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Leichtathletik-DM in Erfurt: „Koko“ läuft mit Vollgas nach London

Leichtathletik-DM in Erfurt : „Koko“ läuft mit Vollgas nach London

Konstanze Klosterhalfens Aufstieg wird zur Gratwanderung: Bei der WM soll die 20-Jährige schon angreifen, auf dem Weg zu Olympia 2020 aber nicht verheizt werden.

Konstanze Klosterhalfen war kaum einzufangen: Nach ihrem 1500-Meter-Traumrennen bei der Leichtathletik-DM in Erfurt schoss die 20-Jährige an den Journalisten vorbei und wurde erst vom Pressesprecher gebremst. Böse gemeint hatte „Koko“ das nicht – auf dem Weg zur WM in London kennt sie nur Vollgas. „Ich freue mich, dass ich derzeit soviel Kraft habe. Hoffentlich behalte ich sie noch ein wenig“, sagte Klosterhalfen, nachdem sie in 3:59,58 zum zweiten Mal binnen eines Monats unter der Vier-Minuten-Marke geblieben war. Diese Schallmauer hat seit der Wiedervereinigung keine deutsche Läuferin geknackt. „Eigentlich wollte ich es ruhiger angehen lassen“, sagte Klosterhalfen, „dann bin ich aber einfach gelaufen.“

Gelaufen. Einfach. Unter vier. Im Alleingang. Dieses 1,74 Meter große und nur 48 Kilogramm schwere Persönchen, das früher Ballett getanzt hat, Querflöte und Klavier spielt, Model war und Messdienerin ist, erzählte es, als wäre es das Leichteste auf der Welt. Und vielleicht ist es das derzeit auch für die Leverkusenerin, der in diesem Jahr als jüngster Läuferin der Geschichte das Triple gelang, die 800 Meter unter zwei Minuten (1:59,65), die 1500 Meter unter vier und die 5000 Meter (14:51,38) unter 15 Minuten gerannt zu sein.

Klosterhalfens kometenhafter Aufstieg bereitet den Verantwortlichen im Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) viel Spaß, allerdings auch Kopfzerbrechen. „Wir sollten bescheiden bleiben, aber wir träumen schon davon, dass sie uns ganz viel Freude auf Weltniveau machen wird innerhalb der nächsten Jahre“, sagte der deutsche Cheftrainer Idriss Gonschinska. Das Supertalent in geordneten Bahnen zu halten und auf dem Weg zu Olympia 2020 nicht zu verheizen, wird seine große Aufgabe. „Ich sehe Konstanze immer noch als erfahrungssammelnde Athletin, egal, wie euphorisch wir jetzt sind“, sagte Gonschinska. Deshalb wird Klosterhalfen auch wie vor Saisonbeginn geplant am kommenden Wochenende die U23-EM im polnischen Bydgoszcz bestreiten, wo auch die drei Saarländer Laura Müller (LC Rehlingen, 400 Meter), Sophie Gimmler (LAZ Saarbrücken, Hammerwurf) und Tobias Blum (LC Rehlingen, 10 000 Meter) an den Start gehen. „Ursprünglich sind wir davon ausgegangen, dass diese EM eigentlich ihr Höhepunkt ist und nicht die WM. Dann hat sich aber gezeigt, dass sie eigentlich wenig dagegen tun kann, unter vier Minuten zu laufen“, sagte Gonschinska.

Die WM als Betriebsunfall? „Es ist eine Ehre, in London starten zu dürfen, aber es ist auch eine ganz andere Konkurrenz“, sagte Klosterhalfen. Dort bekommt sie es mit Afrikas Elite wie Äthiopiens Weltrekordlerin Genzebe Dibaba zu tun. Nicht wenige Fachleute meinen, dass Klosterhalfen Europas Antwort auf die Übermacht aus Kenia und Co. sein kann. „Ich freue mich, wenn jemand etwas so etwas Nettes sagt, aber ich versuche das auszublenden“, sagte Klosterhalfen. Nicht denken, laufen. Einfach nur laufen.