Knippings Zeit beim FCS endete mit einer Ohrfeige

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Tim Knipping stieß 2013 mit dem 1. FC Saarbrücken im DFB-Pokal bis ins Achtelfinale vor. Ein Wiedersehen auf dem Platz wird es am Sonntag nicht geben. Der Neuzugang von FCS-Pokalgegner Jahn Regensburg fällt verletzt aus.

Wenn der 1. FC Saarbrücken an diesem Sonntag um 15.30 Uhr im DFB-Pokal den Zweitligisten Jahn Regensburg empfängt, wird Tim Knipping nur Zuschauer sein. Der Ex-Saarbrücker, Neuzugang beim SSV Jahn, musste sich vor fünf Wochen einer Operation an der Halswirbelsäule unterziehen.

„Nach einem Kopfball hatte ich Schmerzen im Nacken. Erst hatte ich mir nichts dabei gedacht und sogar noch weitergespielt – bis die Schmerzen schlimmer wurden“, erinnert sich Knipping. Erst eine MRT-Untersuchung gab Aufschluss: schwerer Bandscheibenvorfall. „Eine OP war unumgänglich“, sagt Knipping, der schon wieder Teile des Mannschaftstrainings mitmachen kann. Ein Einsatz gegen den alten Verein käme allerdings zu früh.

Es wäre ohnehin keine Rückkehr an die alte Wirkungsstätte geworden, denn als der 26-Jährige das Trikot des 1. FC Saarbrücken trug, spielten die Blau-Schwarzen in der 3. Liga – und im Ludwigspark. Und nicht wie aktuell im Hermann-Neuberger-Stadion in Völklingen. „Ich hatte gerade mein Abitur gemacht, war das erste Mal weg von Zuhause“, erzählt der gebürtige Kasseler: „Ich habe damals etwas gebraucht, mich einzuleben, aber es war eine tolle Zeit im Saarland. Unvergesslich – auch wenn sie mit dem Abstieg aus der 3. Liga endete.“ Und mit einer Ohrfeige.

Nach dem letzten Spiel waren damals ein paar Fans in die Umkleide gelangt, es wurde kurz handfest. „Sie waren traurig, wütend und etwas angetrunken“, erinnert sich Knipping, der auf eine Anzeige verzichtet hatte: „Ich wollte niemanden den Weg verbauen, weil er in so einem Moment eine falsche Entscheidung getroffen hat.“

Der 1,90 Meter große Innenverteidiger entschied sich in der Folge für einen Wechsel zu Borussia Mönchengladbach II, spielte dort mit dem Saarländer Benno Mohr (heute SV Elversberg) und dem Ex-Saarbrücker Giuseppe Pisano zusammen. „Ich bin noch über die Sozialen Medien mit einigen Leuten in Saarbrücken verbunden, verfolge den Verein auch über die Saarbrücker Zeitung“, sagt Knipping.

Nach zwei Jahren Borussia gelang Knipping beim SV Sandhausen der Sprung in die 2. Liga. „Das erste Jahr war schon toll, im zweiten war ich Stammspieler. Wir hatten die beste Abwehr der Liga. Doch dann habe ich mich verletzt.“ Nach einem Schienbeinbruch im Spiel beim 1. FC Nürnberg drohte Knipping zwischenzeitlich sogar die Amputation des Unterschenkels. Doch der Kämpfer kam zurück, machte im ersten Einsatz ein Tor. Dennoch standen am Ende der abgelaufenen Saison nur sieben Einsätze – und die Anfrage vom Ligakonkurenten.

„Regensburg hat sich unglaublich um mich bemüht. Gerade nach der Verletzung war mir dieses Vertrauen sehr wichtig“, sagt Knipping: „Der Jahn hat Tradition, ein neues Stadion und letzte Saison knapp 12 000 Zuschauer im Schnitt. Das ist eine Hausnummer. Ich freue mich darauf, das erste Mal ein Pflichtspiel für den neuen Arbeitgeber zu bestreiten.“ Daraus wird aber am Sonntag noch nichts. „Ich hatte mich direkt nach der Auslosung so darauf gefreut. Auch auf die vielen bekannten Gesichter. Aber vielleicht kann ich ja so mitkommen.“

Dass eine Reise ins Saarland für favorisierte Bundesligisten kein Ausflug ins Grüne ist, weiß Knipping aus eigener Erfahrung. „Wir haben damals Werder Bremen und den SC Paderborn rausgeworfen, sind erst an Borussia Dortmund gescheitert“, erzählt der Ex-Saarbrücker, als sei es gestern gewesen. Gegen Werder hatte der FCS mit 3:1 nach Verlängerung gewonnen, gegen Paderborn 2:1, gegen Dortmund war im Achtelfinale beim 0:2 Schluss. „Ich weiß, was möglich, wenn die Fans die Mannschaft richtig nach vorne treiben. Mit José Pierre Vunguidica und Kevin Behrens habe ich in Sandhausen ja gemeinsam gespielt. Wir haben uns da schon ausgetauscht. Saarbrücken ist kein normaler Regio­nalligist. Da müssen wir am Sonntag schon sehr aufpassen und wirklich unsere Leistung auf den Platz bringen.“ Aber mehr als seine Kollegen warnen, ist für Tim Knipping am Wochenende nicht drin.

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