

Wer zur Hermann-Neuberger-Sportschule will, muss eine gelb-schwarze Schranke passieren. Hinter der Schranke beginne die Welt des Saarsports – das haben wir vor einem Jahr geschrieben. Als wir zum ersten Mal über den Finanzskandal beim Landessportverband (LSVS) berichteten. Diese Welt erschien uns Journalisten vertraut.

An der Sportschule beobachteten wir Olympiasieger und Hoffnungsträger, führten Interviews in der Mensa, berichteten über Millionenprojekte. Aber auch über Mauselöcher und kleine Merkwürdigkeiten – was Politikern und Funktionären nicht immer gefiel. Betrachteten sie die teure Sportschule doch als makelloses Schmuckstück. Heute wissen wir, dass wir über die Welt hinter der Schranke zu wenig wussten.

Wir haben uns lange auf das Sportliche konzentriert. Während wir uns nun mit dem Vorwurf konfrontiert sehen, die Athleten aus dem Blick zu verlieren. Das hat auch mit dem Wesen dieses Skandals zu tun. Die Sportler haben ihn nicht zu verantworten. Und es fällt auf, dass keine Topathleten darin Akteure sind. Während man darüber streiten kann, ob sie von dem fragwürdigen „System der Sportförderung“ profitierten, das mittlerweile einen Untersuchungsausschuss des Landtages und mehrere Gerichte beschäftigt.

Der LSVS habe über seine Verhältnisse gelebt, das gestehen seine Funktionäre heute ein. „Wir Athleten haben sicherlich nicht über unseren Verhältnissen gelebt.“ Das hat Athletensprecherin Anja Noske vor einem halben Jahr gesagt. Auch das ist wahr.

Wie oft haben auch wir berichtet, dass der Tischtennis-Nationalspieler Patrick Franziska gut 90 000 Euro aus dem sogenannten Verstärkungsfonds erhalten hat? Doch: Was ist das, verglichen mit den vielen Spitzengehältern innerhalb des Verbandes? Laut SR soll allein der Küchenchef der Mensa gut 100 000 Euro verdient haben.

Niemand neidet den Angestellten ihr Einkommen. Nur offenbaren solche Auswüchse das eigentlich Skandalöse an diesem Finanzskandal. Da wäre die organisierte Verantwortungslosigkeit auf allen Ebenen zu nennen, die Selbstbedienungsmentalität vermeintlicher Sportsfreunde, das System kleiner Gefälligkeiten, auch der Machthunger ehemaliger Funktionäre. Die Summe all dessen führt zu einem traurigen Ergebnis. Hinter der Schranke ging es um vieles, doch um eines zu oft nur vordergründig: den Saarsport.